Ein Beispiel im Erzbistum Köln: Das "Netzwerk Syrienhilfe" in Bonn
Ein Beispiel im Erzbistum Köln: Das "Netzwerk Syrienhilfe" in Bonn
Klaus Hagedorn
Klaus Hagedorn

21.06.2017

Koordinator zu Integration von Flüchtlingen im Erzbistum Köln "Mit langem Atem"

Klaus Hagedorn koordiniert die Flüchtlingsarbeit im Erzbistum Köln - und zieht zur domradio.de-Themenwoche "Integration" Bilanz. Für die Zukunft hofft er auf mehr "Erfolgsgeschichten".

domradio.de: Keine zwei Jahre sind vergangen seit der ersten Willkommenseuphorie. Auf dem Weg zu einer wirklich Integration der Flüchtlinge, wo stehen wir da im Erzbistum Köln?

Klaus Hagedorn (Koordinator kirchliche Flüchtlingsarbeit im Erzbistum Köln): Wirkliche Integration ist nicht von heute auf morgen machbar, man braucht einen langen Atem. Ich glaube, wir sind als katholische Kirche im Erzbistum Köln ganz gut aufgestellt. Wir haben die ersten Schritte der Verbände, die vorbildlich Integrationsarbeit leisten, durch Aktivitäten in den Gemeinden ergänzen können. Die Gemeinden engagieren sich, wo es nur geht. Die meiste Arbeit wird von Ehrenamtlichen getragen - in den Gemeinden, aber auch in Flüchtlingsinitiativen. Von Seiten des Bistums unterstützen wir dort, wo es nötig ist.

domradio.de: Wenn wir uns die Integration jetzt als einen längeren Prozess vorstellen, was sind Ihrer Erfahrung nach die wichtigsten Voraussetzungen, damit das tatsächlich klappen kann?

Hagedorn: Die wichtigsten Voraussetzungen sind, dass wir als Gesellschaft und auch als Kirche Angebote bereit halten, zum Beispiel in Kindertagesstätten oder in Schulen. Wir müssen uns auch dafür einsetzen, dass Ausbildungs- und Arbeitsplätze mit geflüchteten Menschen besetzt werden. Eine weitere Voraussetzung ist natürlich, dass die geflüchteten Menschen eine hohe Bereitschaft zeigen, die Angebote wahrnehmen zu wollen. Außerdem ist es aus meiner Erfahrung heraus wichtig, dass diese Menschen hier - auch nachbarschaftlich - angenommen werden. Wir tragen als "Aktion Neue Nachbarn" dazu bei, Beziehungen und Patenschaften entsprechend zu stiften.

domradio.de: Haben Sie Erfahrungen aus der ersten Zeit nach dem "Flüchtlingssommer 2015" aus denen Sie Konsequenzen gezogen haben?  Wo Sie gesagt haben: "Das müssen wir vielleicht doch ein bisschen anders machen!“

Hagedorn: Ja, dass wir eine Ansprechbarkeit gewährleisten müssen für die Leute, die sich engagieren wollen. Wir haben sehr früh eine Flüchtlings-Hotline geschaltet, die jedoch stark überlaufen war. Wir waren im Generalvikariat völlig hilflos, was wir mit den ganzen Anfragen anfangen sollten. Da haben wir reagiert und Strukturen geschaffen, um die Ansprechbarkeit für Ehrenamtliche zu gewährleisten. Wir haben Angebote kanalisiert. Viele Menschen haben sich gemeldet und gesagt: "Wir haben Kleider und Möbelstücke abzugeben." Dafür haben wir eine Facebookgruppe eingerichtet, um einfach ein Instrument zu bieten, diese Dinge an den richtigen Mann und die richtige Frau zu bringen.

domradio.de: Wenn ein Geflüchteter erst einmal eine würdige Unterkunft hat, wenn er oder sie erst einmal ganz passabel Deutsch kann, dann muss als nächster Schritt folgen, dass er oder sie auch eine Arbeit findet. Was sind denn da die größten Hürden?

Hagedorn: Eine große Hürde ist der unübersichtliche deutsche Arbeitsmarkt. Alleine bei den Ausbildungsberufen haben wir fast unendliche Möglichkeiten. Da müssen sich die Leute erstmal orientieren; ihre mitgebrachten Qualifikationen mit den hiesig gefragten abgleichen.

Dafür braucht es schon Engagement aller Seiten: Auf der einen Seite müssen Flüchtlinge bereit sein, sich auch unterhalb der mitgebrachten Qualifikationen im Berufsmarkt zu integrieren. Und von Seiten der Arbeitgeber ist natürlich auch Engagement nötig. Beispielhaft ist hier das Jobpaten-Projekt des diözesanen Caritas-Verbandes. Gemeinsam mit Gemeinden und Verbänden auf Ortsebene versuchen wir Ehrenamtliche anzuleiten, Geflüchtete auf dem Weg in den Beruf und in die Ausbildung zu begleiten.

domradio.de: Tatsächlich gibt es schon eine ganze Reihe positiver Beispiele, wo das schon angelaufen ist, dass also tatsächlich Flüchtlinge in Lohn und Brot kommen. Haben diese Positivbeispiele so etwas wie einen gemeinsamen Nenner? Was läuft da so gut?

Hagedorn: Ein wichtiges Merkmal bei geflüchteten Menschen ist, dass sie Ehrgeiz mitbringen und sich einbringen wollen - auch unterhalb der möglicherweise mitgebrachten Qualifikationen. Das benötigt oft Menschen, die den Weg mitgehen und die Geflüchteten patenschaftlich begleiten. Und auch Mut machen, wenn ein Weg mal vielleicht in die Irre führt, wenn Ablehnungsbescheide oder negative Antworten auf Bewerbungen eingehen, und sagen: "Schlag doch einen anderen Weg ein!“  

domradio.de: Die Stimmung beim Thema Flüchtlingspolitik schwankt. Manchen sind im Laufe der Zeit Zweifel gekommen, ob das denn gut gehen kann und wir das wirklich schaffen können. Liegt das in Ihren Augen auch daran, dass die Erfolge der Flüchtlingsarbeit viel zu wenig gewürdigt werden, während negative Beispiele wie die Kölner Silvesternacht oder Attentate, bei denen Flüchtlinge beteiligt waren, immer gleich für enormes mediales Echo sorgen?

Hagedorn: Da ist sicherlich was dran. Die positive Berichterstattung hat es immer schwerer als die Katastrophenmeldungen. Aber es gibt auch positive Erfolgsgeschichten in den Medien. Das wird nur nicht so zur Kenntnis genommen. Es ist eine Aufgabe für uns alle, gemeinsam auf wirklich gelungene Beispiele aufmerksam zu machen, wie zum Beispiel auf den "Fluchtpunkt Kürten", der beim Nationalen Integrationspreis auf dem fünften Platz gekommen ist und von der Bundeskanzlerin entsprechend gewürdigt wurde. Das sind Erfolgsgeschichten.

Ich glaube, dass wir in wenigen Jahren eine andere Bilanz ziehen können als heute. Da wird es Erfolgsgeschichten im beruflichen, aber auch im sportlichen und im künstlerisch-kreativen Bereich geben. Wir werden die Erfolgsgeschichten erleben. Außerdem hoffe ich auf eine andere Erfolgsgeschichte, nämlich dass kriegerische Auseinandersetzungen in den Gebieten, aus denen Menschen fliehen müssen, befriedet werden. Und dann wird eine Erfolgsgeschichte auch sein, dass Menschen, die das gerne möchten, in ihre befriedete Heimat zurückkehren können.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(dr)

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