Frank-Walter Steinmeier und Deutsche Bischofskonferenz
Frank-Walter Steinmeier und Deutsche Bischofskonferenz

19.06.2017

Kardinal Woelki zum Bischofstreffen mit dem Bundespräsidenten "Gesellschaftlicher Zusammenhalt als Ziel"

Es ist eine Premiere - zum ersten Mal hat ein Bundespräsident die Leiter aller deutschen Bistümer zu sich ins Schloss Bellevue eingeladen. Dabei ging es um mehr als gegenseitiges "Beschnuppern", wie Kardinal Woelki im Interview verrät.

domradio.de: Warum ist es Bundespräsident Steinmeier denn so wichtig, sich mit den katholischen Bischöfen zu treffen. Hat er das gesagt?

Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof Köln): Er ist zunächst einmal ein aktiver und praktizierender Christ. Er ist evangelischer Christ. Er sieht in beiden großen Kirchen wichtige und ernstzunehmende Partner, die für das Gemeinwesen hier in der Bundesrepublik viel tun. Er hat uns für unsere Unterstützung bei der Flüchtlingsarbeit und der soziale Arbeit gedankt.

domradio.de: War das heute auch eine Gelegenheit, um wechselseitig Wünsche zu äußern. Was wünscht sich die katholische Kirche von der Politik und umgekehrt die Politik von der Kirche?

Kardinal Woelki: Wir haben zusammen überlegt, was unsere Gesellschaft zusammenhält - gerade auch jetzt, wo so viele Menschen aus anderen Ländern, Kulturen und Religionen zu uns kommen. Wir haben darüber gesprochen, dass es notwendig ist, in einem säkularen Staat wie unserem Möglichkeiten zu schaffen, dass unterschiedliche Religionen und Kulturen respekt- und friedvoll miteinander leben können.

domradio.de: In Deutschland sind ja Staat und Religion voneinander getrennt. Ist das überhaupt eine Aufgabe von Kirche?

Kardinal Woelki: Wir sind der Meinung, dass Kirche den säkularen Staat mit verteidigen muss. Viele Menschen, die aus anderen Kulturräumen kommen, kennen eine sehr starke Identität zwischen Staat und Religion aus ihren Herkunftsländern. Sie kennen das nicht, dass Staat und Religion getrennt voneinander sind. Wir müssen deutlich machen: ein säkularer Staat garantiert, dass alle Religionen in Freiheit leben können und ihren Glauben ausleben dürfen.

domradio.de: War das heute eine Gelegenheit, wechselseitig Wünsche zu äußern?

Kardinal Woelki: Frank-Walter Steinmeier hat uns nach Rat gefragt, wie er sein Amt als Bundespräsident gestalten kann, wenn es um die Frage geht: Was hält eine Gesellschaft zusammen? Wie kann es gelingen, die verschiedenen Kulturen und Religionen zusammenzubringen? Wir haben sehr deutlich gesagt, dass wir es als Kirche begrüßen, wenn der Bundespräsident auch das Gespräch mit den Religionen sucht, ohne selbst ein Religionsgespräch in der Bundesrepublik zu initiieren. Denn das ist nicht die Aufgabe des Staates. Da sind die Kirchen gefragt, ihren entsprechenden Beitrag zu leisten. Aber dass er das Gespräch sucht, das ist sicherlich auch von uns gewünscht.

domradio.de: Frank-Walter Steinmeier hat ja ein besonderes Verhältnis zur katholischen Kirche. Er selbst ist protestantisch und verheiratet mit einer Katholikin. Haben sie also auch über Ökumene gesprochen?

Woelki: Der Bundespräsident hat gesagt, dass er eigentlich, wenn er nicht Bundespräsident geworden wäre, Präsident des Evangelischen Kirchentages geworden wäre. Er hat auch hervorgehoben, wie großartig er den Evangelischen Kirchentag gefunden habe und wie dankbar er gewesen ist, dass so viele Katholiken teilgenommen haben und so viele offizielle Vertreter der katholischen Kirche - wie beispielsweise Bischöfe - zugegen gewesen sind. Er hat auch noch einmal sehr deutlich die Bedeutung der Ökumene hervorgehoben und dazu aufgerufen und eingeladen, weiter die Ökumene voranzubringen und zu stärken. Das haben natürlich auch wir Bischöfe zum Ausdruck gebracht, dass wir all das, was wir gemeinsam tun können, auch gerne gemeinsam tun wollen. Wir wollen uns vor allen Dingen zum Wohl aller in die Gestaltung unserer Gesellschaft einbringen.

domradio.de: Wie war denn generell die Stimmung bei diesem Treffen?

Woelki: Es war sehr entspannt, sehr herzlich und sehr freundlich. Es gibt ja eine ganze Reihe von Bischöfen, die den Bundespräsidenten schon von seinen früheren Aufgaben her kennen. Erzbischof Schick zum Beispiel, der die Kommission Weltkirche leitet, hat natürlich mit Frank-Walter Steinmeier viel in dessen Zeit als Außenminister zu tun gehabt. Ähnlich sieht es bei Militärbischof Overbeck und Kardinal Marx aus. Ich selber kenne den jetzigen Bundespräsident auch aus meiner Berliner Zeit als dortiger Erzbischof und insofern gibt es da eine ganz gute Verbindung.

Das Interview Uta Vorbrodt.

(dr)

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