Programm der AfD für die Bundestagswahl
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AfD-Chefin Frauke Petry
AfD-Chefin Frauke Petry

08.06.2017

Kluft zwischen AfD-Politik und katholischer Soziallehre Unchristliche Positionen

Wenn sich die AfD für Familie oder Lebensschutz einsetzt, klingt das häufig so, als ob sie Kernanliegen der Kirche aufgreift. Doch das ist eine nur vordergründige Übereinstimmung, wie eine neue Studie belegt.

AfD und katholische Kirche verbindet vor allem eins: kritische Distanz zueinander. Bischöfe werfen der Partei vor, Ängste gegen Fremde zu schüren, und bekunden massive Vorbehalte gegenüber der "sogenannten" Alternative für Deutschland. Umgekehrt hält deren Bundessprecher Jörg Meuthen der Kirche vor, die Partei zu diffamieren und sich nicht mit dem Programm auseinanderzusetzen. Genau das aber haben nun Wissenschaftler um die Münsteraner katholische Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins getan: Ihre Studie belegt eine große Kluft zwischen den AfD-Positionen und der katholischen Soziallehre.

Angestoßen hat die Untersuchung die katholische Kirche in den ostdeutschen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Bischöfe und ihre Bevollmächtigten bei diesen Ländern wollten genauer wissen, wie es denn um das Verhältnis zu der Partei steht, die sich immerhin auch Familienpolitik und Lebensschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat.

"Unvereinbar mit der katholischen Soziallehre"

Das Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) an der Uni Münster unter Leitung von Heimbach-Steins sowie das Münchner Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft mit Alexander Filipovic an der Spitze fertigten eine Vergleichsstudie an. Sie nahmen das Grundsatz- sowie das Bundestagswahlprogramm der AfD genauer unter die Lupe. Zudem wurde die Kommunikation der Partei anhand ihrer Facebook-Aktivitäten sowie ausgewählter Reden von Parteifunktionären in den Blick genommen.

Das Ergebnis belegt in vielen Punkten eine Unvereinbarkeit mit der katholischen Soziallehre, mit der die Kirche ihre Grundsätze für das gesellschaftliche und politische Zusammenleben definiert. "Die AfD hat kein positives Verständnis von Verantwortung, Gerechtigkeit und Solidarität in einer global vernetzten Welt", so die Autoren der Studie. Globalisierung, Klimawandel oder veränderte soziale Realitäten für Familien würden geleugnet. Oder die Partei begegne diesen weltpolitischen Herausforderungen durch das leere Versprechen, zu einer angeblich besseren Vergangenheit zurückzukehren.

Ethno-nationale Bevölkerungspolitik

Die Studie bescheinigt der Partei, "eine zutiefst unchristliche, ethno-nationale Bevölkerungspolitik" zu vertreten. So verschreibe sich die AfD der Pflege deutscher Kultur und stilisiere damit eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit als Wert an sich. Dies sei der katholischen Soziallehre mit ihren Orientierungen am universalen Gemeinwohl fremd. Die allgemeinen Verweise der Partei auf abendländische Werte und Traditionen ließen überdies im Unklaren, was genau sie bewahren möchte und weshalb.

Kritisch sehen die Wissenschaftler auch die familienpolitische Ausrichtung der Partei. Zwar trete die AfD für ein traditionelles Familienbild und den Schutz des ungeborenen Lebens ein. Doch diese Anliegen dienten vorrangig dem Interesse, Deutsche zur Familiengründung anzuregen. Dagegen werde in der Asyl-, Einwanderungs- und Integrationspolitik völlige Abschottung gefordert.

Eine solche bevölkerungspolitische Verzweckung der Familie widerspreche dem katholischen Verständnis von Familie und Lebensschutz.

Diffuse Feinbilder

Nach der Studie entwirft die Partei diffuse Feindbilder, indem der Islam, politische Eliten, Europa und die Gendertheorie zu einer existenziellen Bedrohung Deutschlands überhöht würden. Innerhalb der einzelnen Feindbilder werde nicht differenziert; der Islam etwa werde nicht vom Islamismus abgegrenzt. Zwar bekenne sich die AfD zur Glaubensfreiheit. Sie bestreite jedoch die Religionsausübungsfreiheit, indem sie diese für Muslime stark einschränken wolle.

Weiter kommt die Analyse zu dem Ergebnis, dass die AfD "einen populistischen Politik-Stil" pflege. So rufe sie zum Widerstand gegen eine als "Meinungsdiktatur" gedeutete Political Correctness auf. Dem Anspruch der Partei, als einzige politische Kraft den "Mut zur Wahrheit" zu haben, müssen sich Christen nach Ansicht der Studienautoren entgegenstellen. Denn: "Wahrheit ist ohne die Achtung der Freiheit auch der Anderen, ohne den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit nicht glaubwürdig zu vertreten."

Andreas Otto
(KNA)

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