Callista Gingrich
Callista Gingrich

21.05.2017

Die mögliche Wahl von Callista Gingrich spaltet die Gemüter Trumps Frau für den Vatikan

Früh hatte Donald Trump den Botschafterposten im Vatikan mit Callista Gingrich in Verbindung gebracht. Das Verfahren blieb in der Schwebe. Noch vor seinem Papstbesuch will Trump die umstrittene Personalie durchsetzen.

Die Geschichte ist mehr als eine Fußnote im schnelllebigen Washington. Sie beginnt am 18. August 2000. Callista, geborene Bisek, heiratet damals Newt Gingrich. Der prominente Republikaner ist ein typischer Südstaaten-Baptist, sie eine überzeugte Katholikin. Ihn kennt man als ehemaligen Sprecher des US-Kongresses (1995-99). Die Frau an seiner Seite ist bis dahin ein unbeschriebenes Blatt. Aber sie hat Einfluss. Vor allem auf Gingrichs Glauben. Neun Jahre später tritt der prominente Republikaner in die katholische Kirche ein.

Callistas Sendungsbewusstsein mag ein Grund dafür sein, warum die Trump-Regierung die 51-Jährige für den begehrten Posten des US-Botschafters beim Heiligen Stuhl schon früh in Erwägung zog. Der Präsident könnte Callista Gingrich nun schon vor seiner ersten Begegnung mit Papst Franziskus ernennen.

Schlimmer geht immer

Doch der Fall ist so einfach nicht. Nicht nur in katholischen Kreisen der USA herrscht ein gewisses Unbehagen über die Personalie. Michael Sean Winters vom "National Catholic Reporter" (NCR) nannte Trumps Wahl in dieser Woche nicht besonders "inspirierend". "Es hätte ja auch Steve Bannon sein können", verwies er mit unverhohlenem Sarkasmus auf den rechtsaußen stehenden Trump-Vertrauten.

Winters Spitzzüngigkeit spielt an auf biografische Details nicht nur aus dem Leben von Frau, sondern auch Herrn Gingrich. Es wundere ihn, so gibt er zu bedenken, dass eine Partei, die die Familienwerte hoch halte, ausgerechnet eine Frau für die US-Vertretung beim Papst nominiere, die sechs Jahre lang eine außereheliche Affäre mit Newt Gingrich geführt habe, während der noch mit seiner zweiten Frau Marianne verheiratet war. Die ehrgeizige Blondine mit dem bohrenden Blick hatte dies unter Eid beim Scheidungsverfahren bezeugt.

Tuchfühlung mit dem Vatikan

Callista Gingrich wäre die dritte Frau der Vereinigten Staaten, der man das besondere Amt im Kirchenstaat anvertraut. Schon zwei Mal hatte "Cally Lou", wie sie in ihrer Familie genannt wird, Tuchfühlung mit dem Vatikan. Als Mitglied des Chores an der Basilika des Nationalen Schreins der Unbefleckten Empfängnis in Washington D.C.

trat sie 2005 zu Ehren Johannes Paul II. auf. Sie sang auch für Papst Benedikt XVI. während seines USA-Besuches 2008. Und auch beruflich gibt es Anknüpfungspunkte zum Heiligen Stuhl. Zusammen mit ihrem Mann produziert sie über die eigene Multimedia- Firma historisch-politische Dokumentationen, oft mit religiösen Bezügen. Darunter "Ronald Reagan: Rendezvous mit dem Schicksal", oder "Wiederentdeckung von Gott in Amerika I und II".

Gute Voraussetzungen

Auch die Heiligsprechung Papst Johannes Paul II. haben die Gingrichs verfilmt. NCR-Kolumnist Winters hält das Amerika-Bild, das die Gingrichs in ihren Historien-Produktionen zeichnen, für ausgesprochen schlicht. Tatsache sei, so Winters, dass die Gingrichs im Wahlkampf Donald Trump kräftig unterstützt haben. Er, Newt, hatte wie kein zweiter die Republikaner aufgefordert, politisch radikaler zu werden. Gingrichs Chancen in der Trump-Mannschaft einen gewichtigen Platz einzunehmen, standen lange nicht schlecht. Doch der 73-Jährige hat sich offenbar dazu entschlossen, seine Frau ins Rennen zu schicken.

Die musikalische Callista, die neben Gesang und Klavier auch auf dem französischen Horn zu spielen weiß, ging nach dem Abitur als Praktikantin in die Politik. Bis 2007 arbeitete sie im Ausschuss für Agrarwirtschaft. Nicht gerade eine Vita für einen Botschaftsposten am Vatikan. Aber letztlich geht es um die Kontakte. Und die könnte die diplomatisch Unerfahrene am Heiligen Stuhl durchaus herstellen. Winters erzählt eine Anekdote, wie die ehemalige Vatikan-Botschafterin vom Kardinalstaatssekretär zu einer Dringlichkeitssitzung gerufen wurde. Ob sie denn mal das Telefon auf seinem Schreibtisch benutzen könne, fragte sie. Zwei Minuten später hatte sie die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright in der Leitung. Das ist es, was der Vatikan von einem Botschafter erwartet, schlussfolgert Winters. Und dafür dürfte die umtriebige Callista gute Voraussetzungen mitbringen.

Bernd Tenhage
(KNA)

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