Somalische Frauen warten auf die Verteilung von Lebensmitteln
Somalische Frauen warten auf die Verteilung von Lebensmitteln

11.05.2017

Das Leid von Millionen Hungernden bestimmt die Somalia-Konferenz ​Die Todesgefahr bannen

​Somalia leidet unter einer Hungerkrise, Terror und Gewalt. In London haben Regierungen, die UN und weitere Hilfsorganisationen über die Zukunft des Landes diskutiert. Es braucht viel Geld, und viel guten Willen - auch von Somalias Regierung.

Um Sicherheit, Wiederaufbau und gute Regierungsführung sollte es bei der Konferenz gehen, die am Donnerstag in London über die Zukunft Somalias diskutierte. Doch ein Thema überschattete alles: Die Hungerkrise, derentwegen nach UN-Angaben 6,7 Millionen Somalier abhängig von Hilfslieferungen sind.

Fast jeder zweite davon droht ohne eine Aufstockung der internationalen Hilfe zu verhungern. "Wir brauchen mehr Geld, nicht nur kurz-, sondern auch langfristig", forderte UN-Generalsekretär António Guterres. "Wir hier in London können es schaffen, dass die drohende Todesgefahr gebannt wird."

Deutschland verdoppelt Spenden

Guterres' Alptraum: Eine Wiederholung des Massensterbens von 2011, als bei einer ähnlich schweren Hungersnot trotz rechtzeitiger Warnungen keine Hilfe floss - bis es zu spät war. 260.000 Somalier verhungerten. Um diesen Alptraum zu verhindern, brauchen UN und Hilfsorganisationen 1,5 Milliarden US-Dollar, sagte der humanitäre Koordinator der UN für das ostafrikanische Land, Peter de Clercq.

Bisher hatten die UN mit weniger gerechnet. Das Problem: Nicht einmal ein Drittel des Bedarfs ist bisher gedeckt. Deutschland, vertreten durch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), kündigte an, die Hilfe für Somalia von 70 auf 140 Millionen Euro zu verdoppeln. Nötig sei aber auch eine nachhaltige Entwicklung, um ähnliche Krisen in der Zukunft zu verhindern. Das Entwicklungsministerium kündigte an, Hilfen in Höhe von 100 Millionen Euro bereitzustellen. Im vergangenen Jahr waren es noch 38 Millionen.

"Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs sehen wir für Somalia endlich einen Hoffnungsschimmer und erstmals die Chance hin zu Frieden und Entwicklung", ließ Bundesminister Gerd Müller (CSU) mitteilen.

Somalias Präsident will Eigenständigkeit

Der vor drei Monaten gewählte Präsident Somalias, Mohamed Abdullahi Farmajo, dankte Gebern und Hilfsorganisationen für ihren Einsatz. Zugleich betonte er, dass Somalia nach mehr als 25 Jahren Terror und Bürgerkrieg endlich wieder auf eigenen Füßen stehen wolle. "Meine Regierung wird die goldene Gelegenheit nutzen, ein stärkeres, besseres und wirtschaftlich erfolgreicheres Somalia zu schaffen", sagte Farmajo, der die Konferenz zugleich aufforderte, ihn und seine Regierung zur Rechenschaft zu ziehen, sollten sie dieses Versprechen nicht einlösen.

Das größte Problem dabei dürfte die Sicherheitslage sein: Somalia gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Dennoch könne seine Regierung binnen weniger Jahre die islamistische Terrorgruppe Al-Shabaab besiegen, versprach Farmajo. "Dazu aber brauchen wir bessere Waffen, Waffen, die Somalia derzeit wegen des Waffenembargos nicht einführen darf." Die Forderung ist umstritten, weil solche Waffen das mühsam austarierte Machtgleichgewicht stören könnten. Fest steht aber, dass die 22.000 Soldaten der afrikanischen Friedenstruppe Amisom bald durch somalische Soldaten ersetzt werden müssen. Die EU will ihre Zuschüsse für Amisom drastisch streichen.

Forderung an Somalias Regierung

Konfliktforscher der International Crisis Group forderten deshalb einen weiteren Ausbau der somalischen Armee. Die bislang geplante Stärke von 18.000 Soldaten reiche nicht aus, um die Sicherheit im Land zu garantieren. Zugleich müsse Somalias Regierung die nationale Aussöhnung ernsthafter vorantreiben als in der Vergangenheit.

Für eine Allianz aus 36 Hilfsorganisationen ist die Unterstützung der noch schwachen Zivilgesellschaft im Land entscheidend für die Zukunft des ostafrikanischen Landes. Zwar sei internationale Hilfe nötig, entscheidend für die Zukunft sei aber die Beteiligung der Somalis selber, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die auch die Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft fordert.

Derzeit kontrolliert die Terrorgruppe Al-Shabaab noch mehr als die Hälfte des Landes. Vor allem jenseits der Städte und Hauptstraßen ist die Regierung machtlos. Ob sich das ändert, wird davon abhängen, ob die Ideen auch von dieser Konferenz tatsächlich umgesetzt werden.

Marc Engelhardt
(epd)

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 22.09.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Die Weltkirche im Rücken - Bonifatiuswerk über Papstreise nach Litauen
  • Gespräch zum Tagesevangelium mit Dr. Thomas Sparr
  • Ausblick auf die Deutsche Bischofskonferenz in Fulda - Gespräch mit Ingo Brüggenjürgen
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 40 Jahre Weltkulturerbe - Aachener Dom
  • Buch Mormon- Eine religiöse Schrift reist durch die Jahrtausende
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 40 Jahre Weltkulturerbe - Aachener Dom
  • Buch Mormon- Eine religiöse Schrift reist durch die Jahrtausende
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Kühe beim Almabtrieb
    23.09.2018 00:00
    Alle Wetter!

    4. September-Woche: Engel, fet...

  • Spätsommerfrühherbst
    23.09.2018 07:10
    WunderBar

    Die Spätsommerfrühherbstfamili...

  • Markusevangelium
    23.09.2018 07:50
    Evangelium

    Mk 9,30–37

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen