Bodo Ramelow
Bodo Ramelow

11.05.2017

Bodo Ramelow zur deutschen Kolonialvergangenheit in Namibia "Aussöhnung hat auch finanzielle Komponente"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow nimmt derzeit an der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes teil. Im Interview sprach er über die deutsche Kolonialvergangenheit in Namibia und die Beziehungen zwischen beiden Ländern.

KNA: Was führt Sie nach Namibia?

Bodo Ramelow (Ministerpräsident von Thüringen/Die Linke): Wir begehen in der ganzen Welt den 500. Jahrestag der Reformation. Der Freistaat Thüringen hat sich zehn Jahre darauf vorbereitet. Und wenn der Lutherische Weltbund nun in Namibia tagt, dann bin ich gern als Botschafter des Landes Thüringen hier, um deutlich zu machen, dass ohne Martin Luther und die Reformation diese großen Feierlichkeiten gar nicht möglich wären. Dazu kommt, dass ich selbst Mitglied der Evangelischen Kirche bin - und meine Kirche, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, ja selbst auch Mitgliedskirche des Lutherischen Weltbundes ist.

KNA: Was bedeutet Namibia für Thüringen?

Ramelow: Wir haben ein thüringisches Projekt hier in Namibia. Es heißt "Polycare". Dabei geht es um ein Verfahren, bei dem aus Polymeren und Wüstensand Bausteine hergestellt werden. Und wir sind gerade mit der Regierung von Namibia im Gespräch, wie man damit ein großes Hausbauprogramm starten kann, um mit der in Thüringen entwickelten Technologie tatsächlich bei der Überwindung von Armut zu helfen.

KNA: Ein Thema in Namibia ist die deutsche Kolonialvergangenheit. Vertreter der Herero und der Nama verklagen Deutschland derzeit vor einem US-Gericht. Wie stehen Sie dazu?

Ramelow: Ich bin in Norddeutschland geboren, in der Nähe von Bremen. Und wenn ich früher nach Bremen fuhr, kam ich an einem riesigen Elefanten vorbei. Das war ein Wahrzeichen des Kolonialismus. Und in Bremen gibt es das Überseemuseum, das zeigt, wie zerstörerisch Kolonialismus und Sklaverei wirken. Mit dem Befehl des General Lothar von Trotha wurde ein ganzer Volksstamm der Herero nahezu komplett ausgelöscht, ein Stamm der Nama zur Hälfte. Das war der erste moderne Völkermord der Geschichte, begangen von deutschen Kolonialtruppen. Und deswegen müssen wir uns als Land, als Staat, als Bundesregierung und auch als Ländervertreter dieser grausigen Geschichte stellen.

KNA: Was heißt das konkret?

Ramelow: Ich plädiere für einen Prozess der Aussöhnung. Es muss eine Entschuldigung geben. Die wird im Moment vorbereitet zwischen der Bundesregierung und den Vertretern des Staates Namibia. Das ist nicht ganz ohne Spannungen in Namibia. Wir brauchen aber auch einen Prozess der Versöhnung, in den wir uns als Bundesländer einbringen können.

KNA: Braucht es dazu auch eine finanzielle Komponente?

Ramelow: Ja, natürlich. Aussöhnung und Entwicklung gehen nur, wenn wir uns dazu bereiterklären, dafür auch Geld zu geben. Es ist nur so, dass von den tatsächlichen Opfern keine Familienangehörigen mehr da sind, die eine direkte Beziehung dazu haben. Deswegen müssen wir das Thema in den namibischen Entwicklungsprozess insgesamt stellen. Polycare könnte ein Beitrag dazu sein.

Wir wollen aber auch einen Aussöhnungsprozess mit Begegnung - so wie nach 1945 der deutsch-französische Versöhnungsprozess begann. Ich bin als Konfirmand mehrfach auf Begegnungsreisen nach Frankreich gefahren. Mein Großvater konnte sich dagegen überhaupt nicht vorstellen, dass wir uns mit Frankreich versöhnen. Ich würde mich freuen, wenn es eines Tages auch ein deutsch-namibisches Versöhnungswerk gäbe, in dem junge Deutsche und junge Namibier Gedenk- und Versöhnungsarbeit leisten.

Das Interview führte Benjamin Lassiwe.

(KNA)

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