Auf dem Rückflug von Ägypten beantwortet der Papst die Fragen der Journalisten
Auf dem Rückflug von Ägypten beantwortet der Papst die Fragen der Journalisten

30.04.2017

Pressekonferenz auf dem Rückflug der Ägyptenreise "Ich empfange jedes Staatsoberhaupt"

Bei der "fliegenden Pressekonferenz" auf dem Rückflug von Papst Franziskus' Ägyptenreise hat er diplomatische Lösungen für den Nordkorea-Konflikt gefordert, die Integration von Türken in Deutschland gelobt und sich zu einem möglichen Trump-Besuch geäußert.

Papst Franziskus hat sich offen für eine Begegnung mit US-Präsident Donald Trump geäußert. "Ich empfange jedes Staatsoberhaupt, das um eine Audienz bittet", sagte er am Samstagabend während des Rückflugs von Kairo nach Rom vor mitreisenden Journalisten. Allerdings sei er bislang über eine Anfrage Trumps noch nicht vom vatikanischen Staatsekretariat informiert worden, so der Papst.

Trumps Sprecher Sean Spicer hatte bereits am 19. April mitgeteilt, man wolle wegen einer Audienz Kontakt zum Vatikan aufnehmen. Seit Wochen wird spekuliert, ob Trump anlässlich seiner Reise zum G7-Gipfel im sizilianischen Taormina Ende Mai den Papst in Rom besucht.

Besonnenheit trifft auf Impulsivität

Franziskus hatte nach der Wahl Trumps zu Besonnenheit geraten. Niemand solle "sich erschrecken oder sich freuen über etwas, was passieren könnte", sagte er in einem Interview. Man werde sehen, "was er tut, dann werde ich mir meine Meinung bilden", so Franziskus.

Vor der Wahl hatte der Papst mit Blick auf die von Trump angekündigte Mauer zu Mexiko gesagt, statt Brücken Mauern zu bauen, sei "nicht christlich."

Der US-Präsident hatte sich im Wahlkampf wiederholt abfällig über Franziskus geäußert. Nachdem daraufhin Gerüchte entstanden waren, er bemühe sich nicht um eine Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt, wenn er im Mai nach Italien reise, hatte es geheißen, die US-Regierung bemühe sich um ein entsprechendes Treffen.

Lob für Integration in Deutschland

Darüber hinaus würdigte Franziskus während der Pressekonferenz die Integration der Türken in Deutschland. "An Deutschland habe ich immer die Fähigkeit zur Integration bewundert." Als er in Frankfurt studierte, habe es dort viele Türken gegeben, die integriert gewesen seien und ein normales Leben geführt hätten, so der Papst.

Franziskus hatte 1986 einige Monate an der Frankfurter Hochschule des Jesuitenordens, Sankt Georgen, verbracht. Franziskus äußerte sich vor Journalisten zum Umgang mit Flüchtlingen und bekräftigte seinen Vergleich von Flüchtlingscamps mit Konzentrationslagern. Italien und Griechenland lobte der Papst als die großzügigsten Länder bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

Umgang mit Flüchtlingen

Auf seinen umstrittenen Vergleich von Flüchtlingslagern mit Konzentrationslagern angesprochen, betonte Franziskus, dass es Einrichtungen gebe, in denen Flüchtlinge eingesperrt seien.

"Allein der Fakt, eingesperrt zu sein und nichts machen zu können, ist ein Lager", so Franziskus. Für den KZ-Vergleich war er unter anderem vom Amerikanischen Jewish Committee kritisiert worden. Das Internationale Ausschwitz-Komitee hingegen bezeichnete ihn als legitim.

Viele Flüchtlingscamps seien wie "Konzentrationslager, durch die Menge der Menschen, die sie dort drinnen lassen", sagte er am 22. April anlässlich eines Gottesdienstes für die Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts. Namentlich nannte Franziskus das Aufnahmezentrum auf der griechischen Insel Lesbos, das er im April 2016 besucht hatte. Zugleich kritisierte er offenbar mit Blick auf die EU-Flüchtlingspolitik, dass internationale Abkommen oft wichtiger seien als Menschenrechte.

Mehr Engagement im Nordkorea-Konflikt

Papst Franziskus hat eine diplomatische Lösung des Nordkorea-Konflikts gefordert. "Heute würde ein erweiterter Krieg zur Auslöschung eines großen Teiles der Menschheit führen und das ist schrecklich". Durch die nordkoreanischen Raketen habe sich der Konflikt zu sehr erhitzt, so der Papst vor mitreisenden Journalisten. Zugleich forderte er ein stärkeres Engagement der Vereinten Nationen im Nordkorea-Konflikt sowie im Nahen Osten, im Jemen und in Afrika. "Ich glaube die Vereinten Nationen haben die Pflicht, ihre Führungsrolle wieder stärker wahrzunehmen, weil sie sich abgeschwächt hat", sagte Franziskus.

(KNA, dpa)

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