Programm der AfD für die Bundestagswahl
Programm der AfD für die Bundestagswahl
Reinhard Kardinal Marx
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Stadt- und Domdechant Robert Kleine
Stadtdechant Robert Kleine

22.04.2017

Schwierige Auseinandersetzung der Kirchen mit der AfD Kreuz ohne Haken

Am Wochenende findet in Köln der AfD-Parteitag statt. Mehrere Gegendemos sind in der Domstadt geplant - auch die Kirche machen mobil. Dabei steht ihnen die eigentliche Auseinandersetzung mit der Partei erst noch bevor.

Zuletzt schien die AfD etwas zu schwächeln. Der Einzug in den Bundestag nach den Wahlen im Herbst ist aber kaum gefährdet. Wohl auch dann nicht, wenn die Führungskämpfe nach dem Verzicht Frauke Petrys auf die Spitzenkandidatur weitergehen. Die Zukunft der AfD treibt nicht nur ihre Anhänger um, sondern auch die Menschen auf die Straße. Das zeigt sich auch vor dem Bundesparteitag der AfD in Köln.

Die Polizei rechnet für Samstag und Sonntag mit rund 50.000 Gegendemonstranten in der Domstadt; rund 4.000 Beamte sind im Einsatz.

An den Protesten wollen sich auch die Kirchen beteiligen. Gewaltfrei, wie sie betonen. Und unter Bezug auf christliche Grundüberzeugungen. "Aufgrund unseres Glaubens treten wir ein für Nächstenliebe, Toleranz und ein solidarisches Miteinander", umschreibt der katholische Kölner Stadtdechant Robert Kleine die Ziele der Aktionen, die unter dem Motto "Unser Kreuz hat keine Haken" stehen. Der evangelische Stadtsuperintendent Rolf Domning verwies auf die Aufforderung Jesu: "Du sollst den Nächsten lieben wie Dich selbst."

AfD-Wahlprogramm und die Kirchen

Einen kleinen Haken hat die Sache aber dann doch, und das macht die Auseinandersetzung mit der AfD aus Sicht der Kirchen schwierig. Wer den fast 70 Seiten umfassenden Entwurf für das Wahlprogramm liest, stößt auf Formulierungen, die durchaus auch unter Katholiken und Protestanten Zustimmung finden dürften. Dazu gehört beispielsweise der ausdrückliche Schutz von Ehe und Familie.

Manch einer wird auch die Absage an die sogenannte Gender-Ideologie teilen und "eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität im Unterricht" als "unzulässigen Eingriff in die natürliche Entwicklung unserer Kinder" verurteilen. Und ein Satz wie "Jeder Migrant oder Einwanderer hat eine Bringschuld, sich selbst zu integrieren", könnte auch aus den Reihen von CDU und CSU kommen.

Die AfD ist aber auch eine Partei der schrillen Töne. So fordert ein Antrag, die Abschaffung der Kirchensteuer ins Wahlprogramm aufzunehmen. Die Begründung: Die Vertreter der christlichen Kirchen hätten durch ihre "einseitigen, demokratiefeindlichen Stellungnahmen und Handlungen gegen die legitimen Positionen der AfD" jegliches Anrecht auf Unterstützung durch ein demokratisch organisiertes Gemeinwesen verwirkt.

Das mögen Einzelmeinungen sein. Aber die Debatte über den Einsatz von Schusswaffen an der Grenze oder die Einlassungen des Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag, Björn Höcke, zum Gedenken an den Judenmord der Nazis zeigen, wie die AfD immer wieder ins Extremistische abrutscht. Hier haben sich die Kirchen deutlich positioniert. "Wir müssen klare Kante zeigen gegenüber allen Versuchen, 'völkisches' Gedankengut und rechtsextremistische Kampfrhetorik in unserem Land wieder salonfähig zu machen", forderte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, im Herbst.

Eindeutige Grenzen

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Osterwochenende im Interview des Deutschlandfunks: "Man sollte nicht immer über eine Partei reden, sondern man sollte über Inhalte reden." Für Christen seien eindeutige Grenzen gezogen: Einer nationalistischen und fremdenfeindlichen Fahne dürften sie nicht folgen. Wahlempfehlungen will aus guten Gründen niemand aussprechen. Auseinandersetzen, explizit auch mit der Partei, wird man sich aber spätestens nach den Bundestagswahlen. Die Hoffnung, dass sich das Problem von selber löst und die AfD wieder in der Versenkung verschwindet, hegt wohl niemand mehr.

Als erstes werden sich deswegen das Katholische und das Evangelische Büro in Berlin fragen müssen, wie sie ab Herbst die Kontakte mit den Rechtspopulisten gestalten wollen. In Köln ziehen die Demonstranten aus den Kirchen mit einem bunten Kreuz auf die Straßen. In den Farben Schwarz, Rot und Gold wie bei den Pegida-Märschen soll es nicht gehalten sein. "Es gibt kein deutsches Christentum", betont Stadtdechant Kleine. Und in der politischen Auseinandersetzung, so hoffen sie nicht nur in Köln, gibt es keinen Platz für dumpfen Nationalismus und rassistische Töne, der Teile der Pegida-Bewegung und der AfD miteinander verbindet.

Joachim Heinz
(KNA)

Sommer-Gewinnspiel

Ab dem 15. Juli wochentäglich: unser multimediales Sommer-Gewinnspiel. Kirchengeräusch anhören, erraten und gewinnen!

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 24.08.
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Tag der schrägen Musik mit Dominik Susteck
  • Live vom Dahlheimer Klostermarkt - Bruder Philipp
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag. (Achtung: Sommerpause ab 1. Juli)