Reger Betrieb auf Kölner Keupstraße
Reger Betrieb auf Kölner Keupstraße

20.04.2017

Besuch in der Kölner Keupstraße nach dem Türkei-Referendum "Deutschland ist meine Heimat"

Am Wochenende votierten 51,4 Prozent der Türken für die umstrittene Verfassungsänderung. Auch in Deutschland durfte abgestimmt werden. Wie sieht hier die Stimmung nach der knappen Entscheidung aus? Ein paar Impressionen.

Langsam erwacht morgens die Keupstraße in Köln zum Leben. Lastwagen parken die Straße zu und beliefern Restaurants und Bäckereien auf der Geschäftsmeile im rechtsrheinischen Stadtteil Mülheim mit frischer Ware. Es herrscht geschäftige Betriebsamkeit. Die ersten Kunden säumen den Gehsteig, nach und nach öffnen die Geschäfte ihre Türen.

Die Keupstraße wird oft als Zentrum türkischen und kurdischen Geschäftslebens bezeichnet. Hier wohnen und arbeiten unterschiedlichste Menschen Tür an Tür. Von den 62.886 Migranten, die im Viertel leben, haben nach Angaben der Stadt Köln 18.529 einen türkischen Migrationshintergrund. Mehrere Moscheegemeinden sind im Umkreis zu finden. Auch die kurdische und die alevitische Gemeinde haben ihren Sitz in unmittelbarer Nähe der Straße.

Im Jahr 2004 detonierte in der Keupstraße eine Nagelbombe. Ein fremdenfeindliches Motiv war damals zunächst ausgeschlossen worden. Später wurde der Anschlag dann der rechtsextremen Terrorgruppe NSU zugeordnet.

Türkei-Referendum kaum Thema

51,4 Prozent der Wahlberechtigten hatten am Wochenende für das umstrittene neue Präsidialsystem von Recep Tayyip Erdogan gestimmt. Damit soll er mehr Macht bekommen, es wird zudem über die Einführung der Todesstrafe debattiert. Der Ausnahmezustand in der Türkei wurde bereits verlängert.

In der Kölner Einkaufsstraße scheint das Referendum keine Rolle mehr zu spielen. "Man hört nicht mehr viel nach der Abstimmung", sagt Mohammed Özkan. Er besitzt eines der Juweliergeschäfte in der knapp 800 Meter langen Straße. Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der geplanten Verfassungsänderung habe es auch im Vorfeld nicht gegeben.

Özkan selbst ist wie seine Eltern in Deutschland geboren. Er hätte deshalb auch nicht abstimmen dürfen. "Ich wüsste auch gar nicht, wie ich gestimmt hätte", sagt der junge Mann. Dafür hätten ihm die nötigen Informationen gefehlt. Für das Ja zum Referendum habe es genug Informationen gegeben. Die Opposition ist seiner Meinung nach zu kurz gekommen.

In dieser Hinsicht hatte unmittelbar nach der Wahl auch die Wahlbeobachterkommission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) das Verfassungsreferendum in der Türkei kritisiert: Viele Wähler seien nicht ausreichend oder unvoreingenommen über die Hauptaspekte der Wahl informiert worden.

Im Bereich der Stadt Köln stimmten 64 Prozent dafür

In Deutschland durften etwa 1,4 Millionen Türken entscheiden. Mit 63 Prozent überwogen dabei die Ja-Stimmen. Im Bereich der Stadt Köln stimmten 64 Prozent dafür. Wahlberechtigt war auch der Ladenbesitzer Ahmet Yilmaz*. Er hat seine Stimme aber nicht abgegeben. Er habe arbeiten müssen, erklärt er. Yilmaz bezeichnet sich als Gegner der angestrebten Verfassungsänderung und hätte deshalb mit Nein gestimmt.

Das Verhalten seiner Landsleute mache ihn ärgerlich: "Das sind alles Bauern. Keiner von denen hier weiß, was in der Türkei abgeht." Sie lebten alle in Deutschland und nutzten Vorteile wie Kindergeld und Hartz IV oder beriefen sich auf das Grundgesetz. Trotzdem hätten sie für das Referendum gestimmt. Noch besitzt auch Yilmaz die türkische Staatsbürgerschaft. "Aber nicht mehr lange", sagt er. Denn in der nächsten Woche will er sie abgeben.

Angst vor Konflikten in der Straße habe er nicht, sagt der junge Mann. Er denke auch nicht, dass seine Anti-Erdogan-Haltung Auswirkungen auf sein Geschäft habe. "Ich binde meine Meinung ja nicht jedem direkt auf die Nase." Außerdem akzeptiere er die andere Seite. Oberflächlich sei das Referendum auch nie ein großes Thema gewesen, schließlich müsse man jeden Tag mit seinen Nachbarn auskommen. "Da ist es schlecht, wenn wir untereinander Streit anfangen."

Deutschland als neue Heimat

Probleme könne es aber mit Leuten geben, die nicht in der Umgebung wohnten. So habe ein Kunde ein Gespräch zwischen ihm und einem anderen Kunden mitbekommen, bei dem es um das Referendum gegangen sei. "Er hat uns beim Rausgehen übel beschimpft, weil er Befürworter war", berichtet der Ladenbesitzer.

Für die Ereignisse in der Türkei hat sich offenbar auch ein anderer Geschäftsinhaber nicht interessiert. "Deutschland ist meine Heimat", sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Er sei zwar in der Türkei geboren, aber lebe schon viele Jahre nicht mehr dort. Seine Kinder seien in Deutschland geboren, zur Schule gegangen und studierten mittlerweile hier. Was in der Türkei passiere, könne und wolle er deshalb nicht beurteilen. Überhaupt hört man von den Ladenbesitzern und Menschen aus der Keupstraße oft, dass bei ihnen alles gut sei.

Dana Kim Hansen
(KNA)

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