Frauen sitzen im Hof eines von Rebellen zerstörten Pfarrhauses im Osten des Kongo
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Ein Junge im Kongo
Ein Junge im Kongo

15.04.2017

Die katholische Kirche versucht in Kongos Krise zu vermitteln Priester zwischen den Fronten

Dass Präsident Kabila im Kongo an der Macht festhält, hat eine heftige Krise und Gewalt hervorgerufen. Die Kirche vermittelt und stärkt die Bevölkerung. Und gerät damit selbst in die Schusslinie.

In jeder Mappe steckt das Schicksal eines Menschen, der Jean-Paul Mihigios Hilfe braucht. Der Priester in der ostkongolesischen Stadt Goma leitet die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in der Diözese. Hunderte Frauen und Männer wenden sich an ihn, die sich um ihr Land betrogen oder zu Unrecht inhaftiert sehen, oder das Gefühl haben, auf andere Weise von staatlichen Vertretern ungerecht behandelt worden zu sein.

Mihigios Blick schweift über die Berge von Ordnern, Briefen und Schnellheftern, die seinen Schreibtisch bedecken. "Wir haben jede Menge Arbeit", sagt der Geistliche. "Die Zahl derer, die sich an uns wenden, nimmt ständig zu." Denn der Kongo steckt seit Monaten in einer gefährlichen Krise. Die katholische Kirche ist dabei zum wichtigen Vermittler geworden, auch wenn sie auf nationaler Ebene letztlich gescheitert ist. Jedenfalls zunächst.

Gewalt zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften

Vor allem in der Hauptstadt Kinshasa und in Goma, der Hauptstadt der östlichen Provinz Nord-Kivu, kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Grund dafür sind die Pläne des 45-jährigen Präsidenten Joseph Kabila, verfassungswidrig für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Sein letztes Mandat lief im Dezember 2016 aus, spätestens Ende November hätte gewählt werden müssen. Schon frühzeitig war klar, dass die Regierung die Wahlen verschieben würde. Seitdem eskaliert die Gewalt.

Vor wenigen Tagen wurden bei Protesten gegen Kabila laut Menschenrechtlern landesweit 80 Demonstranten festgenommen. Anfang April entdeckten UN-Ermittler in der Unruheprovinz Kasai 23 Massengräber. Noch ist unklar, wie viele Leichen sich darin befanden.Das herauszufinden sei Aufgabe kongolesischer Ermittler, sagte UN-Vertreter José Maria Aranaz. Zudem müsse sich die Regierung erklären. Bislang hat sie nur die Existenz von drei Massengräbern in der Region eingeräumt.

Zerstörte Hoffnung

Zum Jahreswechsel keimte Hoffnung im Kongo auf, als es der katholischen Kirche gelang, ein Abkommen zwischen der Regierung und der Opposition zu vermitteln - unterschrieben wurde es allerdings nicht. Demnach sollte Kabila bis Ende 2017 Präsident bleiben, dabei einer Übergangsregierung vorstehen, in der die Opposition den Premierminister stellt. Der sollte die Neuwahlen organisieren, bei denen Kabila nicht wieder antreten dürfte.

Doch Ende März zogen sich die Bischöfe aus den Verhandlungen zurück. "Niemand will Kompromisse eingehen, um die beiden offenen Fragen zu lösen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Marcel Utembi Tapa, im Gespräch mit Radio Vatikan. Dabei sei es um die Wahl des Premierministers und des Leiters des Wahlkomitees gegangen. "Wir hätten es gerne gesehen, dass ein Abkommen unterzeichnet worden wäre. Aber das ist nicht der Fall. Da haben wir leider versagt, und das müssen wir ganz nüchtern anerkennen." Schon Wochen vorher hatte die Regierung das Abkommen offen boykottiert und erklärt, sie habe nicht genug Geld für Wahlen 2017.

Priesterseminare in Brand gesteckt

Dass das Engagement der Kirche nicht überall auf Gegenliebe stößt, zeigt eine Welle der Gewalt gegen kirchliche Einrichtungen. Vor allem in Kinshasa wurden Priesterseminare in Brand gesteckt, und Klöster und Kirchen verwüstet. Wer die Täter seien, wisse man nicht, sagt Pater Mihigo in Goma. "Aber man kann sich schon fragen, warum katholische Einrichtungen erst angegriffen werden, seit die Kirche das Abkommen zum Jahreswechsel vermittelt hat."

Die Diözese Goma wurde zwar nicht direkt attackiert. "Aber jeder Angriff trifft auch uns, egal wie weit entfernt er geschehen ist." Dennoch begrüßt der Pater ausdrücklich, dass sich die Bischöfe vermittelnd eingeschaltet haben. "Es ist schließlich Aufgabe der Kirche, zu vermitteln und zu versöhnen." Und an der Seite der Bevölkerung zu stehen.

Massaker an der Bevölkerung

Auch das wird im Osten des Kongo derzeit gefährlicher. Seit Jahren kämpfen hier etliche bewaffnete Gruppen gegeneinander und verüben Massaker an der Bevölkerung. In jüngster Zeit häufen sich auch Übergriffe auf humanitäre Helfer, auch Fahrzeuge der katholischen Kirche wurden angegriffen.

Trotzdem will Mihigo nicht aufhören, gerade jetzt in die Dörfer der Diözese zu fahren. Denn das Komitee für Gerechtigkeit und Frieden hat im Februar angefangen, in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu Wahlbeobachter auszubilden. "Wahlzeiten sind im Kongo immer unruhige Zeiten. Wir machen uns Sorgen, und umso wichtiger ist es, dass wir den Wahlprozess auch außerhalb der Hauptstadt begleiten." Das Risiko, das damit verbunden ist, nimmt Pater Mihigo in Kauf. Er ist nicht bereit, sich einschüchtern und von seiner Aufgabe abbringen zu lassen: Gerechtigkeit und Frieden zu fördern, so gut es geht.

Bettina Rühl
(epd)

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