Trauer nach Explosion in U-Bahn in St. Petersburg
Trauer nach Explosion in U-Bahn in St. Petersburg

04.04.2017

Kirche verurteilt Anschlag in Sankt Petersburg "Gegen jeden Ausdruck von Gewalt"

Mindestens 14 Tote hat ein mutmaßlicher Anschlag in der U-Bahn der russischen Millionenstadt Sankt Petersburg gefordert. Vertreter der römisch-katholischen und russisch-orthodoxen Kirche verurteilten die Tat und sagten den Opfern Hilfe zu.

Der katholische Moskauer Erzbischof Paolo Pezzi hat den mutmaßlichen Anschlag auf die U-Bahn der russischen Millionenstadt Sankt Petersburg verurteilt. Er bete für die "Erlösung Russlands und der ganzen Welt vom Fluch des Terrorismus", heißt es in einem am Montagabend veröffentlichten Kondolenzschreiben. Der "Terroranschlag" erfülle ihn mit tiefer Trauer.

"Aggression gegen friedliche Bürger"

Der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. verurteilte entschieden die "Aggression gegen friedliche Bürger". Die Gesellschaft müsse "jedem Ausdruck von Gewalt entgegentreten". Den Opfern und ihren Angehörigen sprach er sein Beileid aus. Das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt bat die Priester von Sankt Petersburg, ihnen beizustehen.

Zuvor hatte bereits der orthodoxe Metropolit von Sankt Petersburg, Warsonofi, den Opfern der Explosion in der U-Bahn der russischen Stadt sein Beileid bekundet. Wie die Eparchie (Diözese) am Montag mitteilte, schickte der Bischof Seelsorger zu den Opfern in die Krankenhäuser. Den betroffenen Familien bot der Metropolit auch "materielle Hilfe" an. 

Weltweites Entsetzen

Der Bombenanschlag mit mindestens elf Toten hatte weltweit Entsetzen und Anteilnahme ausgelöst. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte am Montagabend (Ortszeit) den "barbarischen und feigen Terroranschlag". UN-Generalsekretär Antonio Guterres drückte den betroffenen Familien sein tiefes Mitgefühl aus. "Die Verantwortlichen dieser schrecklichen Tat müssen zur Rechenschaft gezogen werden", teilte sein Sprecher mit.

Zwischen zwei U-Bahnhöfen war am Montag in einem Zug ein Sprengsatz explodiert. Mindestens 14 Menschen starben, von den rund 50 Verletzten waren am Dienstag den Angaben zufolge noch mehrere in kritischem Zustand. Eine zweite Bombe wurde rechtzeitig entschärft. Das staatliche Ermittlungskomitee geht von einem Terroranschlag aus. 

Die Suche nach den Tätern läuft weiter auf Hochtouren. Bei einem der Täter soll es sich nach Medienberichten um einen Mann aus Zentralasien handeln. "Es gibt eine Version, nach der die Bombe von einem Selbstmordattentäter getragen wurde", sagte eine Quelle innerhalb der Sicherheitsbehörden der Agentur Interfax.

Nach bisherigen Kenntnisstand soll der Mann 23 Jahre alt sein und radikal-islamistische Verbindungen haben. Zunächst hatte es geheißen, dass der Anschlag nicht von einem Selbstmordattentäter verübt worden sei. 

Merkel: "Entsetzen und Trauer"

US-Präsident Donald Trump verurteilte nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefonat mit Putin die Tat und bot volle Unterstützung bei der Jagd nach den Tätern an. Er habe zudem den Opfern und ihren Angehörigen sowie dem russischen Volk sein tiefstes Beileid ausgesprochen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich in einem Kondolenztelegramm an Putin über die Attacke entsetzt gezeigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte in Berlin: "Mit Entsetzen und Trauer verfolge ich die Nachrichten aus St. Petersburg, wo ein zur Explosion gebrachter Sprengsatz zahlreiche Tote gefordert hat."

Die Sicherheitsvorkehrungen in St. Petersburg wurden nach dem Anschlag massiv verstärkt. Alle Zugänge zu den U-Bahnen würden zusätzlich bewacht, teilte der Metro-Betreiber mit. Zudem würden Busse und Straßenbahnen stärker überprüft. 

Dreitätige Trauer in St. Petersburg

Wenige Stunden nach dem Anschlag nahmen die U-Bahnen ihren Betrieb wieder auf. Die Metro der Linie 2, auf der es zu der Explosion kam, werde zunächst jedoch nur einige Stationen anfahren, teilte der U-Bahn-Betreiber der Agentur Interfax zufolge mit. Für weitere Ermittlungen bleibe auch eine zweite U-Bahn-Station gesperrt. Auch in der Hauptstadt Moskau patrouillieren zahlreiche Polizisten an den Flughäfen, Bahnhöfen und in den Metro-Stationen.

Präsident Putin, der am Abend rote Rosen am Eingang der Metrostation Technisches Institut ablegte, sei über alle Entwicklungen informiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin hielt sich zur Zeit des Anschlages in St. Petersburgauf, war aber nicht gefährdet. Die Theorie über einen Selbstmordattentäter kommentierte er nicht. 

Die Stadtverwaltung von St. Petersburg rief eine dreitägige Trauer aus. Zahlreiche Menschen stellten vor den Zugängen der U-Bahn-Stationen und in Moskau in der Nähe der Kremlmauer Kerzen auf und legten Blumen für die Opfer nieder.

(KNA)

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