Eine EU- und eine Polenflagge
Eine EU- und eine Polenflagge

29.03.2017

Polens Bischöfe bekennen sich zur EU Gebete für Europa

Die nationalkonservative Regierung in Warschau streitet mit den EU-Partnern über den richtigen Kurs für Europa. Die katholischen Bischöfe des Landes hingegen bekennen sich so eindeutig wie lange nicht zur "gesunden europäischen Integration".

Ministerpräsidentin Beata Szydlo hatte sogar damit gedroht, als einzige Regierungschefin die feierliche Erklärung zum 60. Jahrestag der Römischen Verträge beim EU-Jubiläumsgipfel am vergangenen Wochenende nicht zu unterzeichnen. Sie wandte sich vehement gegen eine EU der verschiedenen Geschwindigkeiten. Am Ende trug sie den Text doch mit.

Wirklich beigelegt scheint der Konflikt zwischen Warschau und Brüssel aber noch nicht. Szydlo und die regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kämpfen weiter gegen zahlreiche EU-Vorgaben - vom Klimaschutz über die Aufnahme von Flüchtlingen bis zur Rechtsstaatlichkeit. Der Vorwurf lautet: Brüssel mische sich unzulässig in polnische Angelegenheiten ein. Die Opposition warnt bereits, die PiS führe Polen raus aus der EU.

Das jedoch bestreiten die Nationalkonservativen. Der mächtige Parteichef Jaroslaw Kaczynski betont vielmehr er wolle die EU zusammenhalten und durch Reformen bewahren. Er fordert mehr Macht für die nationalen Parlamente.

Kritik der Bischöfe an EU-Politik

Manche katholischen Bischöfe machten zuletzt eher gegen EU-Politiker Stimmung als für die europäische Einigung zu werben. Der Bischof von Wloclawek in Zentralpolen, Wieslaw Mering, verteidigte etwa die nationalkonservative Regierung gegen den Vorwurf des EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz, was sich in Polen abspiele, habe "Staatsstreich-Charakter". Der Bischof forderte, das EU-Parlament solle sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen, schrieb er dem SPD-Politiker. "In Brüssel gibt es heute keine Politiker von großer Klasse, also Menschen, die das gemeinsame Gute der Gesellschaften suchen, die die Europäische Union bilden", so Mering.

Der heutige Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki von Posen, kritisierte vor einigen Jahren noch entschieden, dass die EU Landwirten in Polen deutlich weniger Subventionen als in westlichen Mitgliedstaaten zahle.

Neuorientierung

Doch nun haben die Bischöfe das Wort für die EU ergriffen. "Das Pochen ausschließlich auf eigene Interessen kann zu keiner gesunden europäischen Integration führen", so Gadecki mit Blick auf die Regierung - ohne sie jedoch beim Namen zu nennen. Gemeinsam riefen die Bischöfe in einer Erklärung bei ihrer Vollversammlung Mitte des Monats zum Gebet für Europa auf, damit die Ordnung Gottes und jeder Mensch respektiert werde.

Ausdrücklich sprach sich der Episkopat für die Seligsprechung der EU-Gründerväter, den Franzosen Robert Schuman (1886-1963) und den Italiener Alcide de Gasperi (1881-1954), aus. Für de Gasperi und Schuman laufen seit 1993 beziehungsweise 2004 Seligsprechungsprozesse, die allerdings ins Stocken geraten sind.

Ersterem werfen die deutschsprachigen Südtiroler vor, ihre einst versprochenen Minderheitenrechte missachtet zu haben. Zu Schuman heißt es selbst aus Kirchenkreisen, man dürfe lobenswerte politische Visionen nicht mit Heiligmäßigkeit verwechseln.

Keine unkritischen Befürworter

Unkritische EU-Befürworter wollen Polens Bischöfe freilich nicht sein. Sie drängen auf die Beibehaltung christlicher Werte. Der neue Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski beklagte, die EU stecke in einer "riesigen Krise". Ihre Werte seien nicht definiert. "Freiheit wird als Wert an sich, als absoluter Wert betrachtet", kritisierte er. Das führe zum Verlust der kulturellen Identität. Unterdessen gab es am Wochenende in mehreren Städten Demonstrationen für die EU. Allein in Warschau gingen rund 10.000 Menschen für sie auf die Straße.

Oliver Hinz
(KNA)

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