Der Prager Kardinal Miloslav Vlk ist im Alter von 84 Jahren verstorben
Der Prager Kardinal Miloslav Vlk ist im Alter von 84 Jahren verstorben

18.03.2017

Prager Kardinal Vlk mit 84 Jahren gestorben Symbolfigur des Glaubens

Der Prager Kardinal und Alterzbischof Miloslav Vlk ist am Samstag im Alter von 84 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Vlk gehört zu den prägenden Gestalten der Kirche in Mittel- und Osteuropa nach dem Sturz des Kommunismus.

Vom Tellerwäscher zum Millionär - man kennt dieses US-Klischee einer Erfolgsgeschichte. Miloslav Vlk verkörperte einen Alternativentwurf: vom Fensterputzer zum Kardinal. Vlk arbeitete, bereits zum Priester geweiht, nach dem Prager Frühling von 1968 acht Jahre als Reinigungskraft - und wurde am Ende eine der Symbolfiguren des Glaubens im Mitteleuropa nach dem Kommunismus. Nun ist er am Samstag im Alter von 84 Jahren gestorben.

Papst würdigt Verstorbenen

Papst Franziskus würdigte Vlk in einem Beileidstelegramm als engagierten und großherzigen Hirten. "Stets folgsam den Eingebungen des Heiligen Geistes" habe der Kardinal eine echte kirchliche Erneuerung bewirkt, schrieb der Papst an Vlks Nachfolger Duka. In einem für solche Anlässe ungewöhnlich persönlichen Ton schrieb Franziskus weiter, er erinnere sich "mit Bewunderung" an Vlks "hartnäckige Treue zu Christus trotz der Entbehrungen und der Verfolgungen gegen die Kirche".

Schwierige Rahmenbedingungen

Der emeritierte Prager Erzbischof (1991-2010) stand für eine lebendige Kirche im kommunistischen Osteuropa. Berufsverbote und Schikanen: Am eigenen Leib hat der stämmige Kirchenmann, der herzhaft lachen und gut erzählen konnte, die Kirchenverfolgung in der damaligen Tschechoslowakei erfahren. Trotz seines frühen Entschlusses, Priester zu werden, konnte er zunächst nicht Theologie studieren: Der Staat hatte alle Seminare aufgelöst.

Vlk verdingte sich als Fabrikarbeiter und absolvierte den Militärdienst. Danach studierte er Archivwissenschaften und wurde schließlich Direktor des Bezirks- und Staatsarchivs in Budweis. Doch Vlks Wille, der Priesterberufung zu folgen, bestand fort. So nahm er 1964 nach Beratungen mit seinem internierten Bischof das Theologiestudium in Leitmeritz auf. Nach vier Jahren wurde er im Juni 1968 zum Priester geweiht. Weil er als Seelsorger zu erfolgreich schien, entzogen ihm die Behörden die Zulassung. Es folgten Jahre als Fensterputzer in Prag - und als Seelsorger im Untergrund.

Erst 1989 erhielt Vlk wieder die staatliche Erlaubnis, als Priester arbeiten zu dürfen. Schon 13 Monate später ernannte Papst Johannes Paul II. den Pfarrer zum Bischof. Vlk bezeichnete es später als unentbehrlich, dass Lehrer der Theologie "konkrete Zeugen des Glaubens" seien. Wenn der heutige Mensch noch auf die Lehrer höre, "dann, weil sie Zeugen sind". Die Kardinalswürde 1994, diverse Ehrendoktortitel und Auszeichnungen galten diesem persönlichen Lebenszeugnis wie seinem ökumenischen und europäischen Engagement.

Ein Brückenbauer für die katholische Kirche

Der Kardinal kümmerte sich auch um das Zusammenwachsen der katholischen Kirche in Europa. Von 1993 bis 2001 stand er an der Spitze des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Schon früh pflegte er einen vertrauensvollen Dialog mit Amtsbrüdern im Westen, lud Kirchenvertreter aus ganz Europa nach Prag.

Mit Blick auf die Entwicklung in seiner Heimat war bei Vlk in den letzten Lebensjahren aber auch immer wieder Enttäuschung zu spüren. "Die Leute haben den Kommunismus noch in den Köpfen und in den Herzen, ohne es zu wissen", klagte er. "Manche Politiker marschieren munter weiter in der alten Weise."

Zwist um Rückgabe von Gebäuden

Ein 16-jähriges Tauziehen gab es um den Besitz des Prager Veitsdoms - den das höchste Gericht letztlich dem Staat und nicht der Kirche zusprach. Die Rückgabe von im Kommunismus beschlagnahmten Gebäuden brachte den Kardinal regelmäßig in Rage. Präsident Milos Zeman sei lediglich bereit, "gönnerhaft" zwei Objekte auf dem Areal der Prager Burg zurückzuerstatten, schimpfte er 2014: das Georgskloster und die Neue Propstei - mithin Gebäude, "die vom Staat in einem solchen Maße vernachlässigt wurden, dass für ihre Instandsetzung Millionen-Investitionen erforderlich wären, die der Staat nach Aussage des Präsidenten nicht hat". Vlk sprach von einer "Grobheit" gegenüber der Kirche.

Vlk verkörperte Schicksal der tschechischen Kirche

Viele Kontroversen gab es um ein Religionsgesetz, das kirchliche Sozialarbeit beschränkt, und um die Staat-Kirche-Beziehungen, die sich in kaum einem anderen europäischen Land so schwierig gestalten. "Ich habe im Kommunismus gekämpft, und ich habe in der Demokratie gekämpft. Leider in beiden Fällen ohne großen Erfolg", sagte Vlk nicht ohne Bitterkeit.

Mit seinem Lebenslauf - und seinen Enttäuschungen - verkörpert Vlk das Schicksal der Kirche in Tschechien, dem vielleicht am stärksten entkirchlichten Land des früheren Ostblocks. Immer wieder warnte er vor einer weiter fortschreitenden Säkularisierung, die die geistigen und moralischen Grundlagen des Westens gefährden werde. Dieser Prozess ist inzwischen weit fortgeschritten - und Vlks Stimme wird nun fehlen.

(KNA)

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