Großer Zapfenstreich der Deutschen Marine
Großer Zapfenstreich der Deutschen Marine

15.03.2017

Friedensverbände kritisieren Zapfenstreich für Gauck Zivil vor Militär

Evangelische Friedensverbände haben Bedauern darüber geäußert, dass der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Verabschiedung an diesem Freitag nicht auf einen Großen Zapfenstreich der Bundeswehr verzichtet.

"Angesichts einer wachsenden Militarisierung der europäischen und auch der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik" wäre ein deutliches Zeichen wünschenswert gewesen, sagte der Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, Jan Gildemeister, in Bonn. Sein Kollege Wolfgang Burggraf von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden erklärte, Gauck hätte "auch als Theologe unterstreichen können, dass Zivil vor Militär geht".

Bundespräsident Heinemann verzichtete auf Zapfenstreich

Die Friedensverbände erinnerten daran, dass Bundespräsident Gustav Heinemann 1974 bewusst auf ein militärisches Zeremoniell bei seiner Verabschiedung aus dem Amt verzichtet und stattdessen zu einer Bootsfahrt eingeladen hatte. "Das wäre doch ein positives Signal aus Deutschland an die Welt gewesen, in einer Zeit, in der militärische Interventionen, Aufrüstung und Säbelrasseln die weltpolitische Debatte bestimmen", sagte Gildemeister. Heinemann habe schon in seiner Antrittsrede gesagt, "dass der Frieden der Ernstfall ist". Ein ähnlich deutliches Zeichen hätte nun auch Gauck setzen können.

Offener Brief an Gauck

Burggraf verwies auf einen Offenen Brief der "Solidarischen Kirche im Rheinland", die den Bundespräsidenten bereits im Oktober gebeten hatte, bei der Verabschiedung auf einen Großen Zapfenstreich zu verzichten. Die EAK hatte das Schreiben mit unterzeichnet.

Gauck wird am Freitag nach fünf Jahren im Amt im Park von Schloss Bellevue in Berlin aus dem Amt verabschiedet. Am Sonntag übergibt er die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD).

(epd)

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