Homosexuelles Paar
Homo-Ehe: Für die Kirche nicht machbar

05.03.2017

"Homo-Ehe" soll Thema beim Koalitionsausschuss werden Ehe für alle?

Das Ringen um eine völlige Gleichstellung von Ehe und "Homo-Ehe" hält an. Im Jahr der Bundestagswahl will die SPD die "Ehe für alle" durchsetzen. Eine alte Forderung. Zuletzt war sie allerdings kaum ein Thema.

Sieben Monate vor der Bundestagswahl bringt die SPD ein gesellschaftspolitisches Thema in die Debatte ein, mit dem sie die Union kräftig ärgern kann: Fraktionschef Thomas Oppermann kündigte am Sonntag im «Spiegel» an, beim nächsten Koalitionsgipfel am Dienstag die «Ehe für alle» auf die Tagesordnung zu setzen. Ein Thema, bei dem Sozialdemokraten, Grüne und Linke weithin einig sind. Bei dem es aber in der Union ganz unterschiedliche Meinungen gibt.

Zuvor war durchgesickert, dass auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die volle rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben zum Wahlkampfthema machen und damit die Union vor sich hertreiben will.

"100 Prozent Gleichstellung"

SPD-Fraktionschef Oppermann begründete seinen Vorstoß am Sonntag allerdings mit einer Wertedebatte: "Derzeit sprechen alle davon, dass es gilt, unsere Werte zu verteidigen. Das darf aber nicht nur in Sonntagsreden passieren, sondern muss konkrete Politik sein", sagte er, ohne die Auseinandersetzung mit dem Islam direkt anzusprechen. "Zu diesen Werten gehört neben dem Schutz von Ehe und Familie auch die Gleichberechtigung von anderen Formen des Zusammenlebens."

Seit Jahren fordert die SPD die "Ehe für alle". Auch im vergangenen Wahlkampf versprachen die Sozialdemokraten "100 Prozent Gleichstellung". Allerdings werfen Linke und Grüne der SPD vor, trotz denkbarer parlamentarischer Mehrheit für eine Gleichstellung entsprechende Initiativen aus Koalitionsraison verhindert zu haben.

14 EU-Länder erlauben "Homo-Ehe"

Bei ihrem neuen Vorstoß können die Sozialdemokraten auf eine im Januar veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes verweisen. Eine Mehrheit von 83 Prozent der befragten Bundesbürger bejaht danach die Eheschließung auch für Paare gleichen Geschlechts. Die Zustimmung sei noch nie höher gewesen, erklärte dazu Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle in Berlin.

Lüders nannte es ein "trauriges Zeichen", dass es in Deutschland - anders als bereits in 14 Staaten Europas - "noch immer keine 'Ehe für alle' gibt". Der Gesetzgeber dürfe nicht länger hinauszögern, was eine Mehrheit längst als selbstverständlich akzeptiere. Ihr Plädoyer: "Wir brauchen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und die vollständige rechtliche Gleichstellung bei der Adoption."

Union ist dagegen

Politisch sperrt sich dagegen die Union. Allerdings gibt es auch innerhalb der CDU Befürworter einer Gleichstellung. So erklärt Jens Spahn, CDU-Präsidiumsmitglied und selbst homosexuell: "Ich bin sicher, dass wir beim Thema Eheöffnung schon weit gekommen sind und auch in den nächsten Jahren, noch in diesem Jahrzehnt, die rechtliche Öffnung sehen werden."

Im Ringen um eine Gleichstellung hatten in den vergangenen Jahren vor allem Gerichte Änderungen durchgesetzt. Die rot-grüne Bundesregierung sorgte dafür, dass homosexuelle Paare seit dem Jahr 2001 in der Bundesrepublik vor dem Standesamt eine Lebenspartnerschaft eingehen und damit ihrer Beziehung einen rechtlichen Rahmen geben können. Im Steuerrecht etwa ist diese Partnerschaft der Ehe inzwischen weitgehend gleichgestellt. Allerdings: Kinder adoptieren können schwule oder lesbische Paare nach wie vor nicht.

Katholische Kirche lehnt die Homo-Ehe ab

Seit 2014 ist bei eingetragenen Lebenspartnerschaften die sogenannte Sukzessivadoption möglich: Danach können Paare ein Kind adoptieren, wenn es zuvor bereits von einem der Partner adoptiert worden war.

Die Kirchen beurteilen die "Ehe für alle" unterschiedlich: In vielen evangelischen Landeskirchen gibt es inzwischen eine Segnung oder sogar eine Trauung für Homosexuelle. Klar für das traditionelle Rechtsinstitut der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau tritt die katholische Kirche - auch unter Papst Franziskus - ein. Nachdem im mehrheitlich katholischen Irland die Bevölkerung 2015 in einem Referendum für die Öffnung der Ehe stimmte, sagte der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dies bedeute eine "Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau und somit eben auch der Familie".

Birgit Wilke und Christoph Arens
(KNA)

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