Pietro Parolin
Pietro Parolin

19.01.2017

Parolin auf Weltwirtschaftsforum "EU muss eigene Krise anerkennen"

Aus Sicht des Vatikan muss die EU anerkennen, dass sie "derzeit in einer Krise ist". Die heutige Generation sehe nicht mehr die Vorteile der EU, sagte Kardinalstaatssekretär Parolin beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

"Denken wir beispielsweise an den Frieden: unser Kontinent hat 60 Jahre lang in Frieden gelebt, nach den zerstörerischen Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges", so Parolin laut Radio Vatikan. Der zweite Mann im Vatikan nach dem Papst forderte zudem eine gerechtere Wirtschaft sowie atomare Abrüstung.

Ohne Gerechtigkeit in Wirtschaft und Handel werde es keinen Frieden geben, so Parolin weiter. Er verurteilte ein atomares Wettrüsten: "Ein Frieden, der auf Angst aufbaut, ist kein Frieden." Atomare Waffen seien "nur eine Art, den anderen Angst einzuflößen, um sie vom Handeln abzuhalten".

Verschiedenheit: Ja - Konflikte: Nein

Zur Freizügigkeit im Waren- und Personenverkehr merkte Parolin an, diese sei ein entscheidender Faktor für den "Brexit"-Beschluss zum EU-Austritt Großbritanniens gewesen.

"Da gibt es einen Konflikt, das müssen wir anerkennen. Beispielsweise die Tatsache, dass einige Länder entschieden haben, ihre Türen zu schließen, weil sie sich auf ihre spezifische Identität berufen." Verschiedenheit dürfe jedoch nicht zu Konflikten und Trennungen führen, sondern müsse als eine "Quelle der gegenseitigen Bereicherung und des Fortschritts" genutzt werden, betonte der Kardinalstaatssekretär.

(KNA)

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