Kolumbiens Präsident Santos zu Gast im Vatikan
Kolumbiens Präsident Santos zu Gast im Vatikan

15.12.2016

Nobelpreisträger Juan Manuel Santos trifft Papst Franziskus Frieden im Schnelldurchlauf

Und plötzlich geht alles ganz schnell in Kolumbien: Die Regierung peitscht das Friedensabkommen mit der FARC durch die Institutionen. Im Land aber wird weiter gekämpft. Am Freitag ist Staatspräsident Juan Manuel Santos zu Gast im Vatikan.

Wenn Juan Manuel Santos in einigen Jahren einmal auf seine politische Karriere zurückblicken wird, dann wird ihm der Dezember 2016 vielleicht als seine schönste Zeit in Erinnerung bleiben. Erst die Verleihung des Friedensnobelpreises am vergangenen Samstag in Oslo, dann die mit weiteren Auszeichnungen gespickten Treffen mit zahlreichen gekrönten und ungekrönten Staatsoberhäuptern in ganz Europa - und zum Abschluss auch noch ein Treffen mit Papst Franziskus an diesem Freitag im Vatikan.

Kolumbiens Staatspräsident erntet für seine mutige Initiative für den Friedensprozess mit der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC die Anerkennung auf internationalem Parkett. Er selbst gibt sich selbstkritisch. "Die Volksabstimmung war ein Fehler", sagte er bei seiner Europareise mit Blick auf das verlorene Referendum über den Friedensvertrag mit der FARC. Aber zugleich sei die Niederlage auch ein Segen gewesen, der einen besseren Vertrag möglich gemacht habe.

Teile der FARC distanzieren sich vom Friedensprozess

Wenn Santos in der kommenden Woche in die südamerikanische Heimat zurückkommt, erwartet ihn wieder der harte politische Alltag. Gerade erst hat sich ein Teil der FARC-Guerilla vom Friedensprozess abgeseilt. Mindestens fünf lokale Kommandanten distanzieren sich von der neuen politischen Linie der FARC und wollen weiterkämpfen. Vor allem in der südlichen Provinz Tumaco tobt die Gewalt. Es geht um die Vorherrschaft im Drogenhandel in der Post-FARC-Ära. Und da wollen die abtrünnigen FARC-Kämpfer und rechte paramilitärische Gruppen ihre Pflöcke einschlagen.

Die Regierung erklärte die widerspenstigen FARC-Rebellen am Mittwoch zu militärischen Zielen. Santos hatte jenen Kräften bereits klargemacht, was sie erwartet, wenn sie den Guerilla-Kampf auf eigene Rechnung fortsetzen: das Gefängnis oder das Grab. Kirche und UN drängen die Santos-Regierung zu Schutzmaßnahmen für Menschenrechtler. Vor allem rechte paramilitärische Gruppen machen offenbar gezielt Jagd auf Aktivisten, die sich für Landrückgabeprojekte und gewerkschaftliche Anliegen einsetzen.

Abkommen soll schnell umgesetzt werden

Unterdessen machen die Institutionen den Weg frei für die Umsetzung des ausgehandelten Abkommens. Das Tempo ist atemberaubend. Vor ein paar Tagen noch baten die FARC-Kommandanten für das Massaker an Kommunalpolitikern in Cali öffentlich um Vergebung. Ähnliches ist für den Bombenanschlag im Club El Nogal in Bogota geplant, bei dem viele unschuldige Kinder starben. Gleichzeitig macht die FARC-Spitze Druck auf die Regierung, Haftbefehle gegen Guerilleros auszusetzen, damit die Entwaffnung beginnen kann.

Auch einen Namen für ihre künftige Partei haben die FARC-Rebellen offenbar gefunden: Als "Voces de Paz" (Stimmen des Friedens) hat sich die neue politische Bewegung beim staatlichen Wahlamt eingeschrieben. Am Donnerstag dementierte FARC-Sprecher Pastor Alape allerdings entsprechende Meldungen der kolumbianischen Medien. Inzwischen hat die Gruppe zudem die Namen der sechs Sprecher genannt, die sie in den beiden Kammern in Bogota vertreten sollen. Vielen Kolumbianern geht der Übergang von einer Terrororganisation hin zu einer politischen Partei zu schnell. In den Sozialen Netzwerken und den Kommentarforen der großen Tageszeitungen hagelt es an Kritik an dem rasenden Tempo.

Guerilla-Gruppe ELN weiter gewalttätig

Zudem ist eine andere Baustelle noch unbearbeitet. Die zweitgrößte Guerilla-Gruppe des Landes, die marxistische ELN, mordet weiter. Am Mittwoch meldeten die kolumbianischen Medien ein neues Attentat; zwei Polizisten kamen ums Leben. Die Freilassung der Geiseln, die von Santos zur Bedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen gemacht wurde, ist auch noch nicht über die Bühne gegangen.

Stattdessen melden kolumbianische Medien, die ELN habe bereits einen Teil der Schutzgelderpressungen der FARC übernommen. Zum Frieden ist es also noch ein weiter Weg - trotz Friedensvertrag und Nobelpreis.

Tobias Käufer
(KNA)

Die neue App von DOMRADIO.DE

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Tageskalender

Radioprogramm

 01.03.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kommen bald Corona-Lockerungen?
  • Was, und wie, wenn ohne Gott? Tagung beschäftigt sich mit Kirchenaustritten
  • Neues Buch von Doris Reisinger: "Nur die Wahrheit rettet"
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kommen bald Corona-Lockerungen?
  • Was, und wie, wenn ohne Gott? Tagung beschäftigt sich mit Kirchenaustritten
  • Neues Buch von Doris Reisinger: "Nur die Wahrheit rettet"
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Der Garten als Kraftquelle
  • Heute ist der "Equal care day"
  • Pilgern digital - mit einer neuen App der Jesuiten
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Der Garten als Kraftquelle
  • Heute ist der "Equal care day"
  • Pilgern digital - mit einer neuen App der Jesuiten
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Pilgern in Coronazeiten
  • Christliche Friseurin - ab heute darf sie wieder!
  • Was und wie, wenn ohne Gott?
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Himmelklar Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!