Heiner Geißler
Heiner Geißler

15.09.2016

Heiner Geißler kritisiert CSU in scharfen Tönen "Widerspruch zur Botschaft des Evangeliums"

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat Forderungen aus den Reihen der CSU nach einer bevorzugten Aufnahme christlicher Flüchtlingen scharf kritisiert. Ein solcher Vorstoß sei "das Gegenteil dessen, was die christliche Botschaft bedeutet".

Das sagte Geißler dem Internetportal der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Geißler wörtlich: "Wer solche Vorschläge macht, hat sonntags in der Kirche nichts verloren und steht im Widerspruch sowohl zur Botschaft des Evangeliums, zum Papst als auch zur evangelischen Kirche."

Merkel solle Kurs beibehalten

Die CSU-Führung befinde sich auf "derselben geistigen Ebene wie die Orban-Partei in Ungarn und die Kaczynski-Partei in Polen, so Geißler. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte er auf, an dem bisherigen Kurs in der Flüchtlingspolitik festzuhalten.

Die Kanzlerin habe "fast alle relevanten geistigen und politischen Schichten Deutschlands auf ihrer Seite; einen großen Teil der kulturellen Szene, die katholische und evangelische Kirche, die Gewerkschaften, die Diakonie, die Caritas und die meisten Nicht-Regierungsorganisationen", betonte Geißler.

Geißler wirft CSU Unsolidarität vor

Die Kritik aus der CSU am Kurs Merkels bezeichnet der ehemalige CDU-Generalsekretär "inkonsequent", "doppelbödig" und "unglaubwürdig". Weiter sagte der 86-Jährige: "So etwas Unsolidarisches habe ich in meinem politischen Leben noch nicht erlebt."

Nach heftigen Debatten im Vorfeld hatte der CSU-Vorstand am Wochenende einstimmig ein Papier zur Flüchtlingspolitik beschlossen. Es schreibt unter anderem eine jährliche Obergrenze für Flüchtlinge fest. Für Zuwanderer aus dem "christlich-abendländischen Kulturkreis" ist eine Vorrang-Regelung geplant. Diese solle allerdings nur für die klassische Einwanderung gelten, aber nicht für die Asyl- und Flüchtlingspolitik.

(KNA)

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