Demonstration für Pressefreiheit
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Die regierungskritischen Journalisten Can Dündar (r.) und Erdem Gül (l.)
Die regierungskritischen Journalisten Can Dündar (r.) und Erdem Gül (l.)

28.07.2016

Hermann-Kesten-Preis für türkische Journalisten Dündar und Gül "Kämpfer für die Meinungsfreiheit"

Der diesjährige Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums geht an die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül. Damit werden zwei regierungskritische Journalisten ausgezeichnet, die unter anderem wegen angeblicher "Spionage" vor Gericht stehen.

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielten "zwei mutige Kämpfer für die Meinungsfreiheit", lobte PEN-Vizepräsident Sascha Feuchert am Donnerstag in Darmstadt. Sie stellten sich vehement gegen den Kurs von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der die Türkei zu einem autokratischen System umbauen wolle. Die Preise werden am 17. November in Darmstadt verliehen.

Die Situation für Journalisten und Medien in der Türkei ist derzeit angespannt: Zuletzt hatte die türkische Regierung die Schließung von 45 Zeitungen,16 Fernsehsendern und 23 Radiostationen angeordnet, wie aus einem am Mittwoch im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervorgeht.

Preisträgern droht das Gefängis 

Der Journalist, Dokumentarfilmer, Buchautor und Chefredakteur der linksliberalen Tageszeitung "Cumhuriyet", Can Dündar (55), wurde im Mai dieses Jahres zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, sein Kollege Erdem Gül (Jahrgang 1967), Leiter des Hauptstadtbüros der Zeitung, zu fünf Jahren. Als Grund für die Anklagen diente den Behörden ein Bericht der beiden in "Cumhuriyet" über Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten.

Im November 2015 wurden die Journalisten wegen angeblicher "Spionage" und der "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" festgenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, Staatsgeheimnisse verbreitet zu haben. Präsident Erdogan stellte persönlich Strafanzeige und wurde zusammen mit dem türkischen Geheimdienst als Nebenkläger zugelassen. Zurzeit sind Dündar und Gül bis zu ihrem Berufungsprozess zwar auf freiem Fuß, doch nach dem gescheiterten Militärputsch sind die Journalisten von erneuter Haft bedroht.

"Translate for Justice"

Die Übersetzergruppe "Translate for Justice" enthält den mit 3.000 Euro dotierten Hermann-Kesten-Förderpreis. Die Gruppe ist eine unabhängige Plattform ehrenamtlicher Übersetzer und Übersetzerinnen aus der ganzen Welt. Ihr Ziel ist es nach den Angaben des deutschen PEN-Zentrums, die internationale Öffentlichkeit zu informieren, wenn Rechte verletzt und Freiheiten eingeschränkt werden, und entgegen den Verlautbarungen autoritärer Regime einen wahrheitsgetreuen Informationsfluss zu gewährleisten.

Die Plattform wurde 2013 von Dilek Dizdar (Germersheim) und Basak Ergil (Istanbul) gegründet.

Hermann-Kesten-Preis

Der Hermann-Kesten-Preis wird seit 1994 jährlich zum "Writers-in-Prison"-Tag für besondere Verdienste um verfolgte Autoren im Sinne der Charta des Internationalen PEN vergeben. Das Preisgeld wird je zur Hälfte vom PEN-Zentrum Deutschland und dem hessischen Kunstministerium gestiftet. Der Förderpreis wird ebenfalls vom hessischen Kunstministerium bereitgestellt. Er wird alle zwei Jahre verliehen.

Der Preis erinnert an den deutschen Schriftsteller und ehemaligen PEN-Präsidenten Hermann Kesten (1900-1996), der wegen seines jüdischen Glaubens und seiner politischen Gesinnung von den Nationalsozialisten vertrieben wurde und sich später von den USA aus für zahlreiche verfolgte Künstler einsetzte. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Günter Grass, Anna Politkovskaja, Harold Pinter und Liu Xiaobo. Im vergangenen Jahr wurde der Bremer Verleger Madjid Mohit ausgezeichnet.

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet.

(epd)

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