Tim Kaine könnte der nächste US-Vize-Präsident werden
Tim Kaine könnte der nächste US-Vize-Präsident werden

26.07.2016

Für Hillary Clintons Vize Tim Kaine ist Spiritualität im Leben wichtig USA: Zwischen katholischem Glauben und Politik

Ein Jesuiten-Schüler könnte nächster US-Vizepräsident werden: Der Bürgerrechtler und Katholik Tim Kaine aus Virginia hat einen guten Draht zur Arbeiterschicht, gilt aber nicht als Radikaler bei Wirtschaftsfragen.

Gewinnt die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im November die Wahl, bekommen die USA erneut einen katholischen Vizepräsidenten: Clinton hat Tim Kaine zu ihrer "Nummer Zwei" gewählt. Der Senator des Bundesstaates Virginia ist überzeugter Katholik und aktiv in seiner Kirche. Mitte Juli habe Kaine in seiner römisch-katholischen "St.-Elizabeth"-Pfarrei in Richmond in Virginia beim Kommunionslied das Solo gesungen, berichtete die Zeitung "Richmond Times-Dispatch".

Der gelernte Jurist und seine Ehefrau Anne Holton, die Bildungsministerin von Virginia, sind seit drei Jahrzehnten Mitglieder der mehrheitlich afro-amerikanischen Pfarrei. Barack Obamas Vize Joe Biden ist ebenfalls Katholik.

Politiker aus der Mitte

Kaine habe sich schon immer für andere Menschen eingesetzt, begründete Clinton ihre Entscheidung auf Twitter. Er sei ein "unerschütterlicher Optimist, der glaubt, dass es keine unlösbaren Probleme gibt". Der 58-jährige Kaine, seit 2013 Senator, zuvor Gouverneur von Virginia (2006-2010) und stellvertretender Gouverneur (2002-2006) sowie Bürgermeister von Richmond (1998-2001), gilt als Politiker aus der Mitte der Demokratischen Partei: Aktiv für Bürgerrechte, mit gutem Draht zur Arbeiterschicht, kein "Radikaler" bei Wirtschaftsfragen.

Den Jesuiten viel zu verdanken

Das hat Seltenheitswert für einen demokratischen Politiker: Kaine spricht offen über sein religiöses Innenleben. Offenbar wolle er seinen katholischen Glauben mit den Ansichten seiner Partei ins Gleichgewicht bringen, schrieb das Jesuitenmagazin "America". Der Politiker gelte als "Papst Franziskus-Katholik", zitierte die "Washington Post" den Soziologen William D'Antonio von der Katholischen Universität in der US-Hauptstadt. Dienst an den Armen und soziale Gerechtigkeit seien dem Politiker wichtig.

Im Fernsehsender CSPAN sagte Kaine jüngst, er verdanke den Jesuiten viel. Er sei in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, doch erst die Lehrer in seiner jesuitischen High School hätten ihm beigebracht, dass er Antworten auf Lebensfragen für sich selber finden müsse. Nach dem Schulabschluss arbeitete Kaine ein Jahr lang in Honduras auf einer Missions-Station der Jesuiten. Seitdem spricht er fließend Spanisch. Schon seit Jahren tritt Kaine für umfassende Einwanderungsreformen ein.

"Ein guter Mensch mit einem festen moralischen Zentrum"

In dem CSPAN-Interview betonte Kaine die Bedeutung der Spiritualität in seinem Leben. Bei allen Entscheidungen suche er nach spirituellen Beweggründen und Konsequenzen. Ein Grundsatz sei ihm wichtig: Er wolle Gott, den Funken Gottes, in jedem Menschen finden. Dieser Grundsatz stamme von George Fox, dem Begründer der Quäker-Glaubensgemeinschaft, im 17. Jahrhundert.

Kontrahenten und Freunde haben gelegentlich Schwierigkeiten, Tim Kaine einzuordnen. Er sei "im Grunde genommen ein guter Mensch mit einem festen moralischen Zentrum", sagte der langjährige Anti-Abtreibungsaktivist Rodney Autry aus Virginia im Baptistischen Informationsdienst. Doch manchmal reflektiere Kaines politische Haltung nicht seinen Glauben.

Abtreibungsgegner

Als junger Anwalt vertrat Kaine Todeshäftlinge. Doch als Gouverneur von Virginia ließ er elf Todesurteile vollstrecken. Er müsse Gesetze befolgen, so seine Begründung. Beim Thema Abtreibung kollidiert Kaine mit seiner Kirche. Persönlich lehne er Abtreibung ab, sagte Kaine vergangenen Monat im Fernsehsender NBC. Doch die Regierung solle sich nicht einmischen. Schwangerschaftsabbruch sei eine "moralische Entscheidung, die jeder selber treffen muss".

Hillary Clinton ist Methodistin. Donald Trump ist nach eigenen Angaben Presbyterianer. Nur einmal in ihrer Geschichte hatten die USA einen römisch-katholischen Präsidenten, John F. Kennedy (1961-63).

(epd)

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