Heiner Geißler
Heiner Geißler

22.07.2016

Geißler: Kirchen wichtig für humane Weltordnung Immer noch Kampf der Kulturen

Nach den Worten des CDU-Politikers Heiner Geißler ist der Nationalismus mittlerweile zu einer Art Ersatzreligion geworden. "Wir erleben eine Ablehnung bis hin zu Feindschaft gegen alles Fremde", sagte Geißler dem Internetportal "Focus Online".

Dies treffe zu für Länder wie Russland, China, die Türkei, den arabischen Raum, teilweise die USA und für weite Teile Europas. Grund für diese Entwicklung sei unter anderem, dass die Welt derzeit einen verfälschenden, aber außerordentlich aktiven Islam erlebe.

Die unzähligen Terroranschläge und die "Bildung eines militanten islamistischen Staates" produzierten mit der daraus resultierenden Flüchtlingsbewegung Angst, erläuterte der Politiker. In dieser Angst zögen sich viele Menschen auf das zurück das, was sie überblicken könnten. Das sei eben die Nation, das eigene Volk. Dazu komme das Wegbrechen ethischer Fundamente. So bedrohe die kapitalistische Wirtschaftsordnung Milliarden von Menschen in ihrer Existenz.

Geißler: Demokraten haben Islamismus nicht im Griff

Geißler kritisierte eine Ausbeutung ganzer Kontinente wie Afrika, Asien und Lateinamerika. Die internationalen Finanzmärkte sorgten dafür, dass Lebensmittel wie Getreide, Reis und Mais Gegenstand der Börsenspekulation würden. Die Demokratien könnten derzeit weder den Islamismus noch den Kapitalismus beherrschen. Das verstärke bei vielen Menschen eine Zukunftsangst. Eine Chance für eine globale Wirtschaftsordnung bestehe nur dann, wenn die Europäische Union beieinanderbleibe und in den USA die Demokraten die Mehrheit bekämen.

Der "Kampf der Kulturen", ein Begriff des US-Politologen Samuel Huntington, sei noch nicht entschieden, sagte Geißler. Es werde auch darauf ankommen, inwieweit sich die Kirchen aktiv in den Denkprozess einschalteten. "An sich sind die Gegenkräfte erkennbar, etwa die friedlichen Religionen, die christlichen Religionen, die katholische Kirche mit Papst Franziskus." Die beiden Kirchen seien nötig, um eine neue humane Welt- und Wirtschaftsordnung aufzubauen. Leider seien die geistigen Kräfte der Religionen nicht ausreichend entwickelt. Sie stünden sich gegenseitig im Wege.

(KNA)

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