Bundespraesident Gauck (r.) mit Patriarch Ignatius Aphrem II. Karim
Bundespraesident Gauck (r.) mit Patriarch Ignatius Aphrem II. Karim

07.07.2016

Gauck besorgt über Lage der Christen in Syrien und Irak Politische Lösung gesucht

Bei einem Treffen mit dem Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche hat Bundespräsident Joachim Gauck seine Sorge über die Lage der Christen im Nahen Osten geäußert. Er forderte eine politische Lösung der Konflikte.

"In dieser zivilisatorisch so vielfältigen Region, in der das Christentum seit seiner Frühzeit zu Hause ist, ist unter anderem das Leben von Christen durch Krieg und islamistischen Terror existentiell bedroht", sagte Gauck am Donnerstag in Berlin mit Blick auf den "Islamischen Staat" und andere radikale Gruppierungen.

Der Bundespräsident äußerte sich im Anschluss an ein Gespräch mit dem Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, Ignatius Efrem II. Karim. Dieser vertritt einen Teil der aramäischen Christen, die unter anderem in Syrien und im Irak leben. Der Patriarch selbst entging erst vor wenigen Tagen im Nordosten Syriens nur knapp den Anschlag eines Selbstmordattentäters.

Verfolgte verdienen Solidarität

Gauck betonte, dass neben den Christen auch Jesiden, Schiiten und Sunniten, "die nicht die radikalen Ansichten islamistischer Terroristen vertreten", Opfer der Kämpfe und Anschläge in Syrien und im Irak werden. Das Europaparlament habe insbesondere die Verfolgung religiöser Minderheiten Anfang Februar klar als Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord verurteilt, sagte Gauck und fügte hinzu: "Die Verfolgten verdienen unsere uneingeschränkte Solidarität."

Politische Lösung für Konflikte gefordert

Eine politische Lösung für den Konflikt in Syrien und eine Befriedung des Nahen Ostens sei dringend nötig, so der Bundespräsident. Die Einhaltung der Menschenrechte, das Recht auf Religionsfreiheit und die Sicherheit der Minderheiten müssten garantiert werden. "Ich bin dankbar für alle Bemühungen, die auf humanitärer Ebene bereits greifen. Und ich bin all den Menschen dankbar, die sich dafür einsetzen, dass viele Verfolgte eine sichere Zuflucht in Deutschland finden können."

Auf dem Besuchsprogramm von Patriarch Ignatius Efrem II., der von weiteren Bischöfen aus Syrien begleitet wurde, standen auch Gespräche im Außen- und Entwicklungsministerium. Laut Angaben des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland hat inzwischen fast jeder zweite Christ Syrien wegen des Krieges verlassen.

(KNA)

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