US-Präsident Barack Obama
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US-Präsident Obama und Japans Ministerpräsident Abe pflanzen Bäume
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Hiroshima nach dem Atombombenabwurf 1945
Hiroshima nach dem Atombombenabwurf 1945

26.05.2016

US-Präsident Obama besucht Hiroshima Schwieriges Gedenken

Als erster amtierender US-Präsident besucht Barack Obama Hiroshima. Er wird dort einen Kranz im Friedenspark niederlegen und damit an die Zerstörung der Stadt vor mehr als 70 Jahren durch eine US-Atombombe erinnern.

In den USA verblassen die Schreckensbilder vom Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August 1945 und dem auf Nagasaki drei Tage später. Der Umgang mit dieser Geschichte sei schwierig, sagt der Historiker Peter Kuznick. "Der zweite Weltkrieg gilt als guter Krieg", erläutert der Direktor des Nuclear Studies Institute an der American University in Washington. Viele US-Amerikaner seien daher nicht bereit, "auch nur einen einzigen Aspekt dieses Krieges infrage zu stellen".

USA tragen "besondere und moralische Verantwortung"

Barack Obama trägt diesem Umstand bei seinem Besuch in Hiroshima am Freitag Rechnung. Der Besuch des US-Präsidenten sei keine Entschuldigung für den Bombenabwurf, sondern ein "vorwärtsblickendes Signal" auf das Ziel, einen Planeten ohne Atomwaffen zu schaffen, betonte Pressesprecher Josh Earnest. Als die einzige Nation, die Nuklearwaffen eingesetzt hat, trügen die USA eine "besondere und moralische Verantwortung", bekräftigte der stellvertretende Sicherheitsberater Ben Rhodes.

Kritik von konservativen Amerikanern

Manchen konservativen Kritikern reicht das anscheinend nicht. Bereits eine indirekte Entschuldigung für den Einsatz der Atombombe müsse als "schwere Beleidigung" der kämpfenden Soldaten gesehen werden, warnte der Weltkriegsveteran Admiral Lloyd Vasey im Newsletter des Thinktanks Center for Strategic and International Studies.

Zehntausende Menschen waren nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki auf der Stelle tot, Zehntausende starben an Strahlenschäden und Verbrennungen. Durch die Bomben seien 200.000 US-Soldaten verschont geblieben, die sonst bei einer Invasion in Japan ums Leben gekommen wären, erklärte der damalige US-Präsident Harry Truman später. In einer Presseerklärung wenige Stunden nach dem Abwurf drohte Truman, die USA besäßen nun eine Bombe mit "revolutionärer Vergrößerung der Zerstörungskraft" und könnten "Japans Kriegskapazitäten gänzlich zerstören".

Japan kapitulierte nach den Atombombenabwürfen. Zahlreiche Historiker bezweifeln indes, dass diese wirklich für den Sieg notwendig waren. Die Bombe sei auch mit Blick auf die Neuordnung nach dem Krieg und die Sowjetunion eingesetzt worden. Wie der Historiker Gar Alperovitz in "The decision to use the atomic bomb" (Die Entscheidung zum Einsatz der Atombombe) schrieb, lehnten selbst manche Militärs den Atomwaffen-Einsatz gegen das schwer angeschlagene Japan ab.

Skepsis bei Friedensaktivisten

Bei manchen Friedensaktivisten stößt Obamas Hiroshima-Reise auf Skepsis. Bei seiner viel beachteten Rede in Prag im April 2009 habe der Präsident und spätere Friedensnobelpreisträger Hoffnung gemacht auf eine Welt ohne Nuklearwaffen, doch nun betreibe er ein umfangreiches Programm zur Modernisierung des US-Atomwaffenarsenals, kritisierte der in New York ansässige Verband "United for Peace and Justice".

Man könne den Hiroshima-Besuch auch als PR-Übung interpretieren, urteilt der Historiker Kuznick. Doch etwas Positives bringe er auf jeden Fall: Er lenke die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Gefahr eines Atomkrieges, die seit dem Ende des Kalten Krieges nicht genügend beachtet werde. Es gebe weltweit immerhin rund 15.000 Atomwaffen. In Hiroshima habe Obama die Chance, bei seiner erwarteten Ansprache ein "Kaninchen aus dem Zylinder" zu zaubern und wirkliche Abrüstungsschritte vorzulegen.

Konrad Ege
(epd)

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