Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann gibt Rücktritt bekannt
Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann gibt seinen Rücktritt bekannt
Christoph Wellner
Christoph Wellner

10.05.2016

Radio Stephansdom zum Rücktritt von Österreichs Bundeskanzler Quo vadis Austria?

"Es war ein Schreck, mit dem keiner gerechnet hat.", beschreibt der Chefredakteur vom Wiener Radio Klassik Stephansdom den Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann - auch wenn er keinen großen Verlust für die Kirche sieht.

domradio.de: Wie sortiert sich Österreich denn nach der Bekanntgabe des Rücktritts von Bundeskanzler Faymann? War das ein Schreck gestern?

Christoph Wellner (Geschäftsführer und Chefredakteur von Radio Klassik Stephansdom in Wien): Es war insofern ein Schreck, weil keiner damit gerechnet hat, dass Werner Faymann alle Funktionen so schnell niederlegt. Es herrschte wie vor zwei Wochen, als die Ergebnisse des ersten Durchgangs der Bundespräsidentenwahl Österreichs bekannt gegeben wurden, eine besonders schlechte Stimmung. (Anm. der Redaktion: FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat den ersten Durchgang zur Bundespräsidentenwahl in Österreich gewonnen und stellt sich am 22. Mai in einer Stichwahl gegen den Kandidaten Alexander Van der Bellen von den Grünen, der sich selbst aber als unabhängigen Kandidaten bezeichnet). Es hat sich gezeigt, dass die Arbeit der rot-schwarzen Koalition aus SPÖ und ÖVP, so schlecht ist, dass sich das Volk unzufrieden zeigt und in seinem Wahlverhalten protestiert. Werner Faymann hat zudem in seiner eigenen Partei sehr viel Widerstand gespürt. Das hat sich unter anderem am vorvergangenen Sonntag, am Tag der Arbeit am 1. Mai geäußert, als er ausgebuht wurde. So etwas hat es in dieser Dramatik eigentlich so noch nicht gegeben. Die Öffentlichkeit hat damit gerechnet, dass etwas passieren würde. Es wurde für gestern eine Versammlung des Parteivorstandes einberufen und man hat damit gerechnet, dass im Laufe des Tages vielleicht ein Statement herauskommt. Es hat aber keiner damit gerechnet, dass Werner Faymann diesen sofortigen und endgültigen Schritt alleine tätigt - noch bevor der Vorstand überhaupt zusammengekommen ist.

domradio.de: Wahrscheinlich hat auch der Wiener Kardinal Schönborn nicht damit gerechnet. Er hat direkt reagiert und gesagt, er habe große Wertschätzung für Bundeskanzler Werner Faymann und ihn als ausgezeichneten Gesprächspartner in vielen grundlegenden Fragen erfahren. Was heißt diese Entscheidung denn für die Kirche?

Wellner: Die Beziehung von Werner Faymann zur katholischen Kirche und den Kirchen allgemein war nicht besonders ausgeprägt. Aber, wie es unser Wiener Erzbischof auch betont hat, Faymann war sehr um einen Ausgleich verschiedener Positionen bemüht. Er war da, glaube ich, ein guter Gesprächspartner. Kirche und Faymann war jedoch während seiner Amtszeit kein dominierendes Thema.

domradio.de: Ist der Rücktritt ein Gewinn für die rechtspopulistische FPÖ. Driftet Österreich dadurch weiter nach rechts?

Wellner: Durch diesen Rücktritt direkt nicht. Es gibt ja das seltsame Phänomen, dass die FPÖ in den letzten Jahren praktisch nichts tun musste, um in den Umfragen und letzten Endes auch in den Wahlen Zugewinne zu bekommen. Die Stimmung in der Regierung zwischen SPÖ und ÖVP ist so schlecht, dass die ganzen Unzufriedenen ganz automatisch zur FPÖ wandern. Deshalb stärkt der Rücktritt Faymanns die FPÖ nicht automatisch. Interessant wird sein, wie die SPÖ mit diesem überraschenden Schritt umgeht. Es gibt seit gestern einen Interims-Parteichef, den Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der in den Zeitungen gerne als das "Schwergewicht der SPÖ" bezeichnet wird. Er wird jetzt zumindest für eine Woche die Partei führen. Man hat angekündigt, nächste Woche bereits den Nachfolger zu präsentieren, wobei für eine Partie in der Krise das, was gestern passiert ist, ein sehr schlechtes Zeichen ist. Es tritt der Chef zurück und es gibt keinen Nachfolger. Für jemanden, der gespürt hat, dass hier einiges im Argen ist, und keinen Nachfolger präsentiert, gibt das insgesamt ein schwaches Zeichen ab.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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