Norbert Hofer
Norbert Hofer

25.04.2016

Radio Stephansdom über Unzufriedenheit in Österreich Protest aus der Wahlkabine

Die Kollegen vom Wiener Stephansradio sind überrascht über den großen Vorsprung des Rechtspopulisten Hofer bei der Bundespräsidentenwahl. Sie befürchten, dass der FPÖ-Vertreter künftige Ministervereidigungen vereiteln könnte.

domradio.de: Die Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP haben es am Sonntag noch nicht einmal in die Stichwahl geschafft. Wie sehr hat der Wahlausgang die Menschen in Österreich überrascht?

Christoph Wellner (Geschäftsführer und Chefredakteur von Radio Klassik Stephansdom in Wien): Das hat man annehmen müssen, aber der deutliche Ausgang, dieser Riesenvorsprung mit 36,4 Prozent für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer hat alle überrascht und das ist jetzt die zweite Wahl innerhalb von kurzer Zeit, wo die Meinungsumfragen im Voraus so grob daneben gelegen sind. Eine Satirezeitschrift hat heute gemeldet, dass die Meinungsforscher jetzt wieder zurück in den in den Schimpansenkäfig in den Tiergarten kommen, weil überhaupt nichts gestimmt hat.

domradio.de: Norbert Hofer von der FPÖ geht als klarer Favorit in die Stichwahl am 22. Mai und tritt an gegen den früheren Parteichef der Grünen, Alexander Van der Bellen. Hofer hat ein Drittel mehr an Stimmen bekommen als die vermeintlichen Volksparteien. Warum haben die großen Parteien ihre Mehrheitsfähigkeit verloren?

Wellner: Anders als in Deutschland ist die Bundespräsidentenwahl in Österreich eine reine Persönlichkeitswahl, eigentlich könnte es ja egal sein, welche Partei dahinter steht, aber dieses Mal war es so stark wie überhaupt noch nie der Fall, dass es eine Abrechnung gegen die Arbeit der Regierung, gegen die große Koalition von rot und schwarz in Österreich war. Die Unzufriedenheit bei den Österreichern ist so dermaßen groß, dass alles, was diesen Geruch dieser rot-schwarzen Koalition hat, als störend empfunden wird und jetzt komplett abgelehnt wird. Die Meinungsumfragen sind so deutlich daneben gewesen, was den Wahlausgang und die Höhe der Zustimmung zu Norbert Hofer betrifft. Es ist immer noch so, dass man in den Umfragen vorher offensichtlich nicht dazu steht, blau wählen zu wollen, aber dann in der Wahlzelle ist es ganz klar ein Protest gegen dieses Establishment. Ich wage jetzt noch gar nicht zu prophezeien, was das Ergebnis dieser ersten Wahl für eine Auswirkung haben könnte auf die Bundesregierung und damit auf eine vorgezogene nächste Nationalratswahl.

domradio.de: Blau wählen, FPÖ wählen, das gibt keiner zu, aber die Leute tun es trotzdem. Hofer spricht ja auch davon, dass es eine muslimische Invasion in Österreich gibt. Was könnte ein Bundespräsident in Österreich denn im Land verändern?

Wellner: Wir haben das gehabt im Jahr 2000, der damalige Bundespräsident Thomas Klestil hat mehrere Minister nicht angelobt, die von der damaligen schwarz-blauen Koalition unter Wolfgang Schüssel vorgeschlagen wurden. Theoretisch kann er die Regierung auflösen.

domradio.de: Hofers Gegner in der Stichwahl wird der frühere Parteichef der Grünen, Alexander Van der Bellen, sein. Er beruft sich bei seiner liberalen Flüchtlingspolitik auf den Papst und die Katholische Kirche in Österreich. Auch wenn die Wahlprognosen so schlecht waren, wie groß sind seine Chancen, dass er Bundespräsident wird?

Wellner: Es kommt jetzt ganz darauf an, wie die Wähler, die am Sonntag nicht Hofer und Van der Bellen gewählt haben, sich für ihn entscheiden können, ob ja oder nein. Ich weiß, dass es aus konservativen christlichen Kreisen eher undenkbar ist, Van der Bellen zu wählen, weil grün und links nicht zusammenzupassen scheint. Das sind dann auch genau die Leute, die sagen: Ich weiß nicht, ob ich Hofer wählen kann und genau dieses Dilemma kann letzten Endes entscheidend sein, dass viele Leute nicht wählen gehen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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