Vor Beginn der Sitzung im Bonner Bundeskanzleramt unterhalten sich am 13.12.1976 (l-r): Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und der SPD-Vorsitzende Willy Brandt.
Vor Beginn der Sitzung im Bonner Bundeskanzleramt unterhalten sich am 13.12.1976 (l-r): Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und der SPD-Vorsitzende Willy Brandt.

01.04.2016

Genscher zu Fragen der Religion und des Lebens "Als Christ bin ich vorbereitet"

Der Tod des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher sorgte am Freitag für große Anteilnahme. Immer wieder äußerte sich der Protestant zu seinem persönlichen Glauben. Einige seiner Aussagen:

ANGST VOR DEM TOD I: "Ich bin Christ. Aber in meinem Alter beschäftigt man sich zwangsläufig damit - und eher mehr als weniger." (am 10. Dezember 2015 im Interview des "Bunten")

DANKBARKEIT: "Ich habe nie mit meinem Schicksal gehadert, was ja auch heißt, nie mit Gott gehadert - ihm aber immer wieder gedankt, er war stets gnädig mit mir." (am 12. Mai 2011 im "Zeit"-Magazin)

LEBENSFREUDE: "Der Tod beschäftigt mich nicht." (am Ostermontag, 29. März 2013, bei NDR Kultur)

KRANKHEIT: "Meine schwächste Zeit machte mich stark." (am 12. Mai 2011 im "Zeit"-Magazin über eine Lungentuberkulose, die Genscher mit 19 Jahren erlitt)

GESUNDHEIT: "Ein gütiger Gott und fantastische Ärzte haben mir eine neue Lebenschance eröffnet. Ich bin dafür unendlich dankbar." (am 11. Mai 2012 in der ARD-Sendung "Beckmann" über seine kurz zuvor erfolgte Herzoperation)

ALTER: "Ich nehme das so, wie es ist. Ich beklage mich nicht, sondern erfreue mich jeden Tag aufs Neue, es bis hierher gebracht zu haben." (am 21. August 2015 im Interview des "Süddeutsche Zeitung"-Magazins)

FLUCHT: "Ich wusste, wie sich die Menschen fühlen, was es heißt, Freunde und Verwandte zurückzulassen. Das hat mich schon sehr aufgewühlt." (am 30. September 2014 in der "Bild"-Zeitung über den Abend in Prag, an dem er genau 25 Jahre zuvor den DDR-Flüchtlingen mitteilte, dass ihre Ausreise in den Westen bewilligt worden sei)

ENDLICHKEIT: "Ich bin mir der Endlichkeit des Lebens bewusst." (am Ostermontag, 29. März 2013, bei NDR Kultur)

PAPST JOHANNES PAUL II.: Bei zahlreichen Begegnungen "hat sich ein persönliches Verhältnis entwickelt, das zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und einem deutschen Politiker, der Liberaler ist und Protestant, keineswegs selbstverständlich ist". (am 6. Mai 2013 im Interview der "Märkischen Oderzeitung")

FREMDENFEINDLICHKEIT: "Immer wenn ich eine Meldung über einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim lese, stehen vor mir die Bilder meiner Kindheit: brennende Synagogen und zerstörte jüdische Ladengeschäfte." (am 6. August 2015 im Interview der "Zeit")

EUROPÄISCHE VERANTWORTUNG: "Yes, we do, yes, we can - wir können das." (am 14. Oktober 2009 an der Universität Leipzig zur globalen Verantwortung der Europäischen Union)

HISTORISCHER MOMENT: "Als ich dann auf dem Balkon stand, war es dunkel, das Licht der Kamera blendete mich, so dass ich gar nichts mehr sah. Ich hörte nur, dass da draußen die Menschen waren und habe in die Finsternis hinein diesen Satz gesagt." (am 30. September 2014 in der "Bild"-Zeitung über den Abend in Prag, an dem er genau 25 Jahre zuvor den DDR-Flüchtlingen mitteilte, dass ihre Ausreise in den Westen bewilligt worden sei)

NACHRUFE: "Ein gutes Wort, das man selbst noch hören kann, zählt mehr als der beste Nachruf." (am 30. Januar 1946 bei einer Feierstunde der FDP)

ANGST VOR DEM TOD II: "Als Christ bin ich vorbereitet - und weiß, wovon ich rede." (am 18. August 2010 im Interview der "Bild"-Zeitung)

(KNA)

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