Recep Tayyip Erdoğan
Recep Tayyip Erdoğan
Gökay Sofuoglu
Gökay Sofuoglu

30.03.2016

Erdogans Reaktion auf Satire "Eine zusätzliche Satire"

Kopfschütteln über Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident erntet in Deutschland einhellig Kritik für seine diplomatische Reaktion auf einen Satire-Beitrag des NDR-Fernsehens. Kritik kommt auch von der türkischen Gemeinde in Deutschland.

"Erdogans Reaktion ist überzogen", sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, in Berlin. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), kritisierte die Einbestellung des deutschen Botschafters durch die Regierung in Ankara, stellte aber die Beziehungen zur Türkei nicht grundsätzlich infrage.

Der Vorfall spreche nicht gegen die Kooperation mit dem Land in der Flüchtlingskrise, sagte Röttgen am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Nun müsse aber besonders genau darauf geachtet werden, ob rechtliche Garantien der Türkei zum Umgang mit Flüchtlingen eingehalten würden.

Angriff auf die Pressefreiheit

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatten das Vorgehen des türkischen Präsidenten als Angriff auf die Pressefreiheit kritisiert. Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen sagte im Deutschlandfunk, es gebe eine klare Haltung der deutschen Politik. Das Auswärtige Amt habe über den Kurznachrichtendienst Twitter die eindeutige Haltung der Regierung klargestellt, dass die Medien in Deutschland unabhängig seien.

Journalisten der NDR-Sendung "extra3" hatten in einem Satire-Beitrag kritisiert, dass Erdogan mit seiner Politik Meinungsfreiheit und Menschenrechte verletze. Die türkische Regierung bestellte daraufhin den deutschen Botschafter Martin Erdmann in Ankara zum Gespräch ein. Das Auswärtige Amt erklärte, Erdmann habe im türkischen Außenministerium deutlich gemacht, dass Presse- und Meinungsfreiheit geschützt werden müssen. Medienberichten zufolge will Erdogan erreichen, dass der NDR-Beitrag im Internet nicht mehr abrufbar ist.

In dem Musikvideo "Erdowie, Erdowo, Erdogan" heißt es beispielsweise: "Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus" oder "ein Journalist, der was verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast". Der Text wird auf die Melodie des Liedes "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" der Pop-Musikerin Nena gesungen.

Keine Satiere: Journalisten in der Türkei vor Gericht

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Sofuoglu, sagte der "Berliner Zeitung", dass sich Erdogan auf diese Weise einmische, sei "noch mal eine zusätzliche Satire. Man sollte die Kirche im Dorf lassen und die Satire in Deutschland."

In der Türkei stehen derzeit zwei Journalisten der regierungskritischen Tageszeitung "Cumhuriyet" vor Gericht. Ihnen wird die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen sowie Spionage vorgeworfen. Der Prozessauftakt am vergangenen Freitag wurde zur Empörung Erdogans von europäischen Diplomaten beobachtet. Unter ihnen war auch der deutsche Botschafter Erdmann.

Röttgen sagte im ZDF, das Verhalten des deutschen Botschafters sei zu begrüßen. Er habe mit dem Besuch des Prozesses für Pressefreiheit demonstriert.

(epd)

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