Flüchtlingsheim im Kölner Stadtteil Brück
Flüchtlingsheim im Kölner Stadtteil Brück
Helfer der Initiative "Willkommen in Brück"
Helfer der Initiative "Willkommen in Brück"

30.03.2016

Ein Jahr Flüchtlingsinitiative in Köln "Willkommen in Brück"

Vor einem Jahr wude die Flüchtlingsinitiative im Kölner Stadtteil Brück gemeinsam von der katholischen und evangelischen Kirche gegründet. Ein Jahr geprägt von Motivation und positiven Erfahrungen, aber auch von Rückschlägen und Enttäuschungen.

domradio.de: Sie sind eigentlich im Ruhestand, kümmern sich aber mit viel Zeitaufwand um die Bürger-Initiative und die Flüchtlingsbetreuung. Wie sieht es aus mit Ihren Kräften? Setzt nicht so langsam ein Ermüdungs-Zustand ein?

Wolfgang Schmitz (Mitorganisator der Initiative "Willkommen in Brück"): Das ist sicherlich so. Es setzt vor allen Dingen ein Zustand der Ernüchterung ein, weil man ja mit sehr, sehr viel Schwung und sehr positiven Emotionen da rangegangen ist, eine Willkommenskultur zu schaffen. Und dann wird man nach und nach durch den Umgang mit den Ämtern und Behörden und dadurch, dass alles so langsam geht und Hindernisse sich auftun, schon ein bisschen müde und ernüchtert. Und dann sieht man, dass das ganze doch eher ein Marathon ist.  

domradio.de: Wir haben diese Initiative von Anfang an begleitet. Und Ich erinnere mich daran, dass die Stadt Köln vor einem Jahr eine Sozialarbeiterin für das Flüchtlingsheim in Brück eingesetzt hat. Aber nur mit zwei Stunden in der Woche. Hat sich diese Lage verbessert?

Schmitz: Nein, das hat sich nicht verbessert. Das ist aber generell so, d.h., das ist kein Brücker Problem. Die Hotelunterkünfte zum Beispiel haben alle genau dieselbe Kapazität. Wenn dann da hundert Menschen untergebracht sind, kann man sich vorstellen, dass zwei Stunden in der Woche viel zu wenig sind. Das heißt, da ist einkalkuliert, dass Ehrenamtler sich da mit drum kümmern. Das ist eine schlechte Situation, aber natürlich wissen wir auch, dass die Stadt Schwierigkeit hat, Stellen zu besetzen.

domradio.de: Aber auch sonst ist die Zusammenarbeit mit den Behörden nicht wirklich gut. Angenommen, ein Flüchtling möchte arbeiten gehen, was den Asylbewerbern nach drei Monaten erlaubt ist. Wie klappt das?

Schmitz: Es ist mühsam, weil es wieder mehrere Behörden oder Ämter gibt, die eingeschaltet werden müssen. Als erstes ist die Ausländerbehörde dran. Aber bei denen die nach drei Monaten arbeiten dürfen, muss vorher die Arbeitsagentur eine sogenannte Vorrangprüfung machen. Also klären, ob es konkurrierende deutsche oder EU Bewerber gibt. Und  schon alleine der Weg durch die Ausländerbehörde kann Wochen dauern. Die Kommunikation zwischen Ausländerbehörde und Arbeitsagentur läuft, um es vorsichtig zu sagen, auch nicht immer zum Besten. Das kann dann zur Folge haben, dass jemand ein Job-Angebot bekommt, die Prüfung aber mehrere Wochen dauert. Und dann sagt der Arbeitgeber, dass er so lange nicht warten kann.

domradio.de: Wie erleben Sie die Flüchtlinge? Sind alle gewillt, deutsch zu lernen und sich zu integrieren?  

Schmitz: Also, ein großer Teil ist gewillt und gibt sich Mühe und versucht, Kurse zu machen. Aber es gibt natürlich auch die, und das sind leider nicht ganz so wenige, die das nicht tun. Die an Integration weniger Interesse haben. Die sich wenig Mühe geben, die Schwierigkeiten haben, mit unseren Spielregeln zurecht zu kommen bzw. sich auch gänzlich weigern, mit diesen zurecht zu kommen. Es auch Verstöße gegen Recht und Gesetz. Also, sprich Kriminalität. Auch diese bittere Erfahrung gehört nach einem Jahr dazu.

domradio.de: Und Sie haben sogar einige angezeigt. Flüchtlinge, die bei der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof beteiligt waren. Da waren Jungs aus ihren Brücker Flüchtlingsheim dabei.

Schmitz: Ja, unglücklicherweise waren die Jungs dabei. Wir haben mit allen Flüchtlingen darüber gesprochen. Und daraufhin haben dann einige gesagt, sie würden wissen, dass welche dabei waren. Und dann war die große Frage, zeigt man die an? Es ist ja so, in den ersten Wochen und Monaten da hat man mitbekommen, dass hier und da was schief geht. Und da hat man auch gesagt, dass das ja irgendwie auch einen Eingewöhnungsprozess braucht. Inzwischen sagen wir aber sehr deutlich: Wer hier leben will, und wer hier am Ende auch in den Arbeitsmarkt möchte, eine Familie haben will, der muss das hiesige Recht und Gesetz akzeptieren und respektieren. Und wer es nicht tut, der kann unsere Unterstützung nicht bekommen.

domradio.de: Ganz aktuell ist das ehemalige Sporthotel in Brück, in dem Flüchtlinge gelebt haben, geräumt worden. Der Betreiber hat offenbar nur bei der Stadt kassiert und kaum Gegenleistung erbracht. Flüchtlinge sind zum Teil in einen anderen Stadtteil verlegt worden. Hat das nicht auch ein Stück wehgetan, sich von diesen Flüchtlingen zu trennen?

Schmitz: Das hat ein Stück weh getan, das ist richtig. Weil wir ja auch nicht wissen, ob und wie weit sich der Kontakt sich hält. Und das muss man wiederum auch nach diesen ernüchternden Erfahrungen sagen, es sind ja auch bereichernde Erfahrungen dabei. Man lernt Mensch kennen, der Horizont wird erweitert, man hat Kontakt zu anderen Kulturen. Das tut auch gut, und das bringt einen auch vorwärts. Aber man muss das andere eben auch sehen, und man braucht einen langen Atem. Einen längeren, als wir es uns vielleicht vorher vorgestellt haben.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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