Gedenken an die Opfer von Brüssel
Gedenken an die Opfer...
Gedenken an die Opfer am Place de la Bourse in Brüssel
...am Place de la Pourse in Brüssel
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

23.03.2016

ZdK-Präsident Sternberg zu Anschlägen von Brüssel "Gottesname auf widerliche Weise missbraucht"

Die Terroranschläge von Brüssel schockieren Europa. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mahnt zur Besonnenheit. Es gelte mehr denn je, freiheitlich-demokratische Werte zu verteidigen, betonte ZdK-Präsident Sternberg im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie war Ihre erste Reaktion auf die Attentate in Brüssel?

Dr. Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)): Ich war tief erschrocken und in großer Sorge. Wir sehen, dass wir hier in Deutschland nicht unberührt bleiben. Wir merken an allen Stellen: Die eine Welt ist angekommen. Wir können die globalen Probleme nicht mehr vom Sofa aus im Fernsehen verfolgen. Die Probleme der Welt sind unmittelbar bei uns. 

domradio.de: Sie haben gesagt, das sei ein Angriff auf unsere gesamte westliche Gesellschaft, also auf unsere Normen, auf unser Wertesystem. Wie gehen wir dann mit so einem Angriff um?

Sternberg: Ich denke, wir müssen auf der einen Seite Mitgefühl und Trauer für die Menschen in Brüssel und in ganz Belgien zeigen. Aber wir müssen uns auch klar darüber sein, dass wir jetzt nicht in Angst und Paranoia verfallen dürfen, sondern, dass wir unser Leben führen müssen, dass wir unsere Werte weiter verteidigen müssen, dass wir dieses Gesellschaftssystem behaupten.

Was mich aber als Christ ganz besonders berührt und erschrocken macht, ist, dass hier der Gottesname auf so widerliche Weise missbraucht wird.

domradio.de: Sind wir da speziell als Christen gefordert?

Sternberg: Ja, wir sind als Christen gefordert - gemeinsam mit unseren muslimischen Glaubensschwestern und -brüdern - deutlich zu machen, dass das, was da passiert, Pervertierung einer Religion ist, Missbrauch des Gottesnamens und nicht Gebrauch des Gottesnamens. Wir müssen gemeinsam deutlich machen, dass ein Islam, der den Namen 'Islam' verdient, selbstverständlich nichts zu tun haben kann mit Terror, Gewalt und Mord.

Ich glaube, dass dieser Unterschied auch jedem frommen Muslim bei uns in Deutschland klar und deutlich ist. Aber es muss eben auch deutlich werden, dass hier keine Vermischungen passieren und dass nicht in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird, der Islam sei nun mal grundsätzlich so, wie er hier in dieser schrecklich pervertierten Form zum Ausdruck kommt.

domradio.de: Dann kommen wir nochmal zu den Ereignissen in Brüssel zurück, die ja jetzt in der Karwoche passiert sind. Kann da vielleicht auch die Osterbotschaft helfen?

Sternberg: Selbstverständlich, nur muss man aufpassen, dass man mit der Osterbotschaft nicht Dinge verkleistert und undeutlich macht. Ich glaube, auch die Botschaft von Karfreitag ist ganz wichtig. Und dieser Karfreitag muss ausgehalten werden, er muss auch in den Karsamstag ausgehalten werden. Wir müssen auch Tod, Leiden, Verletzung und Folter in ihrer ganzen Schärfe wahrnehmen und nicht zu schnell überspringen auf die Osterbotschaft, die natürlich unsere Verheißung ist.

Natürlich ist Ostern für jeden Christen das wichtige und entscheidende Datum; zu wissen, dass der Tod nicht die Grenze des Lebens, sondern ein Übergang ist. Trotzdem hindert uns auch diese Osterbotschaft nicht daran, den Tod und das Leiden in seinem ganzen Schrecken zu verstehen, zu begreifen und wahrzunehmen.  

domradio.de: Bei uns in Deutschland sorgen sich jetzt vielleicht einige Menschen, wenn große Veranstaltungen anstehen. Konkret steht uns ja der Katholikentag in Leipzig im Mai bevor. Sehen Sie da auch eine Gefahr?

Sternberg: Ich sehe diese Gefahr für den Katholikentag eigentlich nicht. Denn die Gefährdung, wie sie da in Belgien war, kann jeden jederzeit erreichen - in jedem Bahnhof, in jedem Flughafen. Das müssen nicht spezifische große Ereignisse sein. Ich glaube nicht, dass der Katholikentag davon berührt sein wird.

Ich denke, wir werden uns klarmachen müssen, dass der alte lateinische Grundsatz: 'Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen' in doppelter Schärfe dadurch entsteht, dass man vor Terroranschlägen nicht völlig geschützt ist. Vielleicht kann man sich auch einmal vorstellen, wie das Leben für unsere Freunde in Israel ist, die seit Jahrzehnten gewohnt sind, mit dieser Angst zu leben und zu wissen: 'Es kann immer wieder etwas passieren.' Das wird uns auch hier in Deutschland nicht erspart bleiben.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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