Place de la Bourse in Brüssel
Place de la Bourse in Brüssel
Bei der Schweigeminute in Brüssel
Bei der Schweigeminute in Brüssel

23.03.2016

Bischofskonferenz-Sprecherin: Belgier sind geeint Karikaturen und Kreide

Johanna Touzel, Sprecherin der europäischen Bischofskonferenz Comece, erlebt in Brüssel nach den Anschlägen eine ruhige und geeinte Atmosphäre. Die Bürger würden auch mit Humor auf den Terror reagieren, erzählt sie im Interview mit domradio.de.

domradio.de: Als wir gestern telefoniert haben, war noch gar nicht klar, ob Sie aus dem Büro nach Hause können. Hat das noch geklappt?

Johann Touzel (Sprecherin der europäischen Bischofskonferenz Comece): Es hat noch geklappt - dank eine Kollegin, die mich mit dem Auto zurückgefahren hat. Die ganze Verkehrslage war sehr schwierig. Es gab keine Zugverkehr, es war chaotisch für viele Menschen in Brüssel. Manche sind vier Stunden zu Fuß gelaufen, um nach Hause zu kommen.

domradio.de: Wie war es, als Sie heute morgen einen Tag danach wieder ins Büro gefahren sind?

Touzel: Natürlich gab es wieder eine schwierige Verkehrslage. Ansonsten ist das Zentrum ziemlich ruhig. Es sind aber Hubschrauber über Brüssel. Wir wissen nicht, ob der dritte Mann festgenommen werden konnte oder nicht. Aber es ist schon ein schwieriger Zustand, ja.

domradio.de: Gestern Abend haben Sie wahrscheinlich in belgischen Medien die Berichterstattung verfolgt. Was ist da der Tenor, wie gehen die Medien in Belgien mit dem Terror um?

Touzel: Ziemlich gut. Es gab auch auf politischer Seite keine Instrumentalisierungen, das war sehr gut. Im Gegensatz zu Frankreich, wo man nach den Attentaten im November sofort vom Krieg gegen den Terror gesprochen hat. Die Belgier sind nicht so, sie sind pazifistische Leute. Und ich war wirklich sehr berührt von der Einheit der Belgier in diesen Stunden. Die Bevölkerung bleibt ruhig und sehr geeint.

domradio.de: Das konnten wir auch nach Paris beobachten: Die Solidarität und ein Gefühl des "Jetzt erst recht". Wie ist das in Brüssel? Gibt's da jetzt auch so ein Gefühl nach dem Motto: Wir lassen uns nicht unterkriegen von dem, was passiert ist?

Touzel: Genau. Und das mit der Charakteristik der Belgier, die das auch ein bisschen mit Humor machen und sich nicht besonders ernst nehmen oder nationalistisch reagieren. Sie reagieren mit Karikaturen. Es gab viele Versammlungen im Zentrum der Stadt an der Börse. Kinder haben mit Kreide auf der Straße gemalt. Und heute um zwölf Uhr gab es eine Schweigeminute.

domradio.de: Wie ist die Arbeit im Büro der Bischofskonferenz? Kommen da weiter Solidaritäts- oder Beileidsbekundungen an?

Touzel: Wir haben enorm viele Nachrichten und Emails der Solidarität bekommen. Auch viele Telefonanrufe aus ganz Europa. Unsere Bischöfe aus ganz Europa haben sich gemeldet und unterstützen uns. Ich glaube, Brüssel ist auch etwas Besonderes, weil es die Hauptstadt Europas ist. Ich glaube, jeder Mensch, jeder Bürger in Europa fühlt sich besonders getroffen, weil Brüssel betroffen ist.

 

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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