Kinder mit syrischen Flaggen
Kinder mit syrischen Flaggen

15.03.2016

Vor fünf Jahren begann der Syrien-Konflikt Der gescheiterte Aufstand

Vor fünf Jahren begann in Syrien der Aufstand gegen das Regime. Von den Hoffnungen der prowestlichen Kräfte auf Freiheit und Demokratie ist nichts übrig geblieben. Neue Friedensgespräche sollen den Bürgerkrieg nun beenden.

Am Freitag spürten syrische Regimegegner wieder einen Geist, der sie an den Ausbruch des Aufstands vor fünf Jahren erinnerte. In vielen von Rebellen beherrschten Städten des Landes nutzten Hunderte Menschen die Waffenruhe, um zu Demonstrationen gegen Präsident Baschar al-Assad auf die Straße zu ziehen. Wie erstmals am 15. März 2011 riefen sie im Chor eine Forderung, die heute jedes Kind in der arabischen Welt kennt: "Das Volk will den Sturz des Regimes." Wie vor fünf Jahren protestierten die Demonstranten friedlich.

Auch Ammar Dschello fühlte sich an die Ereignisse von damals erinnert. "Die fragile Waffenruhe hilft ein wenig dabei, die Revolution zurück zu ihren Wurzeln zu bringen", sagt der syrische Aktivist, der mittlerweile in die Türkei geflohen ist und sich von hier aus für Flüchtlinge einsetzt. "Vielleicht gibt es jetzt die Möglichkeit wiederaufzuerstehen, wie Phoenix unter der schweren Asche." Hoffnung ist das letzte, was vielen Aktivisten geblieben ist.

Mindestens 250.000 Tote

Im März 2011 ging es den Demonstranten wie in anderen arabischen Ländern um Freiheit und Demokratie. Davon aber hat sich am fünften Jahrestag des Aufstands nichts erfüllt. Das Assad-Regime ist nach wie vor an der Macht und sein Sturz nicht in Sicht. Der blutige Konflikt mit ausländischer Intervention hat große Teile des Landes in Schutt und Asche gelegt. Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrschen riesige Gebiete. Mindestens 250 000 Tote haben die UN seit 2011 gezählt, elf Millionen Menschen wurden vertrieben.

Mit Hilfe russischer Luftunterstützung ist es den Assad-Anhängern zuletzt zudem gelungen, die Rebellen in Nordsyrien in die Defensive zu drängen. Trotzdem ist der Widerstandsgeist bei vielen nicht gebrochen. "Vom Beginn im Jahr 2011 an wussten wir, dass der Preis sehr hoch sein würde", sagt Mahmud Schahabi, ein Aktivst aus dem von Rebellen kontrollierten Teil der Stadt Aleppo. "Aber nach fünf Jahren sind wir entschlossener weiterzumachen, was immer es kostet."

Andere aber haben sich längst vom Aufstand abgewendet. So wie Marwan, ein Christ, der 2011 zu Protesten auf die Straße zog, sich heute aber betrogen fühlt. "Ich hatte die Hoffnung, ich würde in einem freien Syrien leben", erzählt der 32-Jährige. "Aber meine Träume sind in sich zusammengefallen, als Extremisten kamen und begannen, auf uns Christen als Abweichler zu schauen." Marwan ist in den Libanon geflohen. "Für mich ist die Revolution, die 2011 begann, tot."

Kleine Hoffnung auf Ende des Bürgerkriegs

Der Zufall will es, dass ausgerechnet zum fünften Jahrestag des Aufstands die Hoffnung auf ein Ende des Bürgerkriegs gewachsen ist, zumindest ein kleines bisschen. Seit mehr als zwei Wochen gilt die von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe, die - trotz täglicher Verstöße - bisher im Großen und Ganzen hält. Die Feuerpause öffnet den Weg für eine Wiederaufname der Friedensgespräche in Genf, die Anfang Februar nach nur wenigen Tagen ausgesetzt worden waren.

UN-Vermittler Staffan de Mistura hält sogar an dem ehrgeizigen Ziel fest, in spätestens 18 Monaten freie Wahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen abzuhalten. Allerdings wird es für ihn in Genf erst einmal um ganz andere Dinge gehen. Bislang sind das Regime und seine Gegner nicht einmal bereit, im selben Raum zu sitzen. Mit einer Pendeldiplomatie muss de Mistura beide Seiten am Anfang näherbringen.

Im Vergleich zu früheren Gesprächsrunden haben sich die Umstände verändert. Die militärischen Rückschläge vor allem im Norden Syriens haben den Druck auf die Opposition erhöht. Sie könnte angesichts der fast aussichtslosen Lage am Boden eher zu Kompromissen bereit sein. Gleichzeitig hat Russland seine Luftangriffe auf gemäßigtere Rebellen wenn nicht gänzlich eingestellt, so doch zurückgefahren - ein Indiz, dass Moskau keine militärische Lösung des Konfliktes will und dementsprechend Druck auf Damaskus ausüben könnte.

Kommt eine Übergangsregierung?

Die entscheidende Frage dabei wird sein: Ist Moskau auch bereit, Assad an einem bestimmten Punkt fallen zu lassen? Die Verhandlungen sollen zu einer Übergangsregierung und einer neuen Verfassung führen. Die Opposition schließt jede Lösung aus, die Assad an der Macht ließe. Damit dürften sie den allermeisten Regimegegnern aus der Seele sprechen. Für sie ist Assad ein Massenmörder, der international geächtete Fassbomben und Chemiewaffen gegen das eigene Volk einsetzt. Für Mahmud Schahabi jedenfalls steht nach wie vor fest: "Unser Ziel ist es, das Regime von Baschar al-Assad zu beseitigen."

Jan Kuhlmann und Weedah Hamzah
(dpa)

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