Norbert Blüm zeltete im Lager in Idomeni
Norbert Blüm zeltete im Lager in Idomeni
Der Versuch, ein Flüchtlingskind aufzuheitern
Der Versuch, ein Flüchtlingskind aufzuheitern

14.03.2016

Norbert Blüm im Flüchtlingslager von Idomeni "Das ist nicht mein Europa"

Blaues Iglu-Zelt, schwarzer Anorak, blauer Schlafsack. Norbert Blüm, so zeigen die Fernsehbilder, hat eine Nacht im Flüchtlingslager von Idomeni verbracht. Der 80-Jährige demonstriert Solidarität mit den Flüchtlingen.

Er will noch immer etwas bewegen. Und er ist zornig. Obwohl Norbert Blüm sich 2002 aus dem Bundestag verabschiedete, mischt sich der 80-jährige CDU-Politiker weiter ein. An diesem Wochenende hat der frühere Bundesarbeitsminister eine Regennacht in einem Zelt im griechischen Flüchtlingslager von Idomeni verbracht.

"Anschlag auf die Menschlichkeit"

Aus Solidarität mit den mehr als 10.000 Flüchtlingen, die dort in Schlamm und Kälte hausen, weil Europa ihnen den Zutritt verwehrt. Und als Zeichen gegen die Gleichgültigkeit europäischer Politiker, die die Grenzen abschotten und weggucken, schimpft der CDU-Politiker. "Was ist denn das für ein Europa?" Schon nach seiner Ankunft am Samstag hatte Blüm die Zustände in Idomeni als einen "Anschlag auf die Menschlichkeit" verurteilt. Sein Europa sei das nicht.

Mehrfach hat Blüm, der als "soziales Gewissen der CDU" gilt, in den vergangenen Monaten für eine gastfreundliche Aufnahme von Flüchtlingen geworben. Gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und anderen Prominenten gehörte er zu den Unterzeichnern einer "Rheinischen Botschaft", die nach den Kölner Silvesterereignissen vor einer Spaltung der Gesellschaft warnten: Sexuelle Gewalt und Kriminalität dürften nicht geduldet werden. Zugleich müsse Deutschland ein offenes Land bleiben, das Menschen in Not aufnehme.

CDU solle sich auf das "C" besinnen

Im Herbst verteidigte Blüm - "obwohl ich nie in der Gefahr war, Mitglied des Angela-Merkel-Fanclubs zu werden" - die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. "Auf Angela Merkel bin ich stolz", schrieb er in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". An seine Partei appellierte er, sie solle sich auf ihre christlichen Wurzeln besinnen, und erinnerte sie an die Gleichnis vom barmherzigen Samariter. "Für die CDU stellt sich - ob gewollt oder nicht - die Flüchtlingsfrage als ihre Gewissensfrage: Wie hältst du es mit dem C im Parteinamen?"

Auch als Buchautor mischt sich Blüm immer wieder ein. In diesen Tagen kommt sein Titel "Aufschrei. Wider die erbarmungslose Geldgesellschaft" auf den Markt. Darin geißelt er die schlimmsten Auswüchse des kapitalistischen Wirtschaftens. Geldgier führe zu zunehmender Armut an anderer Stelle und treibe die Menschen weltweit in Heimatlosigkeit, Gewalt und Fanatismus, so zieht der CDU-Politiker eine Verbindung zwischen westlichen Exporten, Waffenhandel und Flüchtlingskrise.

Im Frühjahr 2015 reiste Blüm, getarnt als Tourist, nach Katar, um menschenverachtende Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter bei den Fußball-WM-Stadien anzuprangern. "Ich wünschte, dass der Herr Blatter hier mal 14 Tage lebt. Dann vergibt er vielleicht nicht mehr Weltmeisterschaften in Länder, in denen solche Zustände herrschen", gab er anschließend zu Protokoll.

Student bei Joseph Ratzinger

Geprägt ist Blüm von der Katholischen Soziallehre eines Oswald von Nell-Breuning (1890-1991). In den 60er Jahren studierte der gelernte Werkzeugmacher Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie - unter anderem bei Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.

Über 30 Jahre lang war der sechsfache Großvater im Bundestag, 16 Jahre lang Arbeits- und Sozialminister in der Regierung Kohl.

Als Minister hat Blüm eine Gesundheitsreform und zwei große Rentenreformen durchgesetzt. Am meisten aber verbindet sich wohl die Einführung der Pflegeversicherung 1995 mit seinem Namen. Dass es auch ein Leben neben der Politik gibt, darauf hat er schon früh bestanden: "Politiker, die mit Politik aufstehen, das Mittagessen als Arbeitsessen organisieren und nachts politisch träumen, halte ich für gefährlich." Dennoch kann er es nicht lassen, sich einzumischen.

Christoph Arens
(KNA)

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