Mitglieder der St. Barbara Gemeinde besetzten im Dezember 2011 in Duisburg ihre Kirche.
Mitglieder der St. Barbara Gemeinde besetzten im Dezember 2011 in Duisburg ihre Kirche.

08.02.2016

Wie eine Pfarrgemeinde in Duisburg um ihr Weiterleben kämpft Basis-Kirche Sankt Barbara

Weniger Mitglieder, weniger Priester, weniger Geld: Strukturveränderungen in katholischen Gemeinden sind unumgänglich. Die Duisburger Gemeinde St. Barbara stemmt sich gegen eine Fusion und geht eigene Wege.

Eigentlich stand Sankt Barbara schon zur Schließung an. Doch die Gemeinde in Röttgersbach im Duisburger Norden stemmte sich vehement gegen die Entscheidung des Bistums Essen. Nun haben die Mitglieder im Einvernehmen mit der Diözese einen Weg gefunden, ihre Eigenständigkeit zu behalten. Das Gemeindekonzept sieht allerdings vor, dass es künftig keinen hauptamtlichen Gemeindeleiter und keine Finanzmittel des Bistums mehr gibt.

Noch ist Thomas Pulger (46) sonntags Zelebrant des Familiengottesdienstes, noch wohnt der Seelsorger in Sankt Barbara. Doch die 2.300 Mitglieder werden ab Sommer ohne ihn auskommen müssen. "Wir arbeiten seit 2013 dafür, dass unsere Projektgemeinde jetzt pastoral und finanziell eigenständig den Weg in ihre Zukunft besteht", erläutert Angelika Hoffmann (63). Die Kommunionkatechetin und Wortgottesdienst-Leiterin führt den 500 Mitglieder starken Förderverein von Sankt Barbara.

500 Mitglieder starker Förderverein

Das Einvernehmen mit dem Bistum, das in einem eigenen Vertrag fixiert wird, war noch vor drei Jahren unvorstellbar. Denn Ende 2012 stand trotz heftigem Kampf der Menschen im Stadtteil aus Sicht von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck die Schließung von Sankt Barbara an.

Manche Protestler begannen zugleich mit der intensiven Arbeit an einem Konzept, wie die Gemeinde ohne Geld und Priester fortbestehen kann. Der Pfarrer der nahen Großgemeinde vermittelte die Röttgersbacher Ideen nach Essen. Und so einigten sich beide Seiten im Herbst 2014 auf Grundzüge für das künftige Gemeindeleben: Diese orientieren sich an dem sogenannten Fünf-Säulen-Modell der westfranzösischen Kirche und Gemeinde von Poitiers.

Fünf Säulen in der Gemeinde

Für fünf verschiedene Aufgaben und "Säulen" in der Gemeinde gibt es jeweils fünf Gruppen mit etwa zehn Mitgliedern. Die dort Aktiven tragen als Ehrenamtler Verantwortung für die liturgische Gestaltung von Glaubensfeiern, die Verkündigung der christlichen Botschaft, die diakonische Arbeit für Benachteiligte und für Gemeinschaftsfeiern. Speziell in Duisburg kümmert sich eine weitere Gruppe auch um die Wirtschaftlichkeit; die finanzielle Selbstverantwortung der Barbara-Gemeinde ist vermutlich einzigartig in Deutschland.

Vor der Kirche hat die "Wollgruppe" der Gemeinde den Stamm eines Baumes farbenfroh mit Bändern umstrickt - ein Zeichen für das vielfältige Gemeindeleben. Dazu gehört auch ein Fortbildungskurs für Wortgottesdienstleiter mit 25 Teilnehmern. "Dass davon neun aus Röttgersbach kommen, macht Mut", betont Hoffmann. Denn statt einem Priester müssen demnächst Laien Gebetsstunden leiten.

Alt und Jung, Obdachlose und Flüchtlinge

"Wichtig für die Zukunft ist neben der Nachwuchsarbeit und dem Zusammenspiel der Säulen unsere Präsenz bei Senioren und im Stadtteil", sagt Pastor Pulger. 2015 gab es eine "Mister-X-Rallye" mit Mördersuche für die Kommunionkinder, aber auch den Einsatz für Flüchtlinge oder die ständige Sammlung haltbarer Lebensmittel. Im Februar 2016 informiert sich die Gemeinde über Obdachlose und drohende Wohnungslosigkeit in ihrer Umgebung.

Nicht nur pastorales - auch wirtschaftliches Konzept

Offenheit für den Stadtteil ist dabei nicht nur ein pastorales, sondern auch ein wirtschaftliches Konzept. "Verantwortliche von Vereinen oder einige Handwerker und Selbstständige unterstützen uns seit den Protesten", hebt Hoffmann hervor. Diese Spenden helfen neben Vermietungen, den Jahresetat von 22.000 Euro zu stemmen.

Genauso entscheidend ist aber die Motivation der "Barbarianer". Hoffmann formuliert das so: "Von oben kommt kein Geldsegen. Seien wir also Gemeinde. Und nehmen wir als Menschen wie Christen das in die Hand, was wir in Sankt Barbara für unseren Stadtteil leben wollen."

Ulrich Wilmes
(KNA)

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