ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Erzbischof Heiner Koch (l.) und ZdK-Präsident Alois Glück mit Katholikentagbild 2016
Erzbischof Koch und der damalige ZdK-Präsident Glück präsentierten das Katholikentagsbild im Juni

03.02.2016

Programm des 100. Katholikentags Flüchtlinge im Mittelpunkt

Das Programm des 100. Katholikentags in Leipzig im Mai greift die Themen auf, über die in Deutschland seit Monaten heftig diskutiert wird - Flucht, Integration und Fremdenfeindlichkeit. AfD-Politiker sind nicht erwünscht. 

Auf dem Deutschen Katholikentag im Mai in Leipzig sollen keine Politiker der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland" (AfD) sprechen dürfen. "Wir werden keine Gespräche mit Politikern der AfD führen auf dem Katholikentag", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms in Leipzig. Er begründete den Schritt mit den Worten: "Die AfD hat sich mit ihren Äußerungen der vergangenen Tage aus dem demokratischen Konsens verabschiedet."

Sternberg spielte damit auf Aussagen der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und der AfD-Vize-Vorsitzenden Beatrix von Storch zum Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge an Grenzen an. "Die Entscheidung, dass keine AfD-Politiker teilnehmen dürfen am Katholikentag, ist zwar schon früher getroffen worden, aber auch angesichts der aktuellen Äußerungen völlig richtig", ergänzte ZdK-Präsident Sternberg.

"Seht, da ist der Mensch"

Der 100. Katholikentag findet vom 25. bis zum 29. Mai 2016 in Leipzig statt. Er steht unter dem Motto "Seht, da ist der Mensch". Schwerpunkte sollen die Themen Flucht und Migration sein. Dabei solle deutlich gemacht werden, "dass aus christlicher Perspektive jeder einzelne Fremde, der zu uns kommt, einen Anspruch auf ordentliche und menschliche Behandlung hat", sagte Sternberg.

Zum Thema werden zahlreiche Politiker in Diskussionsrunden erwartet - etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zum Thema "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" sowie der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zum Thema "Aufstehen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit".

"Obergrenzen funktionieren nicht"

Das Schlimmste an der Flüchtlingsdebatte sei, dass vermeintlich einfache Lösungen präsentiert würden, die keine wirklichen Lösungen seien, kritisierte ZdK-Präsident Sternberg (CDU), der auch Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen ist: "Die Frage nach Obergrenzen für Flüchtlinge gehört für mich zu den einfachen Lösungen, die ohnehin nicht funktionieren." 

Zugleich betonte der ZdK-Präsident, dass das Zentralkomitee der deutschen Katholiken "kein Zentralkomitee der CDU oder der CSU" sei. Sternberg hatte im vergangenem November Alois Glück als ZdK-Präsidenten abgelöst, der das Amt seit 2009 innehatte.

Ökumene spielt große Rolle

Als weiteres wichtiges Thema will sich der Katholikentag den Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum 2017 widmen. "Die christliche Ökumene spielt mit Blick auf das Reformationsjubiläum eine große Rolle", kündigte Sternberg an: "Wir haben mit unseren Glaubensgeschwistern ein geschwisterliches Miteinander gefunden, das nicht in Abgrenzung besteht." Unter anderem werde der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, auf dem Katholikentag mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, diskutieren. 

Bundespräsident Joachim Gauck werde wahrscheinlich an der Eröffnungsveranstaltung und an einer Diskussion zur deutschen Einheit teilnehmen, hieß es weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde zum Abschlussgottesdienst erwartet. 

"Kein Schaukampf über interne Schwierigkeiten"

"Wir werden uns in Leipzig aber nicht mit unseren internen Problemen als katholische Kirche beschäftigen", betonte Sternberg weiter. Es solle kein "Schaukampf über interne Schwierigkeiten" geliefert werden. "Das wäre töricht in Leipzig, wo es hier so wenige Katholiken gibt", sagte der ZdK-Präsident. Der Anteil der Katholiken in Leipzig liegt bei vier Prozent. Bundesweit sind rund 30 Prozent der Bevölkerung katholisch. Der Anteil der Protestanten liegt bundesweit ebenfalls bei etwa 30 Prozent.

Der Diaspora-Situation in Ostdeutschland und dem Dialog mit Konfessionslosen widmet sich der Programmbereich "Leben mit und ohne Gott". Dem Gespräch mit Nichtgläubigen stellen sich etwa die Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) aus Thüringen und Reiner Haseloff (CDU) aus Sachsen-Anhalt. Die Bischöfe Wolfgang Ipolt (Görlitz) und Stefan Oster (Passau) bieten "Kneipengespräche" an der Theke an. Der Zugang zu allen Veranstaltungen aus diesem Themenbereich ist gratis und ohne Eintrittskarte möglich.

Zehntausende Gäste erwartet

Die Dauerkarte kostet 85 Euro. Insgesamt sei wieder ein Katholikentag der kurzen Wege geplant. Die zentralen Gottesdienste an Fronleichnam und zum Abschluss finden auf dem Augustusplatz vor der Oper in der Stadtmitte statt.

Der Katholikentag wird seit 1848 ausgerichtet und findet in der Regel alle zwei Jahre statt. 2014 war Regensburg der Ausrichter, im Jahr 2018 findet das Treffen der Katholiken in Münster statt. In Leipzig werden mehrere zehntausend Gäste erwartet, bis jetzt haben sich den Angaben zufolge 5.000 Teilnehmer angemeldet und damit mehr als zum Vergleichszeitpunkt 2014 für Regensburg, hieß es weiter.

(KNA, epd)

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