Historische Begegnung
Historische Begegnung

26.01.2016

Papst und iranischer Präsident sprechen über Terrorismus Zurück auf der Weltbühne

Papst Franziskus und der iranische Präsident Hassan Ruhani haben über die Einigung im Atomstreit und die Gefahren des Terrorismus gesprochen. Es war erst der zweite Besuch eines iranischen Präsidenten im Vatikan.

Bei dem Gespräch sei die Schlüsselrolle Irans für eine politische Lösung der herrschenden Konflikte im Nahen Osten deutlich geworden, teilte der Vatikan nach der 40-minütigen Audienz am Dienstag mit. Beide Seiten seien sich einig, dass Terrorismus und Waffenhandel in der Region eingedämmt werden müssten.

Papst und Präsident betonten den Angaben zufolge die guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Islamischen Republik. Ferner sei es um den Einsatz der Kirche für Menschenwürde und Religionsfreiheit, die Stärkung des interreligiösen Dialogs und gegenseitige Toleranz gegangen.

Khatami besuchte 1999 Johannes Paul II.

Es war erst der zweite Besuch eines iranischen Präsidenten im Vatikan. 1999 trafen sich Präsident Mohammed Khatami und Papst Johannes Paul II. (1978-2005). Die Audienz am Dienstag fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt; rund um den Vatikan patrouillierten verstärkt italienische Polizei und Armee.

Die Audienz wurde bereits im Vorfeld als symbolträchtig interpretiert. Der schiitische Iran sendet dem sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien damit eine Botschaft: Der Iran hat keine Differenzen mit den Christen. 1999 war bereits Ruhanis Vorgänger Mohammed Chatami mit Johannes Paul II. zusammengetroffen

Ruhani befindet sich derzeit auf seiner ersten Europareise seit Ende des Atomstreits im Juli. Der Vatikan hatte das damalige Abkommen als wichtiges Ergebnis gewürdigt, aber auch eine konsequente Umsetzung der Vereinbarungen verlangt. Mit Blick auf den Krieg in Syrien und die Kämpfe im Irak hatte der Papst mehrfach die Waffenlieferungen an die Konfliktparteien verurteilt.

Umweltenzyklika von Papst Franziskus

Bei dem Treffen, dessen Atmosphäre der Vatikan als herzlich bezeichnete, seien auch die "gemeinsamen spirituellen Werte" zur Sprache gekommen. Seit langem gibt es regelmäßige Treffen zwischen vatikanischen Vertretern und führenden iranisch-schiitischen Theologen.

Als Geschenk überreichte Ruhani dem Papst einen handgewebten Teppich. Franziskus revanchierte sich mit einer päpstlichen Medaille, die den Heiligen Martin zeigt. Zusätzlich schenkte Franziskus dem iranischen Präsidenten zwei Ausgaben seiner Umwelt-Enzyklika "Laudato si" in Englisch und Arabisch, da es bisher keine Übersetzung des Textes auf Persisch gibt. Zum Abschied sagte

Franziskus: "Ich danke Ihnen für diesen Besuch und hoffe auf den Frieden." Ruhani bat den Papst, für ihn zu beten.

Jüdische Gemeinde kritisiert den Besuch

Vor dem Besuch im Vatikan sagte Ruhani, der Koran fordere Muslime zum Schutz von Kirchen und Synagogen auf. "Das bedeutet Toleranz", unterstrich der Präsident. Kritik an dem Besuch Ruhanis gab es aus der Jüdischen Gemeinde. Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni hatte mit Hinweis auf den Internationalen Holocaust-Gedenktag an diesem Mittwoch davor gewarnt, Holocaust-Leugner zu würdigen.

Menschenrechtler und iranische Oppositionsgruppen hatten den Papst vor dem Besuch aufgerufen, Ruhani auf die Menschenrechtsverletzungen im Iran anzusprechen.

Verdeckte Statuen in Kapitolinischen Museen

Für eine Pressekonferenz mit Ruhani in den Kapitolinischen Museen waren in Rom antike Statuen mit Stellwänden verdeckt worden, offensichtlich um muslimischen Moralvorstellungen entgegenzukommen. Diese verbieten den Anblick nackter Körper in der Öffentlichkeit und die Abbildung von Menschen in der bildenden Kunst. Ruhani hatte am Montagabend den italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi auf dem Kapitolshügel getroffen und war später in den Museen vor die Presse getreten.

Mit Empörung reagierten italienische Abgeordnete auf die Verhängung. Der Fraktionsvorsitzende der Partei "Fratelli d'Italia" in der Deputiertenkammer, Fabio Rampelli, sprach laut einem Bericht der Tageszeitung "Avvennire" (Dienstag Online-Ausgabe) von einer Schande und Beleidigung der westlichen Kultur. Die Entscheidung sei Wasser auf die Mühlen islamistischer Terroristen.

Der Parteisekretär der rechten Lega Nord, Matteo Salvini, bezeichnete die Maßnahme als "Schwachsinn". Seine Parteikollegin Barbara Saltamartini verurteilte sie als "x-ten Akt der Unterwerfung unter eine Kultur, die nicht zu uns gehört". Nun bekämen schon Kunstwerke den Hijab, den islamischen Schleier, verpasst. Giuseppe Civati, Abgeordneter der regierenden Demokratischen Partei, kritisierte die Verdeckung als "enormen Provinzialismus". Andere Stimmen betonten, Italien sei ein laizistisches Land. Darin dürfe es keine Kompromisse geben.

Menschenrechtler weisen auf Christendiskriminierung hin

Im Iran würden Christen diskriminiert, sagte der Vorsitzende des christlichen Hilfswerks Open Doors, Markus Rode, am Dienstag im domradio.de-Interview. Viele Kirchen seien in der Untergrund geflüchtet. Am schlimmste treffe es Konvertiten, also ehemalige Muslime, die zum christlichen Glauben konvertiert sind. "Sie werden in Gefängnisse eingesperrt und brutal gefoltert", sagte Rode.

Auch Amnesty International warf dem Iran Heuchelei bei den Menschenrechten vor. Laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation warten im Iran zahlreiche Verurteilte auf ihre Hinrichtung wegen Delikten, die sie noch als Minderjährige begangen haben. Ruhani hatte sich vor seiner Wahl 2013 als moderater Reformer präsentiert. Seither sind die jährlichen Hinrichtungszahlen aber weiter gestiegen.

Ruhani war am Montag in Rom vom italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella und Ministerpräsident Matteo Renzi empfangen worden. Am Dienstag wollte er nach Paris weiterfliegen. Es ist der erste Europabesuch eines iranischen Staatsoberhaupts seit Beilegung des Atomstreits vergangenen Juli.

Die Reise hatte bereits im November stattfinden sollen, wurde dann jedoch wegen der Terroranschläge in der französischen Hauptstadt verschoben.

(KNA, dr, dpa, epd)

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