ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

24.01.2016

ZdK-Präsident Sternberg wartet auf ein Zeichen des Papstes "Wir brauchen jetzt konkrete Regelungen"

Seit November ist Thomas Sternberg der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken. Damit vertritt er rund 24 Millionen Gläubige. Ein wichtiges Thema für seine Amtszeit ist der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Deutsche Presse-Agentur (dpa): Wie geht es mit den wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche weiter?

Prof. Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Einfach sagen "Schwamm drüber", wenn eine Ehe scheitert, geht nicht, wenn man sie, wie wir das tun, als lebenslange Gemeinschaft ansieht. Aber bei der Frage der Integration der wiederverheirateten Geschiedenen muss es jetzt zu Lösungen kommen. Der Papst hat ja viel Bewegung gebracht, aber nach der Familiensynode brauchen wir jetzt auch Regelungen. Wir dürfen diese Menschen nicht weiter ausgrenzen. Es kann doch nicht sein, dass einem Mörder in der katholischen Kirche verziehen wird, aber einem Geschiedenen nicht! Der Papst hat zum Abschluss der Familiensynode den Hinweis gegeben, dass es Unterschiede zwischen den Kulturen gibt und Lösungen nicht überall gleich sein müssen. Ich hoffe da jetzt auf differenzierte Formulierungen.

dpa: Was steht ganz oben auf Ihrer Aufgabenliste als neuer ZdK-Präsident?

Sternberg: Für mich ist die strukturell wichtigste Frage, wie wir auf der Bundesebene zu synodalen Formen kommen. Wir haben in Gemeinden und Bistümern Räte mit Laien und Klerikern - das gibt es auf der Bundesebene noch nicht. In der katholischen Kirche stehen die Bischöfe auf der einen Seite und die Laien auf der anderen Seite. Wir werden aber nicht gemeinsam als Kirche wahrgenommen.

dpa: Kritiker der Kirchen fordern immer wieder eine striktere Trennung von Religion und Staat. Mal sollen Kommunen kein Geld für den Katholikentag ausgeben, dann sollen Tanzveranstaltungen auch an stillen Feiertagen erlaubt werden....

Sternberg: ...dann sollen diese Kritiker aber auch konsequent sein. Die richtige Schlussfolgerung aus solchen Forderungen ist zum Beispiel, den Karfreitag als Feiertag abzuschaffen. Dann ist das Geschrei groß, denn dann fällt diese bei den Kirchenkritikern willkommene Unterbrechung des Alltagsbetriebs weg. Beim Thema Katholikentag habe ich das Gefühl, dass viele der Kritiker nicht wissen, was diese Veranstaltung für eine Stadt bedeutet. Ein Katholikentag ist keine Vereinsversammlung, dieses Treffen mit einer Fülle von offenen Debatten zu aktuellen Fragen und hochrangigen Kulturevents hat eine besondere Bedeutung für die Gesellschaft, zu der zudem Hunderttausend Gäste und Hunderte Politiker und Journalisten kommen.

Carsten Linnhoff

(dpa)

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