13.01.2016

Klostersturm der Nazis vor 75 Jahren Einfach auf die Straße gesetzt

Die katholischen Orden faszinierten die Nazis. Die SS orientierte sich am Jesuitenorden, NS-Eliteschulen wurden als "Ordensschulen" bezeichnet. Zugleich bekämpfte die Partei die Orden als Kampftruppen des Papstes.

"Die Orden sind der militante Arm der katholischen Kirche", hieß es von Hitler, Himmler und vielen anderen Nazi-Größen. Für sie waren die Orden eine zentrale Zielscheibe ihrer kirchenfeindlichen Politik. Nach Meinung der braunen Machthaber musste "die gefährlichste Kampftruppe des nach der politischen Weltmacht strebenden römischen Papsttums" langfristig vernichtet werden.

Schon bald nach 1933 ergriff der NS-Staat Maßnahmen gegen Ordensleute: Hausdurchsuchungen, Verhöre, aber auch Devisen- und Sittlichkeitsprozesse. Zum Höhepunkt des Kirchenkampfes aber kam es in den ersten Kriegsjahren: Am 13. Januar 1941, vor 75 Jahren, befahl Martin Bormann - später Hitlers Privatsekretär und einer der radikalsten Kirchenhasser - in einem Geheimerlass den sogenannten Klostersturm: Die Klöster sollten in NS-Einrichtungen umgewandelt werden: in Krankenhäuser, Erholungsheime, Erziehungsanstalten oder Schulen.

Mehr als 300 Klöster wurden enteignet

Bormanns Anweisung war nicht zuletzt Teil eines Machtkampfs mit SS-Führer Heinrich Himmler, der schon seit Kriegsbeginn Klöster und kirchliche Einrichtungen beschlagnahmen ließ. Als "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums" war Himmler für die Umsiedlung von über einer halben Million Volksdeutscher "heim ins Reich" verantwortlich. Diese Aufgabe und vermeintliche Kriegs-Notwendigkeiten lieferten ihm den Vorwand, gezielt katholische Einrichtungen zu beschlagnahmen.

Bormann seinerseits verzichtete auf vorgeschobene Begründungen und warf den Ordensleuten pauschal "volks- und staatsfeindliches Verhalten" vor. Sie wurden einfach auf die Straße gesetzt, aus Städten oder Provinzen ausgewiesen. Insgesamt wurden 306 der etwa 1.600 Klöster enteignet. Lagen die Schwerpunkte zunächst vor allem in Württemberg, griff die Gestapo 1941 insbesondere im Rheinland und in Westfalen zu.

Schriftliche Proteste meist wirkungslos

Die Kirche geriet dadurch in ein Dilemma: Viele Bischöfe hatten zu Kriegsbeginn die Katholiken zu nationaler Pflichterfüllung in einer gottgewollten Bewährungsprobe aufgerufen. Immer mehr wurde jedoch deutlich, dass es den Nazi-Größen um kirchenfeindliche Politik ging.

Die Bischöfe griffen in erster Linie zum traditionellen Mittel der schriftlichen Proteste. Sie blieben fast alle wirkungslos. In mehreren Orten kam es zu lautstarken Protesten der Bevölkerung gegen die Klosteraufhebungen. Im westfälischen Olpe beispielsweise versammelte sich an mehreren Tagen nacheinander eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Pallottinerkloster, beschimpfte Gestapo-Beamte und bewarf sie mit Steinen.

Bischöfe reagierten spät

Bis es auch von bischöflicher Seite zu einem öffentlichen Protest kam, dauerte es bis zum Sommer 1941. Die größte Wirkung erzielten dabei die drei berühmten Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen im Juli und August 1941. Der "Löwe von Münster" reagierte auf die Beschlagnahmung mehrerer Klöster seiner Bischofsstadt.

Kein Bürger sei mehr sicher vor den Übergriffen der Gestapo. Wenn sein Ruf nach Gerechtigkeit nicht erhört werde, werde Deutschland "an innerer Fäulnis und Verrottung zu Grunde gehen", hieß es in der Predigt vom 13. Juli. Eine Woche später entwickelte er sein berühmtes Bild von Hammer und Amboss: Die Katholiken seien der Amboss, der zwar den Schlägen des Hammers ausgesetzt sei, am Ende aber länger aushalte als der Hammer.

Bischof von Galen: Protest mit neuer Qualität

Von Galens Protest hatte eine neue Qualität. Er griff die NS-Regierung frontal an, anstatt sich auf Kritik an einzelnen Missständen zu beschränken. Hitler war alarmiert. Am 30. Juli gab er im sogenannten Stopp-Erlass den Befehl, die Beschlagnahmen einzustellen. Die Abrechnung mit der Kirche verschob er auf die Zeit nach dem "Endsieg". Allerdings sorgte Bormann dafür, dass der Erlass sehr eng ausgelegt wurde: Er verbot zwar die Beschlagnahme von Klöstern, aber nicht ihre Enteignung. Daher fanden noch bis 1942 Vermögenseinziehungen statt.

Die Folgen des Klostersturms wirkten weit über 1945 hinaus. Viele der beschlagnahmten Klöster blieben nach Kriegsende belegt und dienten vor allem als Lager für «Displaced Persons», Vertriebene und Flüchtlinge. Die Wiedergutmachungsverfahren zogen sich teilweise bis in die 1970er Jahre hin.

Christoph Arens
(KNA)

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