Sonderausgabe von Charlie Hebdo zum Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion
Sonderausgabe von Charlie Hebdo zum Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion

06.01.2016

Charlie Hebdo mit Sonderausgabe zum Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion Spott ist nicht schön, aber legitim

Man muss Gläubigen Satire zumuten können, findet Alexander Kissler. Der Autor des Buches "Keine Toleranz den Intoleranten" spricht bei domradio.de über die Sonderausgabe von Charlie Hebdo zum Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion.

domradio.de:  Was sagen Sie zur Sonderausgabe des Satiremagazins?

Alexander Kissler (Publizist des Buches "Keine Toleranz den Intoleranten"): Naja, Charlie Hebdo ist zurück. Die Geschichte und auch die Gegenwart von Charlie Hebdo sind geprägt von einem scharfen Atheismus - den man auch in französischer Art Laizismus nennen kann. Das Blatt ist auch bekannt dafür und ist auch stolz darauf mit Religionen sehr sehr respektlos umzugehen. Ich habe auch in dem Buch geschrieben, ich hätte mir als Franzose Charlie Hebdo nicht gekauft. Ich bin Katholik. Ich bin Christ und ich finde nicht, dass man mit Religion, gleich welcher Art, so spöttisch und verletzend umgehen sollte. Die Frage ist ja immer - und da scheiden sich die Geister - wie geht man damit um. Letztlich ist natürlich in einer freien Gesellschaft, an die ich glaube, und für die ich einzutreten bereit bin, solch ein Spott nicht schön aber legitim. 

domradio.de: Gott ist als alter Mann und blutverschmiert dargestellt, er hat eine Kalaschnikow bei sich und hat wirre Augen. Was halten Sie von der Darstellung?

Kissler: Das ist eine Darstellung, wie man sie von einem alten unpräzisen, rächenden ins brutale ausschlagenden Gott haben kann. Das finde ich das interessante, dass diese scharfen Kritiker nun zurückfallen in eine wahrlich überwundene etwas infantile, also kindliche Ikonografie, die sich allerdings aus Restbeständen des Christentums und Abendlandes speist. Also dem Islam ist es bislang nicht gelungen, eine Ikonografie des Göttlichen auszubilden. Das will er auch theologisch nicht. Das heißt aber auch, dass Religionskritiker ikonografisch oder auch rhetorisch immer wieder zurückfallen müssen in das Christentum, das sie eigentlich ablehnen. Insofern kann man sagen: Das Christentum ist unbesiegbar.

domradio.de: Muss man das unserer Gesellschaft, muss man das Gläubigen zumuten können?

Kissler: Ich finde ja. Ich finde, man muss beides zumuten können. Man muss Gläubigen die Lästerzungen zumuten, weil die von einem Freiheitsrecht Gebrauch machen, von denen die Gläubigen auch profitieren. Christen befinden sich ja auch in immer mehr Ländern in einer Minderheit. Hier in Berlin, wo ich mich aufhalte, sind die Christen eine Minderheit. Auch in einer frommen Gesellschaft müssen die Atheisten sich auf Minderheiten-Rechte berufen können. Die Frage ist nur, wie geht man damit um. Und natürlich hat man ein Recht und vielleicht auch die Pflicht als Gläubiger dagegen aufzubegehren, das für falsch zu halten. Aber immer bitte mit den gleichen Mitteln, wie die Kritik, also mit Worten reagieren und nicht mit Kalaschnikows.

domradio.de: Ist das das Wesen unserer Gesellschaft, dass im Prinzip alles hinterfragt werden darf, es nichts gibt, was für alle heilig ist, sondern nur für einen selbst?

Kissler: Ich glaube schon, dass es Grundwerte gibt, also Werte des Westens auf die wir uns einigen müssen, damit wir uns nicht die Köpfe einschlagen und damit Debatten Debatten bleiben und nicht in den Kulturkampf bewaffneter oder unbewaffneter Art ausarten. Also auf die Unveräußerlichkeit der Menschenwürde, die ja durchaus eine christlich-jüdische-antike Wurzel hat, müssen wir uns auf die Unversehrtheit des Leibes, auf das Selbstbestimmungsrecht des Menschen, auf die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Kultur einigen. Aber innerhalb der Grenzen, die wir scharf ziehen müssen, müssen wir damit leben, dass wir sehr unterschiedliche Menschen sind und sehr unterschiedlicher Meinung sind.

Das Interview führte Christian Schlegel.

(dr)

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