Merkel mit Papst Franziskus
Merkel mit Papst Franziskus
Volker Resing
Volker Resing

10.12.2015

Angela Merkel ist "Person des Jahres 2015" "Die christliche Kanzlerin"

Angela Merkel wurde vom "Time"-Magazin als "Person des Jahres 2015" ausgewählt. Über die "Kanzlerin der freien Welt" und ihre christliche Prägung spricht Volker Resing, Chefredakteur der Herder Korrespondenz, im domradio.de-Interview.

domradio: Was macht Angela Merkel, was andere Regierungschefs nicht machen?

Volker Resing (Herder Korrespondenz): Das hat wahrscheinlich aus Sicht des "Time"-Magazins mehrere Gründe. Das hat sicherlich auch nicht nur mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik zu tun, sondern auch mit der Länge ihrer Amtszeit. Sie ist sicher in Europa inzwischen eine der am längsten amtierenden Regierungschefs. Auch von der Bedeutung bei der Finanzkrise und anderen Dingen ist sie doch herausstechend gewesen. Henry Kissinger soll mal gesagt haben: "Wenn ich Europa anrufen will, weiß ich nicht, welche Nummer ich eigentlich wählen soll." Aber neulich meinte er: "Jetzt weiß ich es. Ich muss Merkel anrufen." Also sie ist da schon in eine herausgehobene Rolle gewachsen. Das hat das "Time"-Magazin jetzt auch noch einmal gesagt, auch etwa mit Blick auf Russland und der Bewältigung der Ukrainekrise. Also es ist sicher nicht nur der Blick auf die Flüchtlingskrise, der sie jetzt herausstechen lässt. 

domradio: Eine Rolle wird auch der Lebenslauf spielen: Geboren in Hamburg, aufgewachsen in der DDR als evangelische Pfarrerstochter und dann Physikerin geworden. Das ist ein ungewöhnlicher Lebenslauf. Inwiefern wirkt sich das heute auf ihre Position als Weltpolitikerin aus?

Volker Resing: In der Tat ist sie eine spätberufene Politikerin. Sie ist erst mit über dreißig Jahren in die Politik eingestiegen und dann auch noch in einem für sie neuen Land, mit dem sie sich früher zwar schon beschäftigte, aber dennoch war sie neu im Politikbetrieb. Dieses späte Hinzukommen prägt auch ihre Amtsführung. Es liegt immer etwas neben der Spur des Üblichen, was im politischen Raum bekannt war. Das hat die Amerikaner früh fasziniert. Vor allem dieser Freiheitspathos, den sie auch hat, diese Liebe zur freien Welt sozusagen. Das hat man ihr jetzt auch attestiert. Eben durch diese Erfahrung mit der DDR, durch diesen Kontrast in ihrem Lebenslauf, verkörpert sie das noch einmal im besonderen Maße. Ein wichtiger und eigener Aspekt ist auch die Frage ihrer christlichen Prägung, aber das muss man dann auch zusätzlich betrachten.

domradio: Welche Rolle spielt denn ihre christliche Prägung genau?  

Volker Resing: Das "Time"-Magazin hat es auch darauf nochmal bezogen und gesagt, dass ihre Barmherzigkeit hervorsteche. Besonders jetzt in der Flüchtlingskrise sei ihr Christsein zu betrachten. Ich habe ihre christliche Prägung immer schon als wichtiger angesehen, als vielleicht andere das meinen. Ich glaube, dass sie mehr eine preußische Protestantin als eine ostdeutsche Physikerin ist. Dieses Elternhaus war in verschiedener Weise prägend. Es war ein intellektuelles Elternhaus. Es war nicht nur ein Pfarrhaus, sondern der Vater hat ein Predigerseminar geführt. Also am Küchentisch wurden schon theologische Fragen erörtert. Es gab in ihrem Elternhaus eine Bibliothek, die sicherlich in vielen anderen Elternhäusern der DDR nicht üblich war, und die auch über das Maß eines normalen Ortspfarrers hinausging. Zugleich ist sie auf dem Waldhof aufgewachsen. Das war eine Behinderteneinrichtung und sie hat früh gemerkt, dass die Einzigen, die sich um die Schwachen in dieser Gesellschaft kümmern, die Kirchen waren. Dieses Aufwachsen mit den behinderten Kindern hat sie mehrfach als eine für sie sehr prägende Erfahrung beschrieben. Das Aufwachsen mit Menschen, die sozusagen einem allgemeinen Maßstab nicht entsprachen, aber die als Menschen behandelt wurden und mit denen sie normal aufgewachsen ist. Diese beiden Prägungen, nicht nur das Elternhaus, sondern auch das Umfeld des Waldhofs machen ihre Wurzeln aus.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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