Julia Klöckner
Julia Klöckner

Julia Klöckner ist stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU und Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz. Die Katholikin ist Mitglied der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

17.08.2015

Julia Klöckner zur Modernisierung der CDU Auf zur "digitalen Theke"

Die CDU will ihre Parteiarbeit modernisieren und setzt dazu verstärkt auf das Internet. "Wir zeigen, dass das Abendland nicht untergeht, wenn man Onlinebeteiligung einführt", erklärt Julia Klöckner im domradio.de-Interview.

domradio.de: Vielleicht klären wir erst mal, was Jugend und Frauen an einer Parteimitgliedschaft hindert. Sind das vielleicht noch Spätfolgen der langen Kanzlerschaft von Helmut Kohl oder welche Erklärung haben Sie? 

Julia Klöckner: Nein, das ist ja ein Gesamtphänomen aller Parteien in Deutschland. Die CDU Deutschland ist ja die mitgliedsstärkste Partei. Wir haben auch jedes Jahr 14.000 Eintritte, aber wir haben einen demografischen Wandel. Man merkt ganz stark, dass sich gerade junge Leute oder auch Frauen häufig eher andere, zeitlich begrenzte, Projekte suchen als eine Mitgliedschaft in einer Partei einzugehen. Dafür wollen wir mit Frauen werben, die selbst in Positionen sind, aber vor allen Dingen auch mit Inhalten, die etwas mit dem Alltag, mit der Lebenswirklichkeit der Personen zu tun haben.

domradio.de: Krankenkassen oder Automobilklubs bieten Familienmitgliedschaften an. Warum hat die CDU nicht so eine Option? 

Klöckner: Darüber haben wir auch diskutiert: Gibt es Familienmitgliedschaften oder sogar Patenmitgliedschaften? Letzteres haben wir in den einzelnen Verbänden schon eingeführt. Für junge Leute, vielleicht auch Studenten, die ein bisschen klamm bei Kasse sind, übernimmt ein langjähriges Mitglied ein bis zwei Jahre lang die Gebühr. Das sind ja ganz geringe Beitragszahlen, aber manchmal ist so etwas ein Hindernis.

Und übrigens, wenn Sie fragen, wo sind die jungen Leute? Da gehen wir hin: Das ist im Internet, das ist die sogenannte "digitale Theke".

Wir stellen fest, dass in der analogen Welt bei Parteitagen häufig irgendwelche Regularien und Formalitäten nicht gerade den Spaßfaktor erhöhen. Das kann man minimieren. Man kann zum Beispiel auch Veranstaltungen durch Onlinebeteiligungselemente auch interessanter machen oder als Stichwort noch, dass wir zum Beispiel Mitgliederbeauftragte in jedem Kreisverband wählen lassen, die dann auch ansprechbar sind.

Es geht um eine Sprache, die die jungen Leute verstehen, eine Sprache, die vielleicht auch Frauen eher sprechen. Wenn wir von Sicherheit reden, verstehen Männer meist darunter Anti-Terror-Kampf und Polizeistärke. Junge Mütter verstehen darunter Lebensmittelsicherheit für ihre Neugeborenen zum Beispiel.

domradio.de: Sie sprachen von der "digitalen Theke". Im Netz waren Sie heute Morgen schon unterwegs. Bei Twitter konnte man zum Beispiel lesen, dass Sie im domradio zu hören sind. Die Kanzlerin hat kürzlich Ähnliches erlebt mit dem Youtube-Star LeFloid, der zu einem Interviewtermin geladen wurde. War das schon ein Stück Imagepflege? Was sagt uns dieser Moment tatsächlich über den Charakter der CDU, wie er denn werden soll bis 2017?

Klöckner: Eine Volkspartei wie die CDU besteht ja aus ganz unterschiedlichen Menschen, sei es unser Generalsekretär, seien es viele andere jüngere Abgeordnete, die Vertreter der jungen Union, aber auch übrigens der Seniorenunion. Sie sind ja mittlerweile ganz authentisch im Netz unterwegs.

Dass unsere Bundeskanzlerin selbst nicht twittert oder selbst nicht jeden Tag etwas in die Internetkanäle stellt, das liegt nah. Aber es gibt sehr sehr viele andere bei uns in der CDU, die leben das auch richtig. Sie haben zum Beispiel ein C-Netz gegründet für Netzpolitik für die Christdemokraten in der CDU. Da geschieht etwas, was sehr, sehr authentisch ist und was ein Teil der Wirklichkeit ist. Aber das ersetzt niemals auf Dauer die Qualität des persönlichen Gesprächs und der persönlichen Begegnung, aber es ist eine Ergänzung. Zur "analogen Theke" muss man natürlich auch die "digitale Theke" im Blick haben.

domradio.de: Als Grund für die Überalterung der Partei sagen Politologen, Nachwuchspolitiker müssten zu lange auf ein Landtagsmandat warten. Die "alten Herren" würden untereinander die Ämter aufteilen. Wie wollen Sie dieses Problem in den Griff bekommen?

Klöckner: Das ist wahrscheinlich wie bei Ihnen im Journalismus auch nicht immer anders, es hängt immer von einzelnen Personen ab. Ich musste zum Beispiel überhaupt nicht lange warten, ich war unter 30 und kam direkt in den deutschen Bundestag rein. Es hängt immer davon ab, ob Plätze frei sind und wo man sich bewirbt. Man braucht auch Frauen und da hebt das Frauenquorum, das wir bei uns in der CDU haben. Aber Sie haben schon Recht, manch eine talentierte junge Nachwuchshoffnung ist frustriert von dannen gezogen, weil man mit 50 keine Nachwuchshoffnung ist, wenn man so lange warten soll. Deshalb halten wir es auch für richtig, uns um Neumitglieder zu kümmern oder eine Nachwuchsakademie zu gründen. Diejenigen, die mit der Realität des Ortsverbandes vielleicht nicht zurecht kommen, sondern sich mit anderen Themen auch beschäftigen wollen, wollen wir abholen, aber auch weiterschulen. Ich habe zum Beispiel bei mir in Rheinland-Pfalz - ich bin ja Landesvorsitzende der CDU dort - ein Nachwuchsförderprogramm gegründet. Da haben wir über 80 junge Leute, die zwei Jahre lang geschult werden und die sind mittlerweile auch schon in Bürgermeisterämtern.

domradio.de:  Wie weit können alle diese Reformbemühungen gehen, die Sie mit "Meine CDU 2017" planen, ohne dass die Konservativen von früher abspringen?

Klöckner: Na, die Konservativen von früher haben ja auch ein Interesse an der Zukunft. Sie sehen ja selbst ihre Kinder oder Enkelkinder. Es wird auch wenig bringen und davon halte ich auch nichts, das Ruder komplett rumzureißen. Wir sind ja angewiesen auf die Bandbreite der Gesellschaft, auch auf unsere erfahrenen Mitglieder und erfahrenen Funktionsträger. Denn das soll ja die Gesellschaft auch widerspiegeln, ein behutsames Vorangehen, aber dennoch mit einem klaren Ziel. Wir zeigen, dass das Abendland nicht untergeht, wenn man zum Beispiel Onlinebeteiligung einführt oedr ein Mitgliederprinzip und nicht nur das Delegiertenprinzip in den Kreisverbänden. Für meinen Landesverband in Rheinland-Pfalz sehe ich, dass uns das einen Modernisierungsschub gebracht hat. Wir haben schon sehr, sehr viele seit Jahren hier auf den Weg hier gebracht: Wir haben Eintritte und wir haben vor allen Dingen auch junge Frauen, wir haben Migranten, wir haben ganz unterschiedliche Personengruppen. Es geht - wenn man nur will.

Das Interview führte Daniel Hauser.

(dr)

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