Steinmeier: Stadtführung in Havanna
Steinmeier: Stadtführung in Havanna
Kirche in Kuba
Kirche in Kuba

16.07.2015

Adveniat-Experte zum Steinmeier-Besuch in Kuba "Kuba bewegt sich"

Nach der Versöhnung zwischen den USA und Kuba besucht jetzt Frank-Walter Steinmeier als erster deutscher Außenminister die Karibikinsel. Im domradio.de-Interview schätzt Adveniat-Kuba-Referent, Martin Hagenmaier die Reise als gutes Zeichen ein.

domradio.de: Ist der Besuch des Außenministers das richtige Zeichen in diesen Tagen?

Martin Hagenmaier (Kuba-Referent bei Adveniat): Ja! Ich glaube, der Besuch war jetzt unbedingt angesagt, nachdem schon eine ganze Reihe Vertreter aus Europa sich die Türklinke in die Hand gegeben haben. Nach der Annäherung zwischen den USA und Kuba hat sich auch eine Perspektive wieder für die europäische Union ergeben, neu über den gemeinsamen Standpunkt nachzudenken. Viele Länder sind jetzt dabei, auch ihre Beziehungen neu zu sortieren, die über viele Jahre eingeschlafen waren.

domradio.de: Die deutsche Sektion von Amnesty International kritisiert, es wäre immer noch praktisch unmöglich, friedlich Kritik an der Regierung Kubas zu äußern. Es habe seit Juni fast 600 rein politisch motivierte Kurzzeitverhaftungen gegeben, meldet die internationale Gesellschaft für Menschenrechte.

Martin Hagenmaier: Steinmeier sagt, wichtig ist die Annährung im Dialog. Obama sagte, 50 Jahre Blockaden haben nichts gebracht. Das heißt, es muss darüber nachgedacht werden, auch neue Wege zu suchen. Vielleicht lassen sich in einer neuen Beziehungsordnung auch neue Dinge erreichen. Kuba bewegt sich. Das sollte man auch würdigen. Wenn natürlich auch viele Ziele noch nicht erreicht sind und die Situation noch lange nicht mit einem demokratischen Staat vergleichbar ist. 

domradio.de: Glauben Sie, dass der Besuch des Papstes auf Kuba auch dazu beigetragen hat, dass Kuba sich der westlichen Welt öffnet?  

Martin Hagenmaier: Der Papst hat bei der Annäherung zwischen Kuba und den USA eine wichtige Rolle gespielt. Die Kirche selber spielt eine wichtige Rolle in dem ganzen Prozess innerhalb des Landes von Kuba. Und der anstehende Besuch von Papst Franziskus im September in Kuba ist natürlich auch ein wichtiges Zeichen dafür, wie wichtig auch für die Kirche diese Beziehungen sind. Und der Papst lädt immer wieder zum Dialog zwischen den Menschen ein. Und ich glaube, dass, wenn Kuba schon den Papst einlädt, sich da was bewegt.

domradio.de: Außenminister Steinmeier wird auch den Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, treffen. Was ist von diesem Treffen zu erwarten?

Martin Hagenmaier: Zunächst wird Kardinal Jaime Ortega Steinmeier informieren. Er hat natürlich eine andere Sicht auf die Dinge, auf die Gesellschaft in Kuba, als die Vertreter der politischen Parteien. Und für die Bundesregierung ist es auch wichtig, mit Vertretern der Gesellschaft in Kontakt zu kommen. Und Kardinal Jaime Ortega ist sozusagen einer der obersten Spitzen der Repräsentanten der katholischen Kirche. Er kann vieles sagen, er hat auch bei der Vermittlung der Freilassung politischer Gefangenen geholfen. Er ist sehr viel im Gespräch, nicht nur direkt mit der katholischen Kirche. An ihn werden auch viele Anliegen der Gesellschaft herangetragen. Die Kirche selber ist wie ein Ort, an dem mehr Möglichkeiten da sind sich zu artikulieren und zu sprechen. Da sind sozusagen auch kulturelle Freiräume möglich. So, dass hier eben auch eine andere Sicht der Dinge zu Tage kommt.

domradio.de: Wie beurteilen Sie insgesamt die Situation der katholischen Kirche auf Kuba?

Martin Hagenmaier: Ich würde sagen, die Situation hat sich sehr verbessert seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II 1998. Damals hat er diesen legendären Satz gesagt, "Kuba, öffne dich der Welt. Welt, öffne dich Kuba!". Seit dem ist ein Prozess in Gang gekommen. Es gab aber auch sehr viele Rückschritte in den letzten Jahren. Vor allem durch den Wechsel von Fidel Castro zu seinem Bruder Raul Castro ist nochmal eine neue Dynamik hineingekommen. Die Kirche hat nach wie vor Schwierigkeiten, ist aber als Kirche anerkannt. Eine Religionsausübung ist möglich, aber teilweise noch in sehr bescheidenen Verhältnissen: Es fehlt an Infrastruktur. Es fehlt an der Mobilität, an Fahrzeugen. Das heißt, es ist schwierig für die Leute, zusammenkommen und sich zu treffen. Deshalb findet Kirche oft in sehr kleinem Kreise statt, in Privathäusern zum Teil oder in kleinen Kapellen. Aber es gibt eine sehr lebendige Kirche.

Das Interview führte Tommy Millhome

(KNA)

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