In Tabgha befindet sich die Brotvermehrungskirche
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Verkohlte Marienfigur
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03.07.2015

Kloster Tabgha verzeichnet Umsatzeinbruch nach Brandanschlag Nach dem Feuer im Dunkeln

Alles weist auf Brandstiftung bei einem Feuer im deutschen Kloster am See Genezareth, aber die Ermittlungen dauern an. Derweil kämpfen die Mönche mit einem Umsatzeinbruch im Pilgergeschäft.

Zwei Wochen nach dem Brandanschlag auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth sind Täter und Hintergründe weiter im Dunkeln. Die israelische Polizei verhängte eine Nachrichtensperre bis zum 21. Juli, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Unterdessen sieht sich die Mönchsgemeinschaft vor einem doppelten Schaden: Zu den Kosten für den Wiederaufbau des zerstörten Südtrakts komme ein Totalausfall der Pilgereinnahmen in Tabgha, sagt Pater Nikodemus Schnabel, Sprecher der Abtei. Nach seinen Worten ist die Pilger- und Begegnungsstätte in Galiläa die wichtigste Einnahmequelle für die deutschen Benediktiner im Heiligen Land.

Solidarität von jüdischer Bevölkerung

Doch weiterhin gebe es große Solidarität vor allem seitens der jüdischen Bevölkerung, so Schnabel. Nach dem Feuer am 18. Juni, das einen Teil des erst 2012 eingeweihten Klosterneubaus in Asche legte, seien Spenden und Hilfen auch von einigen Rabbinern eingegangen. Der Präsident des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), David Rosen, brachte eine Crowdfunding-Kampagne zum Wiederaufbau des Zentrums für interreligiöse Begegnung auf den Weg. Dennoch: Allein der finanzielle Schaden ist groß; die bisherigen Spenden, sagt Schnabel, können die laufenden Verluste nicht decken.

Wie hoch die Kosten für die Renovierung sein werden, ist für die Abtei bis zum Abschluss der Expertenuntersuchungen noch nicht abzuschätzen. "Sicher ist nur, dass es sich um einen siebenstelligen Eurobetrag handeln wird", so der Sprecher. Während man auf weitere Spenden hofft, ist der Einnahmeausfall im Klosterladen dramatischer.

Seit Brand für Besucher geschlossen

"In normalen Zeiten empfangen wir in Tabgha bis zu 5.000 Besucher täglich, seit zwei Wochen ist Tabgha für Besucher geschlossen", sagt Schnabel. "Tabgha ist unsere Lebensader." Auch die Dormitio, die Abtei in Jerusalem, finanziert sich zu einem großen Teil über Tabgha.

Der Schlag trifft die Mönche besonders hart, weil 2015 bislang kein gutes Jahr für den Pilgertourismus war. "Im ersten Quartal sind unsere Umsätze um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen", sagt Schnabel. Die Gründe für das Ausbleiben der Pilger sind vielfältig: Eine angespannte Sicherheitslage in der Region, die Wirtschaftslage und die recht hohen Kosten für Pilgerreisen ins Heilige Land sowie allgemeine Tendenzen zu einem Israel-Boykott mögen eine Rolle spielen.

In Tabgha setzt man unterdessen auf Normalisierung. Der Gästebetrieb und die Arbeit in der Begegnungsstätte Beit Noah laufen weiter. In der kommenden Woche, hoffen die Benediktiner, kann auch die Kirche wieder für Besucher zugänglich gemacht werden - mit einem Behelfsklosterladen in einem Container. Damit hoffen sie auch wieder auf Einnahmen.

Kardinal Marx fordert besseren Schutz religiöser Stätten

Wie erfolgreich die israelischen Ermittler bei der Aufklärung des Brandes sind, wird sich nach dem 21. Juli zeigen. Dass israelische Politiker den mutmaßlichen Anschlag verurteilten, fand jedenfalls nicht nur bei den Mönchen Anklang. Er sei dankbar für "die klaren Worte, die die israelische Staatsführung gefunden hat", schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an Benediktinerabt Gregory Collins.

Allerdings müssten "die Behörden diesen Worten Taten folgen lassen", so Marx. Er verlangte eine schnelle Aufklärung und die Bestrafung der Täter sowie einen besseren Schutz religiöser Einrichtungen vor Extremisten. Ähnlich äußerte sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Er versprach Abt Gregory, sich bei den zuständigen Behörden für rasche Ermittlungen einzusetzen.

Andrea Krogmann
(KNA)

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