Bremen
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11.05.2015

Bremens Propst will auch mit Rechtspopulisten reden Keine Dialogverweigerung

Propst Martin Schomaker fordert nach der Bremen-Wahl mehr Anstrengung, um Menschen für Politik zu interessieren. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 50 Prozent - so niedrig wie nie zuvor in einem westdeutschen Bundesland.

domradio.de: Sie hatten angekündigt, dass Sie keine großen Überraschungen erwarten. Am Ende war es dann aber doch ziemlich knapp. Hat Sie der Stimmenverlust von Rot-Grün überrascht?

Bremens Propst Martin Schomaker (Leiter des Katholischen Büros in Bremen, der Verbindungsstelle zwischen Kirche und Politik): Ja, das Wahlergebnis hat mich insgesamt überrascht. Die Befragungen im Vorfeld waren ganz anders. Es steht ja alles noch etwas unter Vorbehalt, weil das Wahlauszählen aufgrund dieser konkreten Situation, dass man fünf Stimmen hat, ja sehr lange dauert. Es wird wohl bis Donnerstag dauern, bis das endgültige Ergebnis vorliegt, also wir müssen noch immer ein bisschen spekulieren. Aber es ist ziemlich eindeutig, dass es eine große Veränderung gegeben hat, die so aus meiner Sicht nicht erwartet war.

domradio.de: Gehen wir doch einmal davon aus, dass Rot-Grün die Regierung stellen wird. Wie ist das denn im kirchenpolitischen Alltag: Haben SPD und Grüne, mit denen Sie dann weiter zu tun haben, ein offenes Ohr für Ihre Themen?

Propst Schomaker: Ja, das erlebe ich durchaus. Wir haben hier in Bremen kurze Wege, wir haben viele Möglichkeiten uns zu treffen. Vieles wird auch am Rande von anderen Treffen miteinander besprochen - natürlich nicht entschieden, aber doch dass man das ein oder andere ins Gespräch bringen kann. Ich erlebe das bei allen Parteien, dass das ganz gut möglich ist. Natürlich gibt es Politikerinnen und Politiker, die für die Kirche nicht so aufgeschlossen sind, das ist ganz klar, aber wir sind zumindest im Dialog und das finde ich ganz gut.

domradio.de: Die FDP ist nach vier Jahren also wieder im Bremer Landtag vertreten. Auch die AfD hat´s geschafft, ebenso die rechtspopulistische Partei "Bürger in Wut". Messen Sie diesen wenigen Sitzen eine Bedeutung bei?

Propst Schomaker: Das ist für mich im Augenblick schwierig zu sagen, wie das weitergeht. Mit der FDP gibt es durchaus Erfahrungen, die waren ja vorher in der Bürgerschaft auch vertreten, haben sich entsprechend eingebracht. Mit der AfD haben wir noch überhaupt keine Erfahrung hier in Bremen, das müssen wir jetzt einfach ausloten, wie das in Zukunft sein wird. Ich werde mich jetzt natürlich nach der Wahl bemühen, zu allen Parteien wieder Kontakt zu haben, mit allen Politikern ins Gespräch zu kommen und dann werde ich sehen, welche Atmosphäre vorherrscht und wie wir konstruktiv zusammenarbeiten können.

domradio.de: Sie werden auch mit AfD und "Bürgern in Wut" sprechen?

Propst Schomaker: Ich meine, dass es wichtig ist, dass wir mit allen Personen, die in der Bürgerschaft vertreten sind, auch im Dialog sind. Auch wenn es vielleicht nicht ganz einfach ist. Ich halte es für falsch, dass wir irgendwie eine Dialogverweigerung machen würden. Deswegen werde ich sicherlich überlegen, mit wirklich allen ins Gespräch zu kommen.

domradio.de: Wir müssen noch über die schwache Wahlbeteiligung sprechen. Sie hat sich leider bestätigt. Die Hälfte der Bremer ist einfach nicht an die Wahlurne gegangen. Nun hatte sich Bürgerschaftspräsident Christian Weber im Vorfeld für eine Wahlpflicht ausgesprochen. Was halten Sie davon?

Propst Schomaker: Mich hat das sehr erschrocken, dass es überhaupt diese geringe Wahlbeteiligung gegeben hat. So schlimm hatte ich damit nicht gerechnet und ich finde es wichtig, dass wir jetzt überlegen, wie kann es weitergehen, was können wir tun, damit wir Menschen für die Politik interessieren. Ich meine, das ist auch gut, das jetzt einmal ohne Denkverbote zu überlegen, vielleicht auch zu formulieren. Wahlpflicht finde ich persönlich nicht so berauschend, aber ich finde es gut, dass es zumindest diskutiert wird. Es zeigt, wir müssen alles überlegen, was dazu beitragen kann, dass Menschen sich wieder neu für die Politik und für die Gesellschaft interessieren.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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