Wahlplakat in Israel
Wahlplakat in Israel

16.03.2015

Israels Kirchen wirken vor den Wahlen abwesend "Ein gefährliches Laissez-Faire"

Am Dienstag wählt Israel ein neues Parlament. Christliche Beobachter kritisieren die mangelnde Präsenz der Kirchen im Vorfeld der Wahl. Sie seien abwesend und zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so der Vorwurf.

In der aktuellen Lage sei auch eine unpolitische Haltung "ein politisches Statement", sagt Azar Dawkar. Seine Organisation "Sikkuy" setzt sich für eine Gleichberechtigung zwischen jüdischen und arabischen Israelis ein. Dawkar, Palästinenser mit melkitischem Hintergrund, sieht in der Zurückhaltung der Kirchen ein "gefährliches Laissez-Faire", die Gefahr einer "gewissen Komplizenschaft mit Israel in der Ent-Arabisierung der Christen".

Kirchen zu sehr mit sich selbst beschäftigt

Auch der Jerusalemer Anwalt und orthodoxe Christ Elias Khoury kritisiert, die christliche Führung im Land sei "abwesend und nur mit sich selbst beschäftigt. Im Blick auf die nationalen Bedürfnisse der Christen tun sie schlicht nichts." Dabei wäre es aus seiner Sicht ein wesentliches Element im Kampf gegen die Abwanderung, wenn die arabische Minderheit eine Interessenvertretung im Parlament hätte.

"Wir müssen einen wirtschaftlichen, politischen und geschäftlichen Horizont eröffnen, um unsere gut ausgebildeten Jungen und ihre Fähigkeiten im Land zu halten", so Khoury. Obwohl viele junge Christen zur Bildungselite der arabischen Minderheit gehören, begegnen sie Schwierigkeiten auf dem einheimischen Arbeitsmarkt.

"Christen sind wertvoll für Israel"

Kritisch sehen Dakwar und Khoury jüdisch-israelische Versuche, mit den christlichen Arabern zu paktieren, aber muslimische Araber auf Distanz zu halten. "Christen sind wertvoll für Israel, um sich weißzuwaschen", sagt Dakwar. Er verweist auf den griechisch-orthodoxen Priester Gabriel Nadaf, der versuche, "eine absolute Loyalität mit dem Staat Israel zu schaffen". Aus der Gruppe um Nadaf tritt Shadi Haloul, Christ und Offizier der israelischen Armee, bei der Parlamentswahl an - auf der Liste der rechtsnationalen Partei «Israel Beiteinu».

Angst vor Islamismus

Israel versuche, eine "Nation aramäischer Christen" zu schaffen, meint Khoury. Dabei habe für die Mehrheit der arabischen-israelischen Christen die Unterscheidung zu muslimischen Mitbürgern keine Rolle gespielt. Erst jetzt gewinne die Angst vor Islamismus Einfluss auf das Wahlverhalten christlicher Israelis. Manche würden lieber auf eine Stimmabgabe verzichten, als islamistische Kandidaten der arabischen Israelis zu unterstützen, glaubt Khoury. Dakwar hingegen würde auch als Christ islamistische Volksvertreter in Kauf nehmen, wenn sie nur als einheitlicher Block «das Leben der rechtsgerichteten Israelis schwerer machen.

Die bischöfliche Kommission "Justitia et Pax" rief unterdessen katholische Gläubige zur Wahlbeteiligung auf. Eine konkrete Wahlempfehlung sprach sie nicht aus: Christen sollten nach ihrem Gewissen entscheiden, aber auf jeden Fall ihr Stimmrecht nutzen.Ähnlich allgemein appellierte die Kommission an die zukünftige Regierung, die Stimme jener zu hören, die unter dem permanenten Konflikt litten, und das Heilige Land zu einem besseren Ort zu machen.

Katholiken sollen ihr Wahlrecht nutzen

Mit der Mahnung, Bürgerrechte zu nutzen, hat die katholische Kirche als Institution nach Auffassung des kirchlichen Medienberaters Wadie Abunassar ihre politische Aufgabe im Wesentlichen erfüllt. Ohnehin, so Abunassar, seien die Kirchen im Heiligen Land in einer besonderen Situation: Der Großteil der Kleriker seien Ausländer und benötigten "eher Hilfe, um die komplexe Realität zu verstehen. Christliche Laien sollten sich daher fragen, was sie leisten könnten, «statt darauf zu warten, gefüttert zu werden".

Andrea Krogmann
(KNA)

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