Richard von Weizsäcker und Erzbischof Zollitsch 2013 auf dem Kirchentag
Richard von Weizsäcker und Erzbischof Zollitsch 2013 auf dem Kirchentag

11.02.2015

Erzbischof em. Zollitsch würdigt von Weizsäcker als großen Staatsmann "Ein wirklich aufrechter Christ"

Deutschland hat mit einem Staatsakt Abschied von Richard von Weizsäcker genommen. Im Interview erinnert sich der emeritierte Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, an viele Begegnungen mit dem Protestanten von Weizsäcker.

domradio.de: Was hat Richard von Weizsäcker in Ihren Augen denn so besonders gemacht?

Erzbischof em. Zollitsch: Ich bin ihm persönlich mehrfach begegnet und war jedes Mal beeindruckt von ihm. Ich habe gespürt, er ist ein gläubiger Christ, der auch sich zu seinem Christentum bekennt und diese Werte vertritt und weitergibt. Ich bin ihm zum Beispiel auch bei den Evangelischen Kirchentagen begegnet, auf denen wir mehrfach miteinander gesprochen haben. Und das hat mir jedes Mal imponiert. Das ganz Herausragende in seinem Leben ist natürlich, dass er als Bundespräsident die Wiedervereinigung Deutschlands miterleben und -gestalten durfte. Das ist sicher etwas Einmaliges, und das kennzeichnet ihn als Staatsmann aus, nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa.

domradio.de: Was können wir auch mit Blick auf Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985 für die heutige Zeit lernen?

Erzbischof em. Zollitsch: Es war damals wirklich das Ende des Nationalsozialismus, und das war sicher für Europa wichtig und entscheidend. Und insofern denken wir dankbar zurück, auch wenn natürlich die Kriegsfolgen für viele furchtbar waren.

Er lehrt uns mit dieser Aussage, nach vorne zu schauen, dankbar zu sein für die Freiheit, die uns geschenkt ist. Er lehr uns, nun ein wirklich freies Europa aufzubauen, ein Europa, in dem die verschiedenen Nationen friedlich zusammenleben und nach vorne schauen. In dem wir alles dafür tun, dass totalitäre Systeme nie wieder kommen in Europa. Das ist eines der großen Vermächtnisse Richard von Weizsäckers.

domradio.de: Wie bewerten Sie seinen Einsatz für die Ökumene?

Erzbischof em. Zollitsch: Er hat als Kirchentagspräsident immer darauf geachtet, dass bei den evangelischen Kirchentagen auch die katholische Seite dabei war, und dass wir entsprechend eingeladen wurden. Das war ein Zeichen. Er wollte Brücken bauen und das nicht nur in Deutschland als Kirchentags-Präsident. Er hat sich auch im Rahmen der protestantischen Kirchen bemüht, die Menschen zusammenzuführen und zu schauen, wie wir Menschen die Ökumene etwas mehr gemeinsam leben können, als es bisher der Fall gewesen war. Er hat jedenfalls immer dazu ermutigt, und er hat immer voller Hoffnung und Zuversicht nach vorne geschaut. Er hat uns eingeladen, den Weg nach vorne in eine bessere Zukunft zu gehen, auch im Miteinander der verschiedenen Konfessionen.

domradio.de: Mit welchen Gefühlen besuchen Sie heute den Staatsakt?

Erzbischof em. Zollitsch: Ich nehme Abschied von einem großen deutschen Staatsmann. Einem für mich überzeugten und überzeugenden Christen und einem Menschen, der bei allen unseren Begegnungen mit großer Aufmerksamkeit auf mich zukam mit großem Interesse an Dingen in der katholischen Kirche. Er fragte nach meiner Einschätzung in politischen Fragen. Er war wirklich ein aufrechter Christ, der als Staatsmann wirklich imponierend Weichen für die Zukunft gestellt hat.

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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