Ausbildung malischer Soldaten
Ausbildung malischer Soldaten
Kinder in Mali
Kinder in Mali

11.01.2015

Konflikt in Mali Der unterschätzte Krieg

Es schien eine einfache Intervention: Die französische Armee wollte Mali vor genau zwei Jahren von Islamisten befreien. Jetzt kämpft das westafrikanische Land noch immer mit den gleichen Problemen. 

In Mohamed Maouloud si Mohameds Laden türmen sich die Waren: Pakete mit grünem Tee, Büchsen mit Sardinen, Kekse, Obst und Gemüse in Dosen, Speiseöl und anderes mehr. Der malische Händler hat alles unter größten Mühen aus den Nachbarländern Mauretanien und Algerien herbeigeschafft. Er lebt im historischen Timbuktu im Norden des Sahelstaates. "Sobald man die Stadt verlässt, begegnet man den unterschiedlichsten bewaffneten Gruppen, Kriminellen oder Milizionären." Alle behaupteten von sich, die Region zu kontrollieren. "Nur von der Regierung siehst Du nichts mehr."

Der Norden von Mali ist ein staatsfreier Raum, die Bevölkerung der Willkür diverser Milizen überlassen. Die Bewaffneten treiben an den illegalen Schlagbäumen nach Gutdünken Gelder ein und nehmen den Reisenden bisweilen ihre Wagen und Laster samt Ladung weg. Wer dabei mit dem Leben davon kommt, schätzt sich glücklich.

Angriff im Norden 

Dabei hätte dieses Problem seit zwei Jahren gelöst sein sollen: Am 11. Januar 2013 griff die französische Armee in den Krieg im Norden Malis ein. Timbuktu und die beiden anderen größeren Städte Kidal und Gao waren zu diesem Zeitpunkt schon seit zehn Monaten von islamistischen Milizen und militanten Tuareg besetzt, das Land faktisch geteilt.

 Frankreich wollte mit der Militäroperation "Serval" den weiteren Vormarsch islamistischer Kämpfer auf die Hauptstadt Bamako im Süden verhindern. Auch afrikanische Länder entsandten eine Eingreiftruppe.

Nur Tage nach Beginn der französischen Luftangriffe wurde Timbuktu befreit. Am 28. Januar verließen Islamisten und Tuareg-Kämpfer fluchtartig die Stadt, die zum Weltkulturerbe der Vereinten Nationen gehört.

Tiefe Enttäuschung

Als der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy im Februar 2013 nach dem vermeintlichen Sieg über die Islamisten auf seinem Triumphzug durch Mali auch nach Timbuktu kam, jubelte Mohamed noch mit der Menge. Inzwischen ist er tief enttäuscht: "Wir warten bis heute auf eine wirkliche Verbesserung. Die Probleme sind immer noch dieselben."

Unweit der Städte verüben die Islamisten immer wieder schwere Anschläge. Opfer sind Zivilisten, malische Soldaten und Mitglieder einer UN-Blauhelmtruppe, die am 1. Juli 2013 von der französischen Armee die Aufgabe übernahm, den Norden Malis zu stabilisieren. Frankreich hat seine Soldaten mittlerweile auf rund 1.000 reduziert, einst waren es bis zu 4.000.

Drastische Verschlechterung 

In den vergangenen Monaten hat sich die Sicherheitslage im Norden Malis drastisch verschlechtert. Die UN-Mission MINUSMA ist nur mit etwa der Hälfte der gebilligten 11.000 Mann vor Ort. Etwa 30 UN-Militärangehörige wurden seit Beginn der Mission getötet. Der UN-Sondergesandte für Friedensmissionen, Hervé Ladsous, erklärte schon Mitte Oktober, in der derzeitigen Situation sei eine Friedensmission nicht mehr möglich. Der Einsatz komme mit der massiven Sicherung der Lager und dem schweren Gerät wie gepanzerten Fahrzeugen eher einem Kampfeinsatz gleich.

General Didier Dacko, stellvertretender Chef des malischen Generalstabs und zuständig für den Norden des Landes, teilt Ladsous' Besorgnis. "Die Bevölkerung lebt weiterhin in unsicherem Gebiet", räumt er freimütig ein. Der Großteil des Nordens werde nicht von der malischen Armee, der UN-Mission oder ihren Partnern kontrolliert, sondern von unterschiedlichen Milizen. "Einige dieser Gruppen sind in unseren Augen terroristisch, andere stellen eher politische Forderungen. Aber letztlich haben wir große Mühe, sie voneinander zu unterscheiden."

Auch EU beteiligt

Um eine Verbesserung der Sicherheitslage bemüht sich auch die Europäische Union. Im Rahmen der Ausbildungs- und Trainingsmission EUTM sind seit rund anderthalb Jahren auch etwa 150 deutsche Soldaten im Norden Malis. Seit Beginn der Mission wurden fünf Bataillone ausgebildet, etwa 3.000 Soldaten. "Die meisten Teilnehmer wollen wirklich lernen", sagt Oberstleutnant Ralf Hammerstein, Leiter des deutschen Kontingents. Andererseits ist die malische Armee auch weiterhin so schlecht ausgestattet, dass es ihre Kampfkraft nachhaltig schwächt. Zwei Jahre nach dem Eingreifen der französischen Armee kann von Frieden keine Rede sein.

Bettina Rühl
(epd)

Das DOMRADIO.DE WM-Tippspiel

Tippen Sie kostenlos gegen Schwester Katharina die Fußball-WM. Für jeden Mitspieler spenden wir für einen guten Zweck! Den Gewinner erwartet eine Überraschung.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 16.07.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Pfr. Dr. Reiner Nieswandt
    16.07.2018 07:45
    Evangelium

    Pfarrer Dr. Reiner Nieswandt

  • Matthäusevangelium
    16.07.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 10,34–11,1

  • Papst Paul VI. und Patriarchen Athenagoras I. hoben Exommunikationen auf
    16.07.2018 09:20
    Anno Domini

    Das Morgenländische Schisma

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen