Vorra setzt ein Zeichen
Vorra setzt ein Zeichen

14.12.2014

EKD-Ratsvorsitzender besucht spontan Gemeinde Zeichen gegen rechte Gewalt

Der mittelfränkische Ort Vorra ist seit den Brandanschlägen auf drei geplante Asylbewerberunterkünfte in den Schlagzeilen. Am Wochenende setzte der kleine Ort an der Pegnitz ein Zeichen gegen rechte Gewalt.

Mit einer Menschenkette und einem Solidaritätsgottesdienst haben die Menschen im mittelfränkischen Vorra auf die Brandanschläge auf geplante Asylbewerberunterkünfte reagiert. An dem Gottesdienst in der evangelischen Marienkirche nahmen am Sonntag rund 250 Menschen teil. Am Samstagabend besuchte auch der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm den 1.000-Einwohner-Ort bei Nürnberg und lobte das Engagement der Bewohner für die Aufnahme von Flüchtlingen.

In dem Ort waren am späten Donnerstagabend drei Gebäude ausgebrannt. Dort sollten ab Februar 2015 rund 80 Asylbewerber untergebracht werden. Die Ermittler gehen von Brandstiftung mit einem rechtsextremen Hintergrund aus. Jetzt bemüht sich der kleine Ort an der Pegnitz um ein Stück Normalität und will zugleich ein Zeichen gegen rechte Gewalt setzen.

Spontanbesuch des EKD-Ratsvorsitzenden

Unter den Bewohnern des Ortes herrschen Wut, Fassungslosigkeit und Trauer. "Aber Resignation ist nirgends zu spüren", berichtet der evangelische Pfarrer Björn Schukat dem EKD-Ratsvorsitzenden und bayerischem Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm. Der war am Samstagabend spontan nach Vorra gekommen.

"Es ist ihnen zu verdanken, dass der Name Vorra weiter einen guten Klang hat und jedem klar ist, dass die Flüchtlinge hier keine Ablehnung erfahren", sagt Bedford-Strohm im Gespräch mit Gemeindemitgliedern. "Es muss glasklar sein, dass so etwas nirgendwo ein Verständnis findet", sagt er mit Blick auf den rechtsextremistischen Hintergrund der Taten. "Das hat hier nichts zu suchen". Auch ein "Nährboden", aus dem solche Gewaltakte kommen, müsse bekämpft werden.

"Vorra setzt ein Zeichen"

Der Nürnberger evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche spricht im Solidaritätsgottesdienst unter dem Motto "Vorra setzt ein Zeichen" am Sonntagvormittag auch davon, dass die "dumpfen, braunen Parolen" und ihr "Nährboden" ausgetrocknet werden müssten. "Von hirnverbrannten Idioten" dürften sich die Bürger von Vorra nicht ihre Aufnahmebereitschaft kaputt machen lassen. "Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen", ruft der Theologe den Gottesdienstbesuchern zu. Die bilden nach der Feier in der Kirche eine Menschenkette um die beschädigten Häuser, in die jetzt wohl nicht so bald die erwarteten 80 Flüchtlinge ziehen werden. "Wir hatten sogar schon das Empfangs-Buffet geplant", erzählt der Pfarrer. Ein Flüchtlingsunterstützerkreis hat 30 feste Mitglieder, 30 weitere stehen bereit, wenn sie gebraucht werden. Im Nachbarort Afalter leben bereits 20 Flüchtlinge. Viele von ihnen haben nach den Flammen von Vorra Angst, erzählen Frauen aus dem Asylunterstützerkreis.

Normalität für Pegnitz

Am Samstagabend hatten auch antifaschistische Gruppen an einem Protestmarsch durch Vorra teilgenommen. Insgesamt hatten sich 600 Menschen dem Zug angeschlossen, der gegen Rechtsextremismus und vor allem für Solidarität mit Flüchtlingen demonstrierte.

Zur Ermittlung der Täter, die für die Brandanschläge verantwortlich sind, wurde eine 20-köpfige Sonderkommission gebildet. 5.000 Euro Belohnung sind für Hinweise ausgesetzt.

Am Sonntagnachmittag sollte in der Marienkirche ein lange geplantes Weihnachtskonzert der Kirchenchöre stattfinden. "Wir hatten überlegt, das abzusagen", sagt Pfarrerin Julia Schukat, "aber wir lassen uns nicht unterkriegen". Es soll wieder ein Stück Normalität einkehren in den kleinen beschaulichen Ort an der Pegnitz.

Kardinal Marx: Gegen Gewalt und Hass aufstehen

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat dazu aufgerufen, "gegen jede Gewalttat und gegen jeden Hass aufzustehen". Bei einem ökumenischen Gottesdienst zur Aussendung des Friedenslichts aus Bethlehem zeigte sich Marx am Sonntag im Münchner Liebfrauendom schockiert über "die schreckliche Tat". "Wie ist das möglich, dass Hakenkreuze geschmiert werden an Häuser, die geschaffen worden sind für Menschen in Not?", fragte Marx laut einer Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats.

Jutta Olschewski
(epd)

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