Amtseid ohne religiöse Formel: Ministerpräsident Ramelow
Amtseid ohne religiöse Formel: Ministerpräsident Ramelow

05.12.2014

Erster linker Ministerpräsident in Thüringen "Ramelow trennt zwischen Religion und Politik"

Bodo Ramelow ist neuer thüringischer Ministerpräsident. Warum der Protestant bei seiner Vereidigung auf die Formel "So wahr mir Gott helfe" verzichtete, erklärt Winfried Weinrich, Leiter des Katholischen Büros in Thüringen, im domradio.de-Interview.

domradio.de: Warum glaubt Bodo Ramelow, dass er Gottes Unterstützung nicht braucht? Er ist doch eigentlich protestantischer Christ.

Weinrich: Ich kenne Bodo Ramelow seit vielen Jahren als bekennenden evangelischen Christen. Er nimmt auch Gottesdienste im Landtag wahr. Ich glaube schon, dass er seinen Dienst auch mit Gottes Hilfe versteht. Aber im öffentlichen Raum wird er auf diese Formel verzichten, um seine Sicht der Trennung von Religion und Politik deutlich zu machen. Dieses Signal hat er auch schon vorher gegeben. Deshalb hat er bei der Vereidigung auf diese Formel verzichtet.

domradio.de: Nun ist er der erste linke Ministerpräsident. Es gab viele Diskussionen im Vorfeld. Was bedeutet die Wahl für die Menschen in Ihrem Bundesland, die unter der DDR gelitten haben?

Weinrich: Das ist für nicht wenige Menschen in Thüringen nicht ganz einfach, vor allem auch für die Opfer des DDR-Unrechts. Wir hatten ja im Vorfeld am 9. November und am Vorabend der Wahl auf dem Domplatz und vor dem Landtag Demonstrationen von mehreren tausend Menschen.

Als Kirchen werden wir ihn ganz genau daran messen, wie er das DDR-Unrecht in der praktischen Politik und im Umgang mit den DDR-Opfern in der Erinnerungskultur in den Blick nimmt. Da werden wir ihn sicher in die Verantwortung nehmen.

domradio.de: Wird denn die Zusammenarbeit zwischen Kirche und neuer Regierung in Thüringen funktionieren?

Weinrich: Ich glaube, dass es zunächst einmal eine Kontinuität in der Zusammenarbeit gibt. Wir haben bisher unter allen Regierungen in Thüringen nach der friedlichen Revolution ein gutes Verhältnis zwischen Staat und Kirche aufgebaut. Ich weiß, dass Bodo Ramelow selbst in seiner Fraktion immer wieder dafür geworben hat, den Dialog mit den Kirchen zu suchen und das bestehende Staatskirchenrecht, die Verträge zwischen Staat und Kirche, zu akzeptieren.

domradio.de: Ist Bodo Ramelow insgesamt für die Menschen in Thüringen als Ministerpräsident eine Zumutung oder wird da in der Zusammenarbeit Pragmatismus vorherrschen?

Weinrich: Die Menschen in Thüringen erwarten mehrheitlich, dass die Politik zum Wohle der Menschen arbeitet und damit beginnt. Wir hatten jetzt einen dreimonatigen Stillstand. Die Menschen erwarten, dass die Politik ihre Arbeit macht. Und die Wähler und auch die vielen Nichtwähler werden dann diese Arbeit bewerten und sich ihre Meinung bilden. Jetzt ist gewisser Pragmatismus gefragt. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht auch weiterhin schwer ist für viele Menschen, mit einem linken Ministerpräsidenten in Thüringen umzugehen.

(DR)

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