Katholische Medien sind gut aufgestellt
Nicht nur katholische Medien interessieren sich für das Ereignis

10.10.2014

Berichterstattung zur Familiensynode Konflikte, Neues und bekannte Gesichter

Die Familiensynode im Vatikan sorgt auch in weltlichen Medien für viele Schlagzeilen. Kommunikationswissenschaftler Christian Klenk erklärt die Faszination. Ein domradio.de-Interview.

domradio.de: Die Aufmerksamkeit in den Medien ist erstaunlich groß. Wie kann man das erklären?

Kommunikationswissenschaftler Klenk: Wie intensiv die Medien über ein Ereignis berichten, kann man in der Kommunikationswissenschaft mit Hilfe der Theorie der Nachrichtenwerte erklären. Es gilt die Regel: Wenn bestimmte Merkmale auf ein Ereignis zutreffen, wächst die mediale Aufmerksamkeit. Wenn diese spezifischen Merkmale auch noch mehrfach vorhanden sind, wird die Berichterstattung umso intensiver. Und gerade bei diesem Thema haben wir viele solcher Nachrichtenfaktoren.

domradio.de: Haben Sie da konkrete Beispiele?

Klenk: Da kann man auf jeden Fall den Nachrichtenfaktor "Konflikt" nennen. Es geht um den Konflikt katholische Lehre versus die Lebenswirklichkeit der Kirchenmitglieder, dann der kirchlichen Hierarchie versus das Kirchenvolk. Das Thema ist gut eingeführt und etabliert.

Auch Kirche und Sexualmoral ist kein neues Thema, viele Menschen haben hier eine eigene Meinung. Das muss man nicht erst einführen bei den Rezipienten. Auch der Faktor "Überraschung“ ist enthalten: In der Kirche wird plötzlich auf oberster Leitungsebene offen über die kirchliche Lehre gestritten. Das ist schon recht ungewöhnlich.

Auch "Relevanz" ist ein Punkt. Immerhin ein Drittel der Bevölkerung ist katholisch und die betrifft das dann auch mehr oder weniger stark. Auch wenn sich vielleicht nicht alle Menschen nach der Lehre richten. Aber es ist ja dann doch ein relevantes Thema.

Zu guter Letzt kommt der Faktor "Personalisierung". Wir haben den Papst, aber in diesem Fall ist sehr wichtig, dass es auch sehr einflussreiche deutsche Akteure in dieser Sache gibt wie etwa Kardinal Müller oder Kardinal Marx.

domradio.de: In den Medien werden auch immer wieder Konfliktlinien gezogen: Konservative gegen Liberale, Lebenswirklichkeit gegen Kirchenlehre, Kirchenvolk gegen Bischöfe. Sorgen diese Gegenseiten auch für Gesprächsstoff?

Klenk: Ja, das ist hier ein weiterer Konflikt auf einer Metaebene, einer zweiten Ebene. Es geht hier nicht nur darum, ob hier die Lebenswirklichkeit und die kirchliche Lehre aufeinander prallen, sondern es ist eben auch der Konflikt zwischen Konservativen und Reformern enthalten – also die Frage, welcher Kardinal im Vatikan mehr Einfluss hat; die Frage, wie mächtig ist denn der Papst eigentlich.

Kann er seine Pläne gegen die andere Seite durchsetzen? Das sieht man dann ja auch wunderbar an Schlagzeilen wie "Krieg der Kardinäle" oder "Kampf um Rom". Da ist schon deutlich zu erkennen, dass das ein Konfliktthema ist und sich in den Medien sehr gut darstellen lässt. 

domradio.de: Viele Erwartungen sind mit Papst Franziskus, aber auch mit dieser Synode verknüpft. Ergebnisse werden ohnehin erst für 2015 erwartet. Was glauben Sie, passiert auch in den Medien?

Klenk: Das war auch ein bisschen meine Befürchtung im Vorfeld der Synode, dass die Medien da eine ganz große Erwartungshaltung aufbauen. Und der Papst ist ja sowieso sehr aufgeladen mit Erwartungen, die an ihn geknüpft sind.

Man erwartet auch in einem Großteil der säkularen Medien, dass er die Kirche reformiert – nicht nur den Vatikan, sondern auch Teile der kirchlichen Lehre. Und da war eben schon die Befürchtung, dass eben jetzt diese Erwartung vorherrscht, dass innerhalb dieser ein, zwei Wochen der Synode alles umgekrempelt wird.

Aber soweit ich momentan die Medienberichterstattung überblicken kann, stellen eigentlich die seriösen Qualitätsmedien das schon sehr realistisch dar, dass nicht innerhalb von einer Woche gleich ein Ergebnis zu erwarten ist.

Aber ich denke, man muss sicherlich die Kommentierung zum Ende der Synode abwarten, wie das dann letztlich dargestellt wird. Ob dann die große Enttäuschung vorherrscht, vielleicht doch die Euphoriewelle einen Knick bekommt. Da muss man einfach sehen, wie sich das entwickelt.

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(DR)

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