Pilgern: Merkel und Rajoy
Pilgern: Merkel und Rajoy
Bitte lächeln: Merkel und Rajoy
Bitte lächeln: Merkel und Rajoy

24.08.2014

Merkel und Rajoy auf dem Jakobsweg Das etwas andere Pilgern

Knapp eine Woche vor einem EU-Sondergipfel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Wanderung mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy auf dem Jakobsweg unternommen.

Der Spaziergang auf einem etwa fünf Kilometer langen Teilstück der Pilgerroute bildete am Sonntag den Auftakt zu einem zweitägigen Arbeitstreffen der beiden Regierungschefs im Nordwesten Spaniens. Bei den Gesprächen im Wallfahrtsort Santiago de Compostela, der Geburtsstadt Rajoys, dürfte es um Absprachen für den EU-Gipfel am kommenden Samstag gehen. Dann wollen die Staats- und Regierungschefs der EU einen neuen Versuch unternehmen, sich auf die Besetzung von Spitzenposten in der Europäischen Union zu verständigen.

Spanien hofft darauf, dass der Madrider Wirtschaftsminister Luis de Guindos neuer Vorsitzender der Eurogruppe wird. Der Minister gilt als der Architekt der Bankensanierung in Spanien, für die Madrid von der EU Hilfskredite in Höhe von etwa 41 Milliarden Euro in Anspruch nahm. Allerdings hat Spanien nicht offiziell den Antrag gestellt, dass De Guindos der Nachfolger des Niederländers Jeroen Dijsselbloem wird. Madrid tritt auch dafür ein, dass der frühere Umwelt- und Agrarminister Miguel Arias Cañete der neuen EU-Kommission angehört und in dem Gremium ein wichtiges Ressort erhält.

Am Vortag des Treffens von Merkel und Rajoy hatte der spanische Oppositionsführer Pedro Sánchez in Santiago einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik der EU gefordert. Der Sozialist plädierte zur Belebung der Wirtschaft für eine Abwertung des Euro. Außerdem verlangte er Sonderprogramme der EU für Staaten mit einer Arbeitslosenquote von über 15 Prozent. "Merkel und Rajoy haben wenig zu feiern, aber viel zu korrigieren", meinte Sánchez.

Merkel wollte am Montag, dem Schlusstag ihres knapp zweitägigen Besuchs in Santiago, mit Rajoy zu einem Arbeitsgespräch zusammenkommen und gemeinsam die Kathedrale der Stadt besuchen. Das Gotteshaus ist das Ziel des Jakobswegs und eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten der Katholiken.

Sinnbild und Katalysator der europäischen Einigung

Seit laut Überlieferung der Einsiedlermönch Pelagius, wohl im Juli 813, auf dem "Sternenfeld" (Compostela) im damaligen Bistum Iria Flavia die Gebeine des Apostels Jakobus entdeckte, ist Sankt Jakob/Santiago Anziehungsort für Pilger aus dem ganzen Kontinent - wenn man so will ein Sinnbild und Katalysator der europäischen Einigung.

Die Botschaft, gemeinsam auf dem Weg zu sein, ist für Merkel nicht nur in der europäischen Dimension glücklich gewählt. Auch in die eigene Partei sendet die CDU-Politikerin damit ein Signal: Unser "C" spiegelt sich auch in der Tagespolitik. Gerade erst hat der frühere baden-württembergische Ministerpräsident und Parteigrande Erwin Teufel die derzeitige Familien- und die Rentenpolitik der Christdemokraten kritisiert. Viele in der Partei sorgen sich um das eigene christliche Profil innerhalb der großen Koalition. Da kommt ein quasireligiöser Akt, der zudem noch höchst zeitgeistig und populär ist, gerade recht.

Der Jakobsweg, ein Netz von Straßen und Wegen, die seit dem Mittelalter Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und schließlich Frankreich zum angeblichen Apostelgrab in Nordspanien führten, ist "in". Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat auf dem ganzen Kontinent eine Renaissance dieser "europäischen Kulturbewegung" eingesetzt, wie die von Jahr zu Jahr steigende Zahl von Pilgern belegt. In Deutschland löste der Komiker Hape Kerkeling durch sein 2006 erschienenes Buch "Ich bin dann mal weg" einen regelrechten Boom aus.

Keine Urkunde für die Kanzlerin

Allein im vergangenen Jahr bekamen rund 215.000 "echte" Pilger die offizielle Urkunde ausgehändigt. Die erhält nämlich nicht jeder der ungezählten Santiago-Touristen, die per PKW, Bus, Bahn oder Flugzeug anreisen: Dazu muss man mindestens die letzten 100 Kilometer bis Santiago gewandert oder geritten sein oder die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt haben. Ob das E-Bike als neuer Freizeittrend ebenfalls gleichberechtigt gilt, harrt noch einer Entscheidung.

Der Kanzlerin verhalf der Kurztrip auf dem "Camino" also nicht zu einer Urkunde. Aber es ging ja wohl auch mehr um das Zeichen - das genaue Gegenteil von "Sie ist dann mal weg". "Ultreia!", so lautet seit altersher der Pilgergruß auf dem Jakobsweg: "vorwärts, immer weiter!"

(KNA, dpa)

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